Finanzkrise: Aus für Weihnachtsfeier
VON ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 12.10.2008 - 10:20Düsseldorf (RP). Die Krise hat die Realwirtschaft erreicht: Henkel streicht Weihnachtsfeiern für die Mitarbeiter, SAP-Mitarbeiter sollen auf Urlaub verzichten, das Ford-Motorenwerk in Köln ist in Gefahr.
Die Mitarbeiter von Henkel erhielten jüngst eine E-Mail vom Vorstand: Alle Aktivitäten, die nicht direkt zur Erzielung von Erträgen dienen, werden im vierten Quartal gestrichen oder verschoben. Dazu zählt der Vorstand insbesondere Weihnachtsfeiern, egal ob unter Mitarbeitern oder mit Kunden. Gestrichen werden auch Weiterbildungen und Dienstreisen ohne Kundenbesuche. Investitionen in IT-Projekte friert der Düsseldorfer Konzern ebenfalls ein.
Mail auf Englisch
Die Belegschaft weiß, dass die Finanzkrise die Kauflaune der Verbraucher drückt, was Konsumguthersteller belastet. „Dennoch kam die Mail in der Belegschaft nicht gut an, zumal sie auf Englisch geschrieben war“, sagte Winfried Zander, Vorsitzender des Henkel-Betriebsrates, unserer Redaktion. „In der momentanen Marktsituation müssen alle 55.000 Mitarbeiter verstärkt auf Kosten achten“, verteidigte eine Henkel-Sprecher die Aktion. Dafür habe die Mail sensibilisieren wollen. Ob das gelingt, wenn etwa der Produktionshelfer in Düsseldorf-Holthausen nicht mal den Text versteht?
Auch die Mitarbeiter des Walldorfer Software-Konzerns SAP bekamen in diesen Tagen Mails vom Vorstand. Darin verkündete dieser wegen des Auftragseinbruchs im September einen Einstellungsstopp, um Kosten zu sparen. Damit die vorhandene Arbeit erledigt werden kann, bat der Vorstand die Mitarbeiter zugleich, freiwillig auf Urlaubstage zu verzichten. Die Vorstandsmitglieder selbst opferten je zehn Urlaubstage.
Verlagerung nach Rumänien?
Henkel und SAP stehen nicht allein. Die Finanzkrise zieht immer mehr Branchen der Realwirtschaft in Mitleidenschaft. Als erstes hatten die Autobauer Opel, Ford und BMW angekündigt, ihre Bänder vorübergehend stillzulegen. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer rechnet damit, dass die Finanzkrise nun dem Motorenwerke von Ford in Köln den Rest gibt. 1000 Mitarbeiter bangen um ihren Arbeitsplatz. „Dort werden vor allem Motoren für die USA gebaut und die sind im Moment fast unverkäuflich“, sagte Dudenhöffer unserer Redaktion.
Er rechnet damit, dass Ford nun ernst macht und das Motorenwerk nach Rumänien verlagert. Auch bei vielen Autozulieferern werde es zu Werksschließungen kommen. 2009 dürften bei Autobauern und -zulieferern bis zu 20.000 Stellen wegfallen. In den nächsten zehn Jahren werden es bis zu 100.000 sein“, so Dudenhöffers Prognose. Wenn ein Abschwung droht, verschieben viele den Autokauf. Wer weiß, ob man es nach dem Verlust des Jobssich noch leisten kann?
Sinkende Nachfrage
Eine Krise der Autoindustrie wiederum reißt andere Branchen mit. Wenn es dem größten Wirtschaftszweig des Landes schlecht geht, sinkt dessen Nachfrage nach Kunststoffen und Klebern. Entsprechend stellt sich der Chemie-Riese BASF auf eine schwächere Nachfrage ein. Der Branchenverband VCI betont, dass immer mehr Kunden Probleme hätten, Kredite zu bekommen. Das macht auch dem Bau zu schaffen. Noch würden keine Projekte verschoben, heißt es bei Hochtief und Bilfinger und Berger. Doch das könne sich ändern. Der Baustoff-Hersteller HeidelCement kündigte ein Sparprogramm an.
Am Ende trifft die Krise alle. Wenn das Weihnachtsgeschäft nicht die vor der Finanzkrise erwarteten Impulse bringe, drohten die Werbeausgaben um 600 Millionen Euro auf 300 Milliarden Euro zu sinken, erklärte der Zentralverband der Werbewirtschaft.
Auch Siemens stellt sich auf eine Eintrübung ein. Bei der Siemens-Tochter Osram geht bereits die Nachfrage nach Glühbirnen zurück. Selbst bei einfachsten Gütern ist die nahende Rezession zu spüren.
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