Der Euro hat seit dem Höchststand von 1,5990 Dollar Mitte Juli fast 20 Prozent an Wert verloren. Noch heftiger der Ölpreis: Seit dem Juli-Rekord von 147,27 Dollar pro Barrel sank der Preis um mehr als 50 Prozent. Eine wesentliche Rolle spielt bei beiden Entwicklungen die Finanzmarktkrise und die damit verbundene wirtschaftliche Abschwächung, wenn nicht gar Rezession. Aber welche Mechanismen sind dabei am Werk? Nachfolgend acht Fragen und Antworten.
Ist der Fall des Euro Ausdruck einer größeren Wirtschaftsstärke der USA?
Zumindest mit Blick in die Zukunft. Die Märkte erwarten, dass sich die Konjunktur in den USA früher erholt als in Europa, wie der Deutsche-Bank-Experte Werner Becker erläutert. Schließlich seien die Vereinigten Staaten schon 2006 ins Konjunkturtal gerutscht, die europäischen Volkswirtschaften erst im zweiten Quartal 2008. Also könnte ein Aufschwung auch in den USA früher einsetzen.
Welche Rolle spielen die Notenbanken?
Die Zinsdifferenz oder genauer die Erwartung, dass diese sich bald verringern könnte, spielen ebenfalls eine Rolle. Derzeit ist der Unterschied zwischen den Leitzinsen - 3,75 Prozent im Euroraum, 1,5 Prozent in den USA - noch recht hoch. Wenn sich eine Verengung des Abstands abzeichne, leide der Euro, weil Anlagen in die Gemeinschaftswährung weniger attraktiv werden, erläuterte der Experte.
Wie wirken sich Angebot und Nachfrage aus?
Auch ein eher technischer Effekt belastet nach Angaben von Becker die Gemeinschaftswährung: Zahlreiche US-Hedgefonds brauchen dringend flüssige Mittel. Sie versilbern deshalb ihre europäischen Aktienbestände und tauschen die erhaltenen Euro in Dollar, um ihre Dollarschulden begleichen zu können. Das ergibt ein höheres Angebot an Euro und eine größere Nachfrage nach Dollar auf dem Währungsmarkt, was wiederum den Dollarkurs nach oben treibt.
Wie wirkt die Finanzmarktkrise auf den Ölmarkt?
Der Ölpreis sei "nicht gesunken, sondern kollabiert", weil die Finanzmarktkrise die Weltwirtschaft in die Rezession treibe, sagt Heino Elfert, Herausgeber des unabhängigen "Energie Informationsdienstes" (EID) in Hamburg. Dadurch sinkt der Energieverbrauch in den Industrieländern, in den USA zum Beispiel derzeit um rund 3 Prozent.
War der Rekord-Ölpreis auch von Spekulation getrieben?
Ganz sicher, meint Elfert. Das werde jetzt deutlich: Investmentbanken oder was davon übrig sei und andere Finanzinstitutionen haben nach seinen Beobachtungen ihr Geld inzwischen nicht nur aus dem Öl, sondern auch aus anderen Rohstoffen abgezogen, weil sie Liquidität benötigen. Die Preisblasen sind folglich in kürzester Zeit geplatzt.
Herrschen jetzt wieder normale Verhältnisse?
Jedenfalls gelten auf dem Ölmarkt nach Einschätzung des Experten wieder stärker die Regeln von Angebot und Nachfrage. Zurzeit drückt ein Angebotsüberschuss den Preis, weshalb die Opec am Freitag die Förderung drosseln will.
Steigen dann die Preise wieder?
Es ist noch unklar, in welcher Größenordnung die Erdöl-Förderung zurückgefahren wird. Es gebe aber Anzeichen, dass es nur darum gehe, den Preisverfall zu stoppen, und dass ein neuer Anstieg vorerst nicht zu erwarten sei, meint Elfert.
Welche Rolle spielt der Fall des Euro für die deutsche Ölrechnung?
Im Moment eine ungünstige. Da Erdöl in Dollar bezahlt wird, müssen mehr Euro dafür hingelegt werden, wenn dessen Wert im Vergleich zum Dollar fällt. Damit kommt die Abschwächung des Ölpreises in Europa nur eingeschränkt an. Andererseits hatte zuvor der Höhenflug des Euro, der fast parallel zur Rekordjagd des Ölpreises verlief, die Auswirkungen der Ölpreishausse auf Europas Wirtschaft und Verbraucher wenigstens gedämpft.