Hypo-Real-Estate: Axel Wieandt wird neuer Hypo-Chef
zuletzt aktualisiert: 07.10.2008 - 19:29München/Hamburg (RPO). Der Manager Axel Wieandt wird nach Unternehmensangaben neuer Chef der angeschlagenen Hypo Real Estate. Der 42-Jährige werde das Amt am 13. Oktober übernehmen, teilte der Konzern in München mit.
Wieandt arbeitete bislang bei der Deutschen Bank. Den Bereich Finanzen wird der Mitteilung zufolge der Commerzbank-Manager Kai Wilhelm Franzmeyer leiten. Wegen der internationalen Finanzmarktkrise geriet die Hypo Real Estate in eine schwere Krise und konnte nur mit einem Rettungspaket von der Bundesregierung und Privatbanken vor der Insolvenz gerettet werden.
Nach massivem öffentlichen Druck hat der Vorstandschef der schwer angeschlagenen Hypo Real Estate, Georg Funke, seinen Posten geräumt. Nachfolger soll der Deutsche-Bank-Manager Axel Wieandt werden, wie "Handelsblatt", "Financial Times Deutschland" und "Süddeutsche Zeitung" übereinstimmend unter Berufung auf Finanzkreise berichteten. Die Bank kommentierte die Berichte nicht. Der Aufsichtsrat der Hypo Real Estate wollte noch am Dienstag über die Nachfolge Funkes entscheiden.
Wieandt ist Leiter der Abteilung Konzernentwicklung bei der Deutschen Bank und gilt in der deutschen Bankenszene als hervorragend vernetzt. Er ist einer der wichtigsten Berater von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Seine Schwester Dorothee ist Managing Director bei Goldman Sachs Deutschland, sein Schwager Commerzbank-Chef Martin Blessing.
Funke, der wegen immer neuer Milliardenlöcher bei der Bank in die Kritik geraten war, verlasse im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung das Unternehmen, teilte die Immobilienbank am Dienstag in einer Pflichtmeldung für die Börse mit. Aufsichtsratsvorsitzender Kurt Viermetz will dagegen laut "Financial Times Deutschland" im Amt bleiben. Er sehe keinen Anlass für einen Rücktritt und werde erst mit Ablauf der nächsten Hauptversammlung 2009 ausscheiden, da er dann die Altersgrenze von 70 Jahren erreiche.
Druck war auf Funke nach neuen Milliardenlöchern gewachsen
Nach der überraschenden Offenlegung neuer Milliardenlöcher bei dem DAX-Konzern Ende vergangener Woch war der Druck auf die Manager der Bank deutlich gewachsen. Finanzminister Peer Steinbrück forderte die zügige Ablösung von Vorstandschef Funke und Aufsichtsratschef Kurt Viermetz. Regierung und Banken hatten am Wochenende ein neues Rettungspaket für den angeschlagenen Finanzkonzern schnüren müssen. Die Banken stockten ihre Kreditlinie für den Immobilienfinanzierer um 15 Milliarden Euro auf.
Bereits Anfang des Jahres war der 53-jährige Topmanager Funke wegen seiner Informationspolitik massiv in die Kritik geraten. Er hatte zunächst betont, die Bank sei von der Finanzkrise in den USA kaum betroffen. Im Januar 2008 hatte das Institut dann einen massiven Gewinneinbruch und Millionenabschreibungen bekanntgeben müssen. Analysten und Aktionärsschützer hatten bereits damals den Rücktritt von Funke gefordert.
Funke stand seit der Gründung der Hypo Real Estate im Jahr 2003 an der Spitze des Instituts, das aus eine Ausgliederung des Geschäfts mit gewerblichen Immobilienkredite der HypoVereinsbank entstanden war. Die Hypo Real Estate war im Zuge der internationalen Finanzmarktkrise durch massive Probleme bei der irischen Tochter DEPFA ins Trudeln geraten. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers bekam die DEPFA Probleme, sich kurzfristig am Kapitalmarkt zu refinanzieren.
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