Laut Zeitungsbericht: BayernLB braucht drei bis fünf Milliarden
zuletzt aktualisiert: 21.10.2008 - 14:01München (RPO). Die BayernLB rechnet laut eines Zeitungsberichts in diesem Jahr mit einem Verlust von drei Milliarden Euro. Deshalb benötige die Landesbank eine Kapitalspritze von drei bis fünf Milliarden Euro aus dem Rettungspaket der Bundesregierung.
Dies berichtet das Online-Portal der Zeitung "Handeslblatt" ("Handelsblatt.com") unter Berufung auf Sparkassenkreise. Ein Sprecher der BayernLB lehnte jede Stellungnahme ab und verwies auf die Verwaltungsratssitzung am Nachmittag.
Laut "Handelsblatt" setzt die Landesbank ganz auf das Rettungspaket der Bundesregierung. Der bisher geplante Rettungsschirm von Freistaat und Sparkassen, der derzeit in Brüssel zur Prüfung liegt, solle nicht genutzt werden. Bei den Sparkassen sei die Verärgerung groß. Die Höhe des erwarteten Verlusts von drei Milliarden Euro habe überrascht.
Allein im dritten Quartal sollen Belastungen in Höhe von einer Milliarde Euro bei der BayernLB angefallen sein. Die Sparkassen befürchteten, dass sie auf Jahre hinaus keine Dividende erhalten, wenn das Rettungspaket der Bundesregierung genutzt werde. Unklar sei noch, welchen Beitrag der Freistaat und die Sparkassen zur Sanierung leisten müssen. "Das könnte nochmals ein Milliardenkraftakt werden", zitierte die Zeitung aus dem Umfeld der Bank. Es sollen auch Stellenstreichungen beschlossen werden.
Kritik von Leutheusser-Schnarrenberger
Die angeschlagene Bayerische Landesbank will erst am Nachmittag über das Ausmaß neuer Belastungen und ihren Kapitalbedarf informieren. Auf einer Krisensitzung möchte der Verwaltungsrat über eine Kapitalerhöhung in Milliardenhöhe und den Antrag auf Bundeshilfe entscheiden. Die bayerische FDP-Vorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger kritisierte die Banker, aber auch Finanzminister Erwin Huber.
Dass der Rettungsschirm des Bundes eine große Chance für die BayernLB sei, sei klar. "Ich ärgere mich aber darüber, dass am Samstag davon noch nicht die Rede war, am Sonntag dann aber genau das von Huber zu hören war", sagte Leutheusser-Schnarrenberger der "Süddeutschen Zeitung".
Bei den Koalitionsverhandlungen von CSU und FDP am Samstag hatten Landesbank-Vorstandschef Michael Kemmer und der bayerische Sparkassenchef Siegfried Naser den Finanzbedarf der BayernLB auf zwei bis fünf Milliarden Euro geschätzt. Der designierte CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer und Leutheusser-Schnarrenberger unterbrachen die Koalitionsverhandlungen deshalb, bis Klarheit über die Belastungen herrscht.
Am Donnerstag müsse die alte Regierung noch ein entsprechendes Finanzpaket beschließen, forderte Leutheusser-Schnarrenberger und stellte klar: "Die Regierung unter (Günther) Beckstein trägt dafür noch die Verantwortung."
Kapitalerhöhung und Bundeshilfe statt Bürgschaft?
Zur Stabilisierung der Landesbank war ein neuer Rettungsschirm mit Kapitalerhöhung und Bundeshilfe im Gespräch, der die im April beschlossenen 4,8 Milliarden Euro große Bürgschaft von Freistaat und Sparkassen ersetzen könnte. Damals hatte die BayernLB die faulen Kredite auf 6,0 Milliarden Euro beziffert. Inzwischen kamen durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers, den Zusammenbruch isländischer Banken sowie Belastungen in Ungarn weitere hohe Belastungen hinzu. Der 4,8-Milliarden-Euro-Schirm liegt noch zur Genehmigung in Brüssel. Bei den Sparkassen gibt es aber Widerstand gegen jetzt ins Auge gefasste umfangreiche Kapitalerhöhungen.
Leutheusser-Schnarrenberger zeigte sich empört über Kemmer und Naser: "Die Informationen, die wir von den beiden Herren bekommen haben, waren höchst unbefriedigend. Das waren Zahlen, die gingen völlig durcheinander", sagte sie der Zeitung. Es sei ungewöhnlich, "dass ein Bankvorstand Risiken nicht richtig benennen kann oder sie gleich ganz unter den Tisch fallen lässt, um am Ende dann zu sagen, das sei ja alles ganz fürchterlich", kritisierte Leutheusser-Schnarrenberger.
Der Regensburger Oberbürgermeister und BayernLB-Verwaltungsrat Hans Schaidinger sagte dem Bayerischen Rundfunk, über den Kapitalbedarf der Bank sei intern schon länger diskutiert worden.
Huber, Kemmer und Naser kündigten für 18 Uhr ein kurzes Pressestatement in der Landesbank über die Eckpunkte zur Stärkung des Kapitals der BayernLB an.
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