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Traumzins-Ära hält an: Bauherrn dürfen aufatmen

zuletzt aktualisiert: 15.11.2004 - 10:36

Berlin (rpo). Obwohl Amerika die Zinsen erneut angehoben hat, erwarten Experten keine Trendwende in der historischen Billig-Zins-Ära für Europa. Dafür ist der Euro einfach zu stark. 

In den USA sind die Zinsen wieder angehoben worden. Das beunruhigt so manchen Bauherrn, der die seit Monaten günstigen Zinsen in Deutschland jetzt auch bald davon galoppieren sieht. Doch die Folgen der US-Entscheidung werden in Europa voraussichtlich kaum zu spüren sein. Die viel beschworene Trendwende nach oben oder gar ein absehbares Ende der historischen Billig-Zins-Ära ist nach Expertenauffassung nicht in Sicht.

"Der starke Euro-Kurs hilft den Zinsen in Deutschland niedrig zu bleiben", so die Einschätzung von Volker Hofmann, Volkswirt beim Bundesverband deutscher Banken (BdB) in Berlin. In nächster Zeit sei keine Erhöhung für Verbraucher- und Baugeldkredite zu erwarten - wenn der Euro auf hohem Niveau und das Wirtschaftswachstum der Bundesrepublik weiter schwach bleibe, ist der Zinsfachmann überzeugt. Normalerweise spielten die US-Trends bei der deutschen und europäischen Zinsentwicklung durchaus eine Rolle. Spekulationen, die Europäische Zentralbank werde nun ebenfalls eine Korrektur nach oben vornehmen, seien aber vom Tisch.

Höchstens um Zehntelprozentpunkte

Stefan Speicher von der Bausparkasse Schwäbisch Hall hält die Bedingungen für Bauherrn und Käufer weiterhin für ideal. "Zu erwarten ist höchstens ein leichter Zinsanstieg für Annuitätendarlehen um Zehntelprozentpunkte", so seine Einschätzung.

Mit attraktiven, "sehr niedrigen Baugeldzinsen im historischen Vergleich" könnten die Verbraucher sogar das ganze nächste Jahr über noch rechnen, so der optimistische Ausblick von Robert Haselsteiner, Vorstand des Online-Baufinanzierers "Interhyp" in München auf 2005. Wer eine Immobilie kaufen oder bauen wolle, könne sich auf günstige Finanzierungskosten auch in der nahen Zukunft freuen.

Durch Spekulationen über steigende Zinsen sollten sich Verbraucher niemals unter Druck setzen lassen, rät Josephine Holzhäuser von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Die Prognose, dass die Finanzierung bald teurer werde "gibt es schon länger", winkt die Expertin ab. Wer nur wegen billiger Zinsen eine Immobilie anschaffe, gehe häufig damit baden. Eine Entscheidung nicht von der aktuellen Zinslage abhängig zu machen - das empfiehlt auch Markus Lietz von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Außergewöhnlich niedrige Traumzinsen seien noch lange kein Garant für ein stabiles Finanzierungsmodell.

Superzinsen auf Vorrat - oder doch nicht?

Trotzdem sind sich alle Experten einig: Wer zum Bau oder Kauf fest entschlossen ist, sollte nichts auf die lange Bank schieben. Das gilt auch für Verbraucher, deren Alt-Kredit bald ausläuft. Auf Nummer Sicher gehen und die Billig-Zinsen für möglichst viele Jahre festzurren, rät Haselsteiner. Die Bestsätze für klassische Annuitätendarlehen lägen auf 10 Jahre derzeit bei knapp über vier Prozent, für 20 Jahre noch unter fünf und für 26 Jahre bei knapp über fünf Prozent effektiv. "Das Risiko besteht immer, dass die Zinsen steigen", gibt auch Jörg Sahr von "Finanztest" zu bedenken. Und Holzhäuser meint: "Was ich hab', hab' ich."

Schwieriger wird eine Empfehlung für all diejenigen, deren teurer Alt-Kredit erst in ein bis drei Jahren ausläuft. Soll man sich die günstigen Zinsen jetzt mit Hilfe eines so genannten Forward-Darlehens für die Anschlussfinanzierung sichern oder lieber nicht? Das Bunkern der sicheren Super-Konditionen hat nämlich seinen Preis. Jeder Monat Vorratshaltung kostet einen Extra-Zinsaufschlag.

Eine Patentlösung gibt es nicht. Das Forward-Darlehen wird immer zur Spekulation in die Zukunft: ziehen die Zinsen tatsächlich wie gedacht an, geht die Rechnung auf. Bleiben sie stabil oder gehen sie noch weiter runter, zahlt der Häuslebauer drauf. "Wer vor 2 Jahren Angst vorm Zinsanstieg hatte, lag mit einem Forward-Darlehen aus heutiger Sicht daneben", sagt Holzhäuser.

Quelle: ap

 
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