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Börse
China-Crash lässt Dax unter 10.000 Punkte rutschen

Das 1x1 der Börsensprache
Das 1x1 der Börsensprache FOTO: AP
Frankfurt/Main. Die andauernden Turbulenzen an Chinas Börsen reißen auch den deutschen Aktienmarkt weiter in die Tiefe. Der Dax fiel am Donnerstagmorgen deutlich unter die Marke von 10.000 Punkte.

Binnen der ersten Handelsstunde sackte der deutsche Leitindex Zug um Zug immer weiter ab und stand zuletzt mit 3,32 Prozent im Minus bei 9874,95 Punkten.

Durch die Sorgen um Chinas Wirtschaft hatte der Dax bereits in den vergangenen drei Handelstagen knapp fünf Prozent an Wert eingebüßt. Auch an anderen asiatischen Börsen wie in Japan ging es deutlich abwärts. Der MDax der mittelgroßen Konzerne gab am Morgen um 2,26 Prozent auf 19.537,69 Punkte nach. Der Technologiewerte-Index TecDax verlor 2,38 Prozent auf 1745,05 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rutschte um 2,52 Prozent auf 3060,17 Punkte ab.

Auch die Ölpreise haben am Donnerstag weiter verloren. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Februar kostete am Morgen 33,24 US-Dollar. Das waren 99 Cent weniger als am Vortag und so wenig wie seit über elf Jahren nicht mehr. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel um 90 Cent auf 33,07 Dollar.
Zwischenzeitlich hatte die Sorte WTI 32,77 Dollar gekostet. Das US-Öl war so billig wie seit Dezember 2008 nicht mehr.

An den Börsen Chinas hatten die Anleger abermals panikartig verkauft - der Handel wurde bereits nach kurzer Zeit wegen zu hoher Verluste gestoppt. An den globalen Finanzmärkten sorgten sich die Anleger auch über die anhaltende Abwertung der chinesischen Währung Yuan, sagte IG-Marktanalyst Angus Nicholson. Sie könnten eine noch größere Schwäche der chinesischen Wirtschaft signalisieren als aus offiziellen Statistiken hervorgeht.

Staaten können über eine Währungsabwertung versuchen, die Konjunktur anzukurbeln. Im Inland produzierte Waren werden dadurch im Ausland günstiger. Das kann der Exportwirtschaft helfen.

Chinas Börsen - Spielcasinos?

Die Börsen in China werden gern mit Spielcasinos verglichen. Es wird heftig spekuliert, die Aktiengesellschaften im Land sind wenig transparent. Auch greift der Staat häufig ein, wie sich bei den schweren Turbulenzen im vergangenen Jahr zeigte, als ein Großteil der Aktien einfach vom Handel ausgesetzt wurde.

Seit 1990 gibt es in China zwei Börsen. Der größte Aktienmarkt ist in der ostchinesischen Hafenmetropole Shanghai, der kleinere im südchinesischen Wirtschaftszentrum Shenzhen. In den ersten Jahren nach der Gründung ging es weniger darum, effiziente Kapitalmärkte zu schaffen, als vielmehr um die Möglichkeit, dringend benötigtes Kapital zur Sanierung angeschlagener Staatsbetriebe aufzutreiben.

Seither haben sich die Märkte rasant entwickelt, sind aber bis heute vom Börsengeschehen im Rest der Welt weitgehend abgeschottet. Es gibt zwei Arten von Wertpapieren: A-Aktien werden in der chinesischen Währung (Yuan) ausgegeben, sind chinesischen Investoren vorbehalten und können nur von ausgesuchten ausländischen institutionellen Anlegern gekauft werden. Ferner gibt es B-Aktien, die in Shanghai in US-Dollar und in Shenzhen in Hongkong-Dollar gehandelt werden und für ausländische Investoren gedacht sind.

Um die chinesischen Börsen kontrolliert zu öffnen, vereinbarte Shanghai vor einem Jahr eine Kooperation mit Hongkongs Aktienmarkt. Damit erhielten erstmals ausländische Anleger direkten Zugriff auf A-Aktien, in der Gegenrichtung können chinesische Investoren Aktien in Hongkong kaufen. Der Handel wird mit Quoten aber streng reguliert.

Um größere Turbulenzen an Chinas Märkten zu verhindern, können einzelne Aktien, die mehr als zehn Prozent verlieren, vom Handel ausgenommen werden. Bei den Kursrutschen seit dem vergangenen Sommer galt dies zeitweise für mehr als die Hälfte aller Papiere.

Seit dem 1. Januar gilt ein genereller Schutzmechanismus, der bei einem Kursrutsch des China Securities Index (CSI) mit 300 führenden Werten um über 5 Prozent 15 Minuten Handelspause vorsieht. Bei mehr als 7 Prozent wird der Handel für den Rest des Tages ausgesetzt.

 

(felt/dpa/REU/AFP)
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