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Berenberg-Bank
Der Banker, der Robbie Williams holte

Berenberg-Chef Hans-Walter Peters holte Robbie Williams
Hans-Walter Peters steht seit Januar 2009 an der Berenberg-Spitze. FOTO: laif / Daniel Pilar/laif
Hamburg. Berenberg-Chef Hans-Walter Peters verpflichtete den britischen Popstar fürs große Betriebsfest der Bank. Ein ungewöhnlicher Akt eines Mannes, der 2016 Präsident des Privatbanken-Verbandes BdB werden soll. Von Georg Winters

Bei der Deutschen Bank ist der Co-Vorstandsvorsitzende Jürgen Fitschen nur noch ein Chef auf Zeit. Nach der Hauptversammlung am 19. Mai 2016 endet die Karriere des Mannes, der dem viel beschworenen Kulturwandel bei der Deutschen Bank Glaubwürdigkeit verleihen sollte, dann aber in die Skandale und Rechtsstreitigkeiten der Bank verstrickt war und im letzten Jahr seiner Amtszeit Angeklagter in einem Strafprozess ist. Noch einen Monat früher tritt Fitschen als Präsident des privaten Bankenverbandes BdB ab - wobei das Ende des Verbandsführers nichts zu tun hat mit dem Abgang des Bankmanagers. Am 11. April 2016 macht Fitschen regulär Platz für seinen Nachfolger. Das wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Hans-Jürgen Peters, Chef und Miteigentümer der Hamburger Privatbank Berenberg. So ein Amt heißt im offiziellen Jargon "Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter". Gewählt werden soll Peters am 9. November. Formsache.

Der Wechsel ist ein Einschnitt. Das hat weniger damit zu tun, dass das Amt des Bankenpräsidenten alle drei Jahre zwischen Groß- und Privatbank wechseln soll, sondern mehr mit der aktuellen Situation. Dem Co-Chef der größten deutschen Bank, deren öffentliche Wahrnehmung in den vergangenen Jahren geprägt war durch Negativ-Schlagzeilen en masse, folgt ein Mann, den außerhalb der Branche vermutlich nicht so viele kennen. Eine Bank, die als echte Privatbank ihre Geschäfte diskret macht, die Wert auf Privatsphäre legt, die große Öffentlichkeit eher selten erfährt.

Umso mehr Wirbel hat deshalb das jüngste Mitarbeiterfest bei Berenberg ausgelöst. Zu dem Anlass hatte Peters Robbie Williams engagiert. Das war vergangenen Freitag, und nach dem Gig mit dem Superstar aus Großbritannien hat Peters nicht nur positive Kommentare erlebt. Peters ist das wurscht. Die Mitarbeiter der Bank leisteten großartige Arbeit und hätten sich zum 425-jährigen Jubiläum der Bank etwas Besonderes verdient. Die Begeisterung sei riesig gewesen.

Peters geht seinen eigenen Weg. Für einen Bankenpräsidenten ist der indes momentan steinig. Es geht darum, das ramponierte Image einer Branche aufzupolieren, Lobbyarbeit zu leisten bei Politikern, mit denen es sich manche Branchenvertreter verdorben haben, Interessensvertreter zu sein für Unternehmen, die sich in Sachen Kapitalvorschriften und Regulierung von der Brüsseler Bürokratie geknebelt fühlen. Das alles kennt der Banker, der seit zwei Jahren dem Präsidium des Verbandes angehört und vor seinem Wechsel zu Berenberg 1994 für die Dresdner Bank, die DG Bank und die Frankfurter Volksbank gearbeitet hat.

In Hamburg war Peters eineinhalb Jahrzehnte sozusagen leitender Angestellter, ehe er vor fünf Jahren der NordLB Anteile abkaufte und gemeinsam mit Geschäftsführungs-Partner Hendrik Riehmer zum Miteigentümer bei Berenberg aufstieg. Und das ist noch bescheiden formuliert, denn im Grunde ist das Duo über die gemeinsame PetRie Beteiligungsgesellschaft mbH mit 26,1 Prozent größter Eigner, weil sich die von der Familie Berenberg gehaltenen 30 Prozent auf viele Anteilseigner verteilen.

Peters und Riehmer haben in den vergangenen Jahren die Rolle des hanseatischen Instituts als Kapitalmarktbank gewaltig gestärkt. Auffälliges Beispiel: der Börsengang von Rocket Internet 2014, bei dem Berenberg eine von drei Konsortialbanken war. Die Hamburger haben sich in den Finanzmetropolen London und New York mit Investmentbankern verstärkt - auch das ist ein Indiz für das Wachstumsstreben an der Elbe und die Zielstrebigkeit des als durchsetzungsstark geltenden Hans-Walter Peters. Angst, der Präsident in spé könne sich als Vertreter einer (noch) relativ kleinen Bank kein Gehör verschaffen, muss wohl niemand haben.

Quelle: RP
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