Isländische Bank Kaupthing-Edge: BaFin friert Konten der Island-Bank ein
zuletzt aktualisiert: 09.10.2008 - 17:37Frankfurt/Main (RPO). Die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin hat die Kundenkonten bei der deutschen Niederlassung der am Donnerstag verstaatlichten isländischen Kaupthing Bank eingefroren. Die Einlagen deutscher Kunden sind nach Bankangaben durch die isländische Einlagensicherung garantiert.
Mit dem Einfrieren der Konten ist der Bank nun rechtlich untersagt, Auszahlungen vorzunehmen, teilte die BaFin auf Anfrage der ddp/Dow Jones Wirtschaftsnachrichten am Donnerstag in Bonn mit. Die Bank selbst hatte bereits in der Nacht den Online-Zugriff auf die Konten technisch unterbunden. Die Einlagen deutscher Kunden sind nach Bankangaben durch die isländische Einlagensicherung garantiert.
Mit dem Zahlungs- und Veräußerungsverbot soll einem BaFin-Sprecher zufolge ein "ungeordneter Abfluss" der Einlagen sowie ihr Transfer ins Ausland verhindert werden. Wie lange Kunden nicht an ihre Einlagen kämen, sei derzeit noch unklar. Aktuell werde ermittelt, wie viele deutsche Kunden ihr Geld bei der Bank hätten. Auch die Gesamthöhe der Einlagen in Deutschland sei noch unklar. Die BaFin stehe in engem Kontakt mit den isländischen Behörden.
Zu Wochenbeginn hatte die deutsche Kaupthing-Tochter laut Behörde rund 50000 Konten. Infolge der Berichterstattung im Wochenverlauf sei die Zahl wahrscheinlich bereits gesunken, hieß es.
Noch am Mittwoch hatte ein Banksprecher versichert, das Geschäft laufe normal weiter. Auch habe die Finanzmarktkrise, von der der Finanzsektor in Island besonders heftig betroffen ist, keine Auswirkungen auf das Geschäft in Deutschland.
Werbung für besonders hohe Zinsen
Auf der Internetseite, auf der immer noch mit besonders hohen Zinsen für Tagesgeldkonten geworben wurde, hieß es am Donnerstag: "Sehr geehrte Kaupthing Edge Kunden, die Kaupthing Bank wurde heute unter die Aufsicht der isländischen Bankenaufsicht gestellt. Derzeit ist der Zugriff auf die Online Konten nicht möglich. Sie erhalten schnellstmöglich weitere Informationen."
Nach Auskunft des Sprechers gehört die Bank nur der isländischen Einlagensicherung und nicht der deutschen an. Ob die isländische Sicherung auch für deutsche Kunden gelte, konnte er nicht sagen. Auf der Webseite heißt es, auch die deutsche Niederlassung unterliege den Regularien der isländischen Bankenaufsicht. Den Angaben zufolge werden Einlagen deutscher Kunden bis zu einer Höhe von 20.887 Euro zu 100 Prozent garantiert.
Kunden können laut Experte nur abwarten
Die Bank warb in Deutschland mit Zinsen, die sie in vielen Vergleichstabellen nach oben schießen ließ, wie Finanzexperte Uwe Döhler von Stiftung Warentest sagte. Es sei zweifelhaft, ob die isländische Einlagensicherung die Substanz habe, um das riesige Auslandsgeschäft der Bank aufzufangen. Kaupthing habe wahrscheinlich mehr Kunden als Island Einwohner. Daher stelle sich die Frage, ob das Wirtschaftsvolumen des Landes ausreiche, um die Bank am Leben zu erhalten, sagte Döhler. Momentan bleibe den Kunden nichts anderes übrig, als weitere Nachrichten abzuwarten.
In Island stehen wegen der internationalen Bankenkrise alle drei großen Finanzinstitute des Landes unter staatlicher Verwaltung. Die Regierung übernahm auch die Kontrolle über die Finanzinstitute Landsbanki und Glitnir. Am Montag hatte Ministerpräsident Geir Haarde vor einem Staatsbankrott gewarnt.
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