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Düsseldorf
Ferrari - Ein Mythos will an die Börse

Ferrari - Der Mythos aus Maranello will an die Börse
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Düsseldorf. Ferrari soll vom italienisch-amerikanischen Mutterkonzern Fiat Chrysler Automobiles an die Börse gebracht werden. Analysten rechnen mit Einnahmen von bis zu zehn Milliarden Euro - dabei produziert Ferrari pro Jahr nur 7000 Autos. Von Florian Rinke

Als das österreichische Gewehrfeuer in die Maschine von Francesco Baracca einschlägt, weiß er, dass es vorbei ist. 63 Mal hatte er seinen Jagdflieger mit dem aufgemalten, sich aufbäumenden schwarzen Hengst nach Luftkämpfen wieder nach Hause gebracht und dabei so viele feindliche Flugzeuge abgeschossen wie kein anderer italienischer Pilot im Ersten Weltkrieg. Wo der schwarze Hengst auftauchte, lehrte er seine Gegner das Fürchten. Bis zu diesem Tag.

Als die Eltern des Weltkriegshelden dem jungen Rennfahrer Enzo Ferrari anboten, das Symbol des springenden Hengstes ihres gefallenen Sohnes zu verwenden, wusste dieser daher genau, welche Ehre ihm zuteil wurde - und welche Aussagekraft ein solches Logo hätte. Es war genau die Stärke, die Ferrari vorleben wollte. "Denke wie ein Sieger, und du agierst wie ein Sieger", lautete seine Devise.

Und so wurde aus dem kleinen Jungen, der mit zehn Jahren sein erstes Autorennen in Bologna sah, der Gründer der wohl bekanntesten Sportwagenschmiede der Welt. Bis heute trägt Ferrari das springende schwarze Pferd im Logo und ist damit längst selbst wie Francesco Baracca zu einem Mythos geworden - und das weit über die Formel 1 hinaus. Der Glanz von Ferrari, das jährlich nur knapp 7200 Sportwagen verkauft, ist so groß, dass Analysten einen zehnprozentigen Anteil an der Firma bei einem Börsengang mit fünf bis zehn Milliarden Euro bewerten.

Und der steht bevor. Zuletzt bestätigte Mutterkonzern Fiat Chrysler Automobiles, Unterlagen für ein Debüt an der New York Börse bei der zuständigen Aufsichtsbehörde eingereicht zu haben. Der Verkauf des zehnprozentigen Ferrari-Anteils soll Fiat das nötige Geld bringen, um die anderen, angeschlagenen Konzernteile wie die Sportwagenmarke Alfa Romeo wieder auf Vordermann zu bringen. Und so dient der Verkauf von Ferrari-Anteilen ausgerechnet dazu, das Unternehmen zu sanieren, das Firmengründer Enzo Ferrari einst auf der Straße im sportlichen Wettkampf schlagen wollte.

Eine Zukunft im elterlichen, metallverarbeitenden Unternehmen hatte der junge Enzo nicht gesehen - er wollte Rennfahrer werden. Sein Glück versuchte er zunächst als Testfahrer, bevor er 1929 die Scuderia Ferrari als Rennteam für den Autobauer Alfa Romeo gründete. Doch dann trennten sich die Wege, und aus dem einstigen Team wurden Konkurrenten. Nachdem er Alfa Romeo 1939 verließ, schwor sich Ferrari, das Unternehmen irgendwann mit einem Wagen zu schlagen, der seinen Namen trägt. 1947 verließ der erste Ferrari 125 S das Werk in der Via Abetone Inferiore im italienischen Maranello.

Es ist die Geburtsstunde des Mythos Ferrari. Die Rennwagen mit V12-Motor feierten schon wenige Jahre später einen Sieg nach dem anderen. 1949 gewann ein Ferrari das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, drei Jahre später wird Ferrari zum ersten Mal Weltmeister in der Formel 1. Das gelbe Logo mit dem Pferd wird ebenso zum Markenzeichen der Scuderia wie der rote Lack, der einst nur aufgetragen wurde, weil Rennwagen in den 50er Jahren länderspezifisch gekennzeichnet sein mussten.

Es ist die Zeit, in der Ferrari in der Formel 1 einen Erfolg nach dem anderen feiert - aber auch die Zeit, in der die Nachfrage nach Sportwagen für den Straßenverkehr steigt. Doch um sich in diesem Bereich entwickeln zu können, braucht Ferrari Partner. 1969 unterzeichnete Enzo Ferrari daher eine Übereinkunft mit Fiat, jenem Unternehmen, bei dem er sich als junger Mann noch selbst erfolglos beworben hatte. Diesmal weist ihn der Autobauer nicht ab.

Der Autokonzern übernimmt zunächst 50 Prozent an Ferrari und erhöht seinen Anteil 1988 auf 90 Prozent. Die restlichen zehn Prozent hält bis heute Enzo Ferraris Sohn Piero. Ansonsten änderte sich im Grunde nicht viel, egal wie viele Titel Michael Schumacher für Ferrari in der Formel 1 sammelt oder wie erfolglos man nun eigenen Anspruch hinterherfährt: Ferrari bleibt sich im Kern treu. Verkauft werden nicht nur Sportwagen, verkauft wird ein Mythos.

Dieser soll nun auch die Anleger locken, doch langfristig könnte er zu wenig sein. "Auch eine hochemotionale Marke wie Ferrari kann sterben, wenn sie nicht mit der Zeit geht", warnt Automobilexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Themen wie Elektromobilität und Vernetzung würden wichtiger werden, immerhin sprechen auch neue Konkurrenten wie der Elektro-Sportwagenbauer Tesla die gleiche, kaufkräftige Zielgruppe an. "Langfristig wird Ferrari daher versuchen, die Produktpalette auszubauen und die Stückzahl zu erhöhen", schätzt Bratzel. Dass man damit weiterhin erfolgreich sein kann, haben Konkurrenten wie Porsche immerhin längst vorgemacht.

Quelle: RP
 
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