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Deutsche-Bank-Chef löst Empörung aus: Ackermann – der Abgehobene

VON ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 21.10.2008 - 07:41

Düsseldorf (RP). Josef Ackermann hat aus der Deutschen Bank einen Global Player gemacht. Doch mit seinen Äußerungen stößt er, unsensibel und schlecht beraten, normale Bürger immer wieder vor den Kopf.

Josef Ackermann hat ein Problem. Er ist der erfolgreichste Manager in Deutschland und hat aus der Deutschen Bank den einzigen Global Player der Branche gemacht. Doch der Schweizer hat bis heute nicht verstanden, dass die Brüder des Erfolges Verantwortung und Neid heißen. Wer wie Ackermann 14 Millionen Euro im Jahr verdient und damit der bestbezahlte Dax-Chef ist, provoziert den Neid seiner Mitbürger, gerade in einem vergleichsweise egalitären Land wie Deutschland. Und er hat eine besondere Verantwortung, auch im Umgang mit der Sprache.

Jobabbau trotz Rekordgewinn

Dieser aber wird Ackermann einmal mehr nicht gerecht. „Ich würde mich schämen, wenn wir Staatsgeld annehmen würden“, soll Ackermann laut „Spiegel“ mit Blick auf das staatliche Rettungspaket gesagt haben. Vermutlich hat er das selbstkritisch gemeint. In dem Sinne, dass er selbst schlechte Arbeit geleistet hätte, falls seine Bank Hilfe bräuchte. Doch bei Bürgern und Regierung kommt es anders an. Die Politiker peitscht in beispielloser Disziplin ein Rettungspaket durch das parlamentarische Verfahren, die Bürger stellen bis zu 500 Milliarden Euro Steuergeld bereit, um zockende Banken vor der Pleite zu bewahren. Und statt von Dank spricht Ackermann von Scham.

Dieses Missverständnis fügt sich in eine Reihe von Eklats, die Ackermann durch seine Äußerungen provoziert hat. Sei es, weil er selbst unsensibel ist, sei es weil ihn seine PR-Manager schlecht beraten.

Im Februar 2005 verkündete Ackermann, dass die Deutsche Bank weltweit 64000 Arbeitsplätze abbauen muss. Auf der gleichen Pressekonferenz erklärte er, dass der Nettogewinn der Bank um 87 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro geklettert ist. Natürlich kann das zusammen passen: Um im weltweiten Wettbewerb zu bestehen und deutsche Jobs zu sichern, muss die Bank Kosten sparen. Nur darf man solche Botschaften nicht in einem Atemzug verkünden. Auch dass Ackermann der Bank ein Renditeziel von 25 Prozent verordnete und den Job-Abbau weiter vorantrieb, kam nicht gut an.

Im Jahr zuvor hatte Ackermann bereits das Foto für die populäre These geliefert, dass „die da oben“ maßlos sind. Während des Mannesmann-Prozesses vor dem Landgericht Düsseldorf hatte Ackermann die Finger zum Victory-Zeichen gespreizt.

In dem Prozess waren Ackermann und weitere Aufsichtsräte der früheren Mannesmann AG wegen schwerer Untreue angeklagt. Sie sollen früheren Vorständen und Pensionären im Zuge der Übernahme durch Vodafone Prämien von insgesamt 57 Millionen Euro gewährt haben, ohne dass es eine Rechtsgrundlage gab. Am Ende wurde das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt. Ackermann musste 3,2 Millionen Euro zahlen, war aber nicht vorbestraft. Die Aufregung um den Prozess hat er nie verstanden: „Dieses ist das einzige Land, in dem die, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden“, beklagte er sich.

Ackermanns PR-Berater versuchten der Öffentlichkeit weis zu machen, das Sieges-Zeichen habe sich gar nicht auf den Prozess, sondern auf den Sport bezogen. Selbst wenn: So ein Zeichen von so einem Mann in so einem Prozess – das kann nur missverstanden werden.

Speerwerfer und Musiker

Dabei ist Ackermann eigentlich gar keiner von jenen Managern, die als Jüngelchen mit BWL-Diplom nur das große Geld im Blick und nichts vom Leben jenseits des Controllings gesehen haben. Ackermann wurde 1948 als Sohn eines Landarztes im Schweizer Kanton St. Gallen geboren. In jungen Jahren war er ein guter Speerwerfer. Er brachte es zu einem exzellenten Hobbymusiker, der klassischen Gesang ebenso wie das Klavierspiel beherrscht. Später studierte er an der Elitehochschule St. Gallen und diente sich in der wenig spektakulären Schweizerischen Kreditanstalt zum Präsidenten hoch. Ackermann hat auch eine Familie, die normalerweise für Erdung sorgt: Er ist mit einer Finnin verheiratet, sie haben eine Tochter.

Für 2010 hat Ackermann bereits seinen Rückzug angekündigt. Damit hat er noch etwas Zeit, nach seinen Maximen leben zu lernen: „Jedem, der eine Führungsfunktion inne hat, kommt eine Vorbildfunktion“, hat Ackermann nach dem Abführen von Ex-Post-Chef Zumwinkel gesagt. Bislang war Ackermann kein Vorbild.

Quelle: RP

 
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