
Beraterin Susanne Obladen-Kablitz im Interview: Private Krankenversicherung: Eine Alternative zur Gesetzlichen?
Susanne Obladen-Kablitz berät Kunden seit 15 Jahren in den Bereichen Altersvorsorge und Geldanlage in Tönisvorst. Frau Obladen-Kablitz ist von Kunden auf dem unabhängigen Bewertungsportal WhoFinance unter den Top 30 Beratern in NRW ausgezeichnet.
Was für Herausforderungen gibt es bei der Entscheidung für eine gesetzliche oder private Krankenversicherung?
Obladen-Kablitz: Ich stelle fest, dass Verbraucher durch die Medien, Freunde und Bekannte und weitere Ratgeber verunsichert sind und häufig über falsche oder lückenhafte Informationen verfügen. Da eine solche Entscheidung sehr sorgfältig und überlegt erfolgen sollte, sind korrekte und sachliche Informationen von besonders wichtiger Bedeutung; falsche oder "halbrichtige" Standpunkte oder Aussagen im Rahmen einer Beratung zur Absicherung der Gesundheit können langfristige Konsequenzen haben und mit viel unnötigem Ärger verbunden sein. Da wird dann häufig die Absicherung durch die Private Krankenversicherung mit der mangelhaften Beratung oder Information durch einen Ratgeber oder im noch viel schlimmeren Fall durch einen Vermittler gleich gesetzt und erhält so eine negative Bewertung.
Wie sieht eine gute Beratung zum Thema Krankenversicherung aus?
Obladen-Kablitz: Im Rahmen einer sehr fundierten und seriösen Beratung sollte zunächst einmal abgesteckt werden, wie der Mandant abgesichert sein möchte. Die Gesundheit ist unser höchstes Gut; eine Erkrankung kann unser ganzes Leben auf den Kopf stellen. Hier stelle ich mit dem Mandanten zusammen die Qualitätsbausteine einer privaten Krankenversicherung zusammen, bespreche mit ihm die einzelnen Punkte und was sie im Ernstfall bedeuten können.
Die wichtigste Frage für mich ist: "Wie wollen Sie im Krankheitsfall behandelt werden?" Der Mandant beantwortet diese Frage in der Regel sehr präzise. Hierfür muss er aber zunächst wirklich und vollständig aufgeklärt worden sein. Woher soll er sonst wissen, wie sich Inhalte oder Nichtinhalte in den Versicherungsbedingungen für ihn auswirken können?
Ich stelle in letzter Zeit leider immer häufiger fest, dass die Beratung der Mandanten über immer neue Einsteigertarife mit scheinbar günstigen Beiträgen stattfindet. Oft erkennen die Mandanten dann erst nach geraumer Zeit, für welche tickenden Zeitbomben sie sich entschieden haben und das der anfänglich so attraktiv erscheinende Einstieg zum Albtraum wird. An diesem Punkt wird dann die private Krankenversicherung verteufelt, obwohl meist nur der Vermittler oder Berater eine Fehlleistung hat stattfinden lassen.
Um dem Mandanten die Ängste und Sorgen vor einem möglichen Wechsel in die private Krankenversicherung zu nehmen, gehe ich nun auf die immer wieder angesprochenen Punkte rund um die Entwicklung der Beitrag während der Laufzeit und im Rentenalter ein. Ich bin manchmal sehr erstaunt, welche Mythen sich um diese Themen ranken. Ich kann die Mandanten sehr gut verstehen, wenn sie verunsichert sind. Während meiner langjährigen Tätigkeit im Bereich der privaten Krankenversicherung habe ich mir nur sehr wenige fachlich fundierte und inhaltlich korrekte Beiträge im Zusammenhang mit der privaten Krankenversicherung anlesen oder anhören dürfen.
Hier ist eine umfangreiche Aufklärung besonders wichtig, denn dann löst sich die Angst in Luft auf. Das bedeutet nicht, dass sich jeder Mandat für die private Krankenversicherung entscheidet. Manchmal passt das Modell nicht und dann ist es auch wesentlich besser, hierauf zu verzichten. Aber ob die Entscheidung dafür oder dagegen ausfällt, der Mandant weiß nun genau, warum!
Im allerletzten Schritt werden nun die nach dem Mandantenwunsch ausgewählten Gesellschaften im Hinblick auf Unternehmenskennzahlen, historischer Entwicklung, Erfahrungen anderer Mandanten und Kundenfreundlichkeit näher unter die Lupe genommen. Im ganzen Auswahlprozess wird selbstverständlich die ganz persönliche Situation des Kunden berücksichtigt und einbezogen.
Was muss in die Entscheidung einbezogen werden?
Obladen-Kablitz: Neben den angesprochenen Gesichtspunkten kommen auch die folgenden Themen häufig zur Sprache: - Was ist mit der möglichen oder bestehenden Familiensituation? - Was passiert bei einer Arbeitslosigkeit oder im Falle einer Berufsunfähigkeit? - Muss ich, wenn ich während der Vertragslaufzeit schwer erkranke, einen Zuschlag zahlen oder kann mir sogar gekündigt werden? - Was bedeutet die Gesundheitsprüfung? Weiterhin geht es im ganzen Auswahlprozess selbstverständlich darum, die ganz persönliche Situation des Kunden zu berücksichtigen und entsprechend umzusetzen.
Wie bewerten Sie die zum 01.01.2011 in Kraft tretenden Veränderung im Gesundheitswesen?
Obladen-Kablitz: Die Gesundheit wird ab 2011 deutlich teurer. Auch gesetzlich Versicherte müssen sich auf einen höheren Beitragssatz und steigende Zusatzbeiträge einstellen. Das Limit für die Höhe der Zusatzbeiträge hat der Gesetzgeber aufgehoben; die Höhe des jeweiligen Zusatzbeitrages verantwortet jeder Krankenkassenableger selbst. Auch die Beiträge für die private Krankenversicherung steigen; dies ist schon deshalb unvermeidlich, da die private Krankenversicherung im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung eine Garantie der zugesagten und in den Versicherungsbedingungen verankerten Leistungen ausgesprochen hat.
Zudem erhält die private Krankenversicherung keinerlei Steuerzuschüsse; im Gegenteil: sie verfügt über Rücklagen in Milliardenhöhe. Nichts desto trotz ist die private Krankenversicherung nicht das non-plus-ultra. Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Wichtig ist, dass für den einzelnen Mandanten die für ihn optimale Lösung gefunden wird mit der er langfristig wunderbar leben kann und möchte.

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