Kostensenkung: Banken wollen eigene Börse gründen
zuletzt aktualisiert: 15.11.2006 - 17:22Frankfurt/Zürich (RPO). Eine Gruppe führender Investmentbanken will eine eigene Börse gründen. Dazu haben Deutsche Bank, Citigroup, Credit Suisse, Goldman Sachs, Merill Lynch, Morgan Stanley und UBS ein eigenes Unternehmen gegründet. Sinn der Sache ist es, die Kosten für den Wertpapierhandel zu senken, denn die Nutzung der klassischen Börsensysteme kostet die Banken Geld.
Die Institute, die etwa für die Hälfte des europäischen Aktiengeschäfts an den Börsen verantwortlich sind, wollen zudem europäische Aktien, die bisher hauptsächlich an inländischen Börsen gehandelt werden, europaweit handelbar machen. Banken hatten in der Vergangenheit immer wieder einen Zusammenschluss von europäischen Börsen gefordert.
Ausgerechnet am Mittwoch hatte die Deutsche Börse aber ihre Pläne für eine Fusion mit Euronext aufgegeben. Damit ist ein einheitlicher europäischer Finanzmarkt ist vorerst vom Tisch. Denn bei der Londoner Börse ist schon die amerikanische Nasdaq eingestiegen, und die New Yorker Börse (NYSE) steht mit einem Angebot vor den Türen der in Euronext zusammengeschlossenen Handelsplätze Paris, Brüssel, Amsterdam und Lissabon.
Den etablierten Aktienmärkten in Europa könnte durch den Vorstoß der Banken eine Konkurrenz entstehen. Ein Sprecher der Schweizer Börse SWX, die seit Juni 2001 in London die paneuropäische Blue-Chips-Plattform virt-x betreibt, wies allerdings auch darauf hin, dass ähnliche Projekte bisher gescheitert seien.
Die Institute, die die neue Handelsplattform im kommenden Jahr einführen wollen, machen sich eine Neureglung durch die EU-Finanzrichtlinie Mifid zu Nutze. Diese erlaubt den Aufbau von Handelssystemen neben den etablierten Börsen. Der Börsenzwang, wie er beispielsweise noch in Großbritannien existiert, wird aufgehoben.
Die Banken haben bereits Mitarbeiter zum Aufbau des neuen Unternehmens eingestellt. Auch andere Institute sollen den Angaben zufolge die Plattform nutzen können.
Nähere Details über die Größe des neuen Unternehmens und dessen Finanzausstattung wurden nicht genannt. Die neue Aktienhandelsplattform soll von einer neuen Gesellschaft mit Sitz in London betrieben werden. Wie eine UBS-Sprecherin auf Anfrage in Zürich sagte, untersteht die neue Plattform der Aufsicht der britischen Finanzmarktaufsicht.
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