Panik auch an US-Börse: Aktie der Pleitebank stürzt um 90 Prozent ab
zuletzt aktualisiert: 17.03.2008 - 16:26New York (RPO). Die Börsen-Panik hat auch die Wall Street erreicht: Vor allem die Kurse der Finanzwerte stürzten ab. Die Aktie der maroden US-Investmentbank Bear Stearns verlor seit Börsenstart 87,49 Prozent. Der DAX erreichte den tiefsten Stand seit Oktober 2006.
Mit den Turbulenzen reagierten die Märkte auf die Nachricht von der Übernahme der vom Kollaps bedrohten US-Investmentbank Bear Stearns durch JPMorgan Chase für einen Bruchteil ihres bisherigen Werts. Die US-Notenbank flankierte die Rettungaktion in einer ungewöhnlichen Eilentscheidung mit einer Senkung des Diskontsatzes; die Maßnahme zur Schadensbegrenzung konnte die Märkte aber nicht beruhigen.
Der Ausverkauf von Bear Stearns wurde weltweit als beunruhigendes Indiz für das wahre Ausmaß der Krise an der Wall Street gewertet. Die Handelsbank JPMorgan Chase erwarb die 1923 gegründete Investmentbank zum Schnäppchenpreis von rund 236 Millionen Dollar (149 Millionen Euro). Pro Aktie zahlte sie zwei Dollar.
Noch am Freitag wurde die Bear-Stearns-Aktie bei 30 Dollar notiert, im vergangenen Jahr hatte sie ein Allzeithoch von 158,39 Dollar verzeichnet. Die US-Notenbank Fed machte das Geschäft mit massiven Bürgschaften möglich: Sie erklärte sich bereit, für Risiken in Höhe von 30 Milliarden Dollar für Bear Stearns' schlecht gesicherte Investitionen zu übernehmen.
Die Fed flankierte die Rettungsaktion für Bear Stearns mit einer Senkung des Diskontsatzes von 3,5 auf 3,25 Prozent. Zu diesem Satz besorgen sich Geschäftsbanken kurzfristig Kredite, der Schritt soll mehr Geld in das angeschlagene Finanzsystem fließen lassen. Die Fed bot an, auch anderen großen Banken und wichtigen Finanzmaklern im Notfall mit kurzfristigen Darlehen auszuhelfen. Damit sollten Liquidität und Funktionsfähigkeit der Märkte gewährleistet werden, erklärte die mächtige Notenbank. Die Maßnahme werde für mindestens sechs Monate gelten und könne verlängert werden.
US-Präsident George W. Bush würdigte das "schnelle Handeln" der Fed. Er räumte erneut ein, dass die US-Wirtschaft derzeit "eine herausfordernde Zeit" durchlebe.
Die Schockwellen von der Wall Street ließen den deutschen DAX um mehr als drei Prozent sinken, er unterschritt zeitweise die Marke von 6200 Punkten. Zu den großen Verlierern zählten Finanz- und Immobilienwerte. Hypo Real Estate verzeichnete zeitweise ein Minus von mehr als zwölf Prozent, die Aktie der Deutschen Börse verlor über acht Prozent, die der Commerzbank mehr als sechs Prozent.
Die Bundesregierung riet zu Besonnenheit. "Wir sind zuversichtlich, dass Deutschland mit diesen Belastungen fertig werden kann", sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Stefan Olbermann, in Berlin. Zu Panik gebe es keinen Anlass.
Die Wall Street in New York eröffnete am Montag im Minus, in den ersten 20 Handelsminuten verlor sie 1,1 Prozent. Der Dollar setzte seinen Abwärtstrend fort, während auf den Rohstoffmärkten weltweit neue Höchstpreise erreicht wurden. In Asien wurde der Euro zeitweise mit 1,5905 Dollar bewertet, ein neuer Rekordstand. In Europa stand er am Nachmittag bei 1,5717 Dollar, am Freitagabend war der Euro noch mit 1,5669 Dollar bewertet worden. Der Ölpreis erreichte in New York im elektronischen Handel vor Marktöffnung ein neues Rekordhoch von 111,80 Dollar pro Barrel, fiel dann aber auf knapp über 107 Dollar. Der Goldpreis stieg mit 1032 Dollar pro Feinunze auf einen neuen Höchststand.
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