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Wirtschaftskrise: Autobauer geraten in Panik

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 20.10.2008 - 22:19

Düsseldorf (RP). Opel bekommt die Krise von General Motors zu spüren. Die Produktion an sechs Standorten wird erneut gestoppt. Auch für Ford, Daimler und BMW wird es eng. Chrysler und General Motors planen eine Not-Fusion.

Das Opelwerk und die Haushaltskasse der Revierstadt Bochum leiden unter dem Börsencrash.  Foto: AP, AP
Das Opelwerk und die Haushaltskasse der Revierstadt Bochum leiden unter dem Börsencrash. Foto: AP, AP

Erst war es nur eine Krise der "Big Three". Seit drei Jahren überbieten die us-amerikanischen Autobauer Ford, General Motors (GM) und Chrysler sich im Geld-Verbrennen, als wäre das eine neue olympische Disziplin. Die deutschen Töchter und Ex-Partner Daimler, Ford und Opel verfolgten das Desaster mit Bangen. Denn bei einer Milliarde US-Dollar, die allein GM derzeit pro Monat vernichtet, war klar: Früher oder später erreichen die Schockwellen Europa.

Jetzt ist es so weit. Aber die Finanzkrise hat die Talfahrt der Branche weiter verstärkt. Bei GM brach der Absatz im September um weitere 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ein. Bei Chrysler und Ford fielen die Verkaufszahlen sogar um über 30 Prozent.

Panik in Detroit. Mit wochenweisen Stilllegungen und einer verzweifelten Fusion wollen die blamierten Auto-Bosse vom Eriesee jetzt retten, was kaum noch zu retten ist. Ein Opel-Sprecher bestätigte unserer Redaktion, dass die deutsche GM-Tochter die Bänder erneut für zwei Wochen anhalten muss. Obwohl die Produktion schon während der Herbstferien auf Sparflamme lief, sollen in Bochum, Antwerpen, Ellesmere Port, Luton, Gleiwitz und Trollhättan bis Jahresende noch einmal 40.000 Autos weniger gebaut werden.

Ford hat in Köln Kurzarbeit angemeldet. In der Motorenfertigung sollen ab dem 3. November für fünf Wochen die Bänder stillstehen, sagte ein Ford-Sprecher der Zeitung "Express". Mercedes-Benz bereitet die Mitarbeiter sogar schon auf einen Personalabbau vor: "Wir haben immer gesagt, dass die Beschäftigung tendenziell sinken wird", sagte Produktionschef Rainer Schmückle. Derzeit stecke Mercedes-Benz in einer "ausgewachsenen Absatzkrise". Wenn die konjunkturelle Delle länger dauere, dann "werden wir an der Personalschraube drehen."

Die Delle wird länger dauern. Und nicht nur Mercedes wird Jobs streichen. Davon ist der Gelsenkirchener Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer überzeugt: "Im nächsten Jahr verliert die deutsche Automobilindustrie 10.000 bis 20.000 Arbeitsplätze", so der Experte, "in den kommenden zehn Jahren werden es 100.000 sein." Wenn Dudenhöffer recht behält ­ und niemand widerspricht ihm ­ wackelt in Deutschlands wichtigster Branche also jeder siebte Arbeitsplatz. BMW hat die Produktion um 25.000 Fahrzeuge gekürzt. Derzeit bauen die Bayern 8100 Stellen ab.

Fassungslos verfolgt die Autowelt derweil die Fusionsverhandlungen von Chrysler und GM. Fassungslos deshalb, weil beide Konzerne Todeskandidaten sind. Chrysler baut mit seinen spritschluckenden Pickups und Vans schon seit Jahren das Gegenteil von dem, was inzwischen auch die amerikanische Kundschaft will. Ergebnis: 66 Milliarden Dollar Netto-Verlust seit 2005. Und seit Daimler bereit war, 30 Milliarden Euro abzuschreiben, nur um Chrysler endlich los zu werden, kann man über die Verluste des zweiten Detroiter Katastrophen-Konzerns zwar nur noch spekulieren. Chrysler ist nicht mehr an der Börse und muss deshalb keine Zahlen nennen.

Aber Andreas Maurer, ein branchenweit renommierter Berater von Boston Consulting, äußerte schon im August "große Zweifel daran, dass Chrysler überlebt." Denn so viel ist sicher: Viel besser als bei GM kann es Chrysler gar nicht gehen. Denn auch Chrysler hat kaum gescheite Autos im Programm.

"Dieser Fusionsversuch ist die letzte Verzweiflungstat der Bosse in Detroit", sagt Dudenhöffer. "Die fahren mit Vollgas gegen die Wand und hoffen, dass die Politik die Wand einreißt." Denn in wenigen Wochen wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten. Sollten Chrysler und GM ihre Fusion vorher eingeleitet haben, ist der Riese genau so groß wie er krank. Dann müssen die Kandidaten ihm Hilfe versprechen. Sonst werden sie nicht gewählt.

Zeitbombe Leasing: Zum Absatz-Desaster der US-Autobauer summiert sich ein wachsendes Leasing-Problem. Viele Kunden lösen ihr geleastes Fahrzeug wegen der Finanzkrise nicht aus, sondern geben es nach drei Jahren zurück. So haben die Konzerne neben ihrer Überproduktion auch die Rückläufer zu bewältigen.


 
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