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Übernahmen: Angriff auf die Dax-Konzerne

VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 11.11.2006 - 17:57

Düsseldorf (RP). Investoren aus Dubai haben mit ihren Einstiegsplänen bei Deutschlands großen Unternehmen für Furore gesorgt. Tatsächlich sind einige Börsen-Schwergewichte durchaus Übernahmekandidaten - auch in Nordrhein-Westfalen.

Bei dem Gedanken an Dubai wird’s manchem deutschen Manager derzeit heiß. Und das liegt nicht daran, dass die Thermometer im Wüstenstaat auch im November noch Temperaturen von 25 Grad zeigen. Schweiß treibend wirkt bei einigen momentan eher die Tatsache, dass Dubais staatliche Beteiligungsgesellschaft DCI deutsche Großkonzerne als Investitionsobjekt ausgeguckt hat. Auf der Liste der Gesprächspartner, die zuletzt genannt wurden, tauchen große Namen auf: Siemens, Lufthansa, BASF, MAN, RWE, Eon, SAP.

Die illustre Liste wirft die Frage auf, welche Unternehmen aus dem Dax Übernahmekandidaten sein können - jetzt, wo nicht nur die Araber, sondern auch Russen und Chinesen als Investoren auf den deutschen Markt drängen. Dass Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin Gazprom als potenziellen Abnehmer für seine RWE-Anteile schon willkommen heißt, gab den Spekulationen um einen Einstieg der Russen bei RWE und Eon neue Nahrung. Ende offen.

Zwar haben weder DCI noch andere potenzielle Geldgeber in allen Fällen eine Mehrheitsübernahme im Visier. Aus Sicht eines reinen Finanzinvestors machen auch Minderheitsbeteiligungen Sinn, die man bei erfolgreichen Unternehmen mit entsprechender Kursteigerung nach einigen Jahren wieder verkaufen kann. Die Telekom wäre ein solcher Fall, wie der Einstieg von Blackstone zeigt. Auch wenn die T-Aktie derzeit kein Potenzial für Kapitalrenditen von 30 Prozent hat. Die sind nämlich bei Finanzinvestoren wie Blackstone üblich.

Wer könnte attraktiv genug für eine echte Übernahme sein? Generell gilt: "Der deutsche Markt ist für Investoren reizvoll, weil er günstig bewertet ist", sagt Analyst Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe. Interessant ist nach Einschätzung von Schlienkamp beispielsweise die Bankenlandschaft. Post-Chef Klaus Zumwinkel hat zuletzt vehement beteuert, dass die Postbank integraler Bestandteil des Konzerns sei und nicht zum Verkauf stehe. "Aber wenn die Zukäufe der Post im Ausland genug Ertrag abwerfen und der Komzern den Postbank-Gewinn weniger nötig hat - wer weiß?" fragt Schlienkamp. Womöglich kommt dann die Deutsche Bank wieder ins Spiel, die vor dem Börsengang der Postbank schon mal interessiert war. Andererseits ist der Branchenprimus selbst, vor Jahren schon mal im Visier des US-Riesen Citigroup, bei einem Börsenwert von etwa 50 Milliarden Euro nicht unerschwinglich für die Großen dieser Welt. Und bei der Commerzbank, um die es nach jahrelangen Übernahmespekulationen merkwürdig ruhig wurde, ist nach Einschätzung von Branchenkennern der Einstieg eines Großinvestors auch nicht vom Tisch.

Weitere Kandidaten: Altana, das nach dem Verkauf des Pharmageschäfts noch eine attraktive Chemiesparte hat, die Lufthansa (weil der Markt konsolidiert werden muss) und TUI. Dem Reiseriesen droht die Aufspaltung, weil es angeblich mehrere Interessenten für Containergeschäft oder Touristik gibt, aber kaum jemanden, der den Konzern als Ganzes will.

Familien- bzw. familiengeprägte Unternehmen wie BMW, Henkel und Metro müssen sich derzeit vermutlich so wenig Gedanken um Übernahmegerüchte machen wie Konzerne, die große Übernahmen hinter sich haben, und solche mit enormem Umbauaufwand: DaimlerChrysler muss Chrysler aufpäppeln, Bayer die Integration von Schering bewältigen, Adidas die von Reebok. Das alles kostet Geld - Aufwand, der auf die Rendite der Investoren drückt.


 
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