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Börse
Dax schließt unter der 9000-Punkte-Marke

Das 1x1 der Börsensprache
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Frankfurt. Börsianer sehen rote Vorzeichen - Ausverkauf am deutschen Aktienmarkt: Der Dax hat zum ersten Mal seit anderthalb Jahren wieder unter der Marke von 9000 Punkten geschlossen.

Erstmals seit Oktober 2014 hat der Dax wieder unter der psychologisch wichtigen Marke von 9000 Punkten geschlossen. Wegen Sorgen vor einem globalen Wirtschaftsabschwung büßte der deutsche Leitindex am Montag 3,30 Prozent auf 8979 Punkte ein. Der MDax verlor 4,48 Prozent auf 17.849 Punkte, der TecDax der Technologiewerte brach sogar um 5,81 Prozent auf 1500,14 Punkte ein.

Die anhaltenden Sorgen vor einem globalen Wirtschaftsabschwung ließen den deutschen Leitindex am Montag um mehr als drei Prozent abrutschen. Seit Monaten steht der Aktienmarkt unter Druck. Das alte Jahr hatte der Dax noch bei gut 10.700 Punkten beendet. Seitdem ging es fast durchgängig abwärts. Hauptgründe sind der Ölpreis-Verfall und schlechte Konjunkturdaten insbesondere aus China. Zudem hatte sich jüngst der Euro wieder etwas gefestigt, was den Export erschwert.

Wie weit es noch abwärts geht, darüber sind sich die Experten uneins. Jochen Stanzl von CMC Markets hält einen weiteren Dax-Rückgang bis 8300 Punkte in den kommenden Wochen für möglich. Nach einer Umfrage des Forschungsinstituts Sentix ist die Stimmung der Anleger im Euroraum im Februar auf den tiefsten Stand seit Anfang 2015 gefallen.

Angesichts vieler negativer Aspekte gebe es derzeit kaum Kaufargumente, sagte Händler Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner. Dieser Käuferstreik führe dann auch mit Blick auf das Chartbild zu zusätzlichem Druck, da sich der Abwärtstrend immer weiter beschleunige und gerade die meist computergesteuerten Handelsprogramme darauf reagierten.

Im restlichen Europa sah es ähnlich aus: Der EuroStoxx 50, der Leitindex der Eurozone, büßte rund drei Prozent ein.

Besonders heftig traf es die Technologiefirmen. Die Aktien des Halbleiter-Konzerns Infineon büßten mehr als fünf Prozent ein. Der Technologiewerte-Index TecDax verlor viereinhalb Prozent. Die Papiere von Deutscher Bank und Commerzbank knickten um fünf beziehungsweise sieben Prozent ein.

Fragen und Antworten

Wie viel hat der Dax inzwischen verloren?

Alleine seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust im wichtigsten deutschen Aktienindex in der Spitze auf 16 Prozent. Doch wer als Anleger zur Boomphase im vergangenen Frühjahr eingestiegen ist, muss noch weitaus größere Verluste verkraften: Im April hatte der Dax den höchsten Stand seiner Geschichte bei 12 390 Punkten erreicht - seitdem verlor er mehr als 27 Prozent.

Was hat den Rutsch an den Aktienmärkten verursacht?

Wiederholt haben schwache chinesische Konjunkturdaten die Sorgen der Anleger über eine harte Landung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft angefacht. Die Angst vor einem globalen Flächenbrand geht seitdem um, denn das aufstrebende China ist ein wichtiger Rohstoffverbraucher und gilt als Lokomotive der Weltkonjunktur. Inzwischen gibt es auch Anzeichen, dass es in den USA nicht mehr rund läuft. Der Euroraum befindet sich zwar noch im Aufschwung, doch Experten befürchten auch hier Einschläge.

Welche Rolle spielen die Rohstoffmärkte?

Seit Wochen spielen die Ölmärkte verrückt. Ein Überangebot hat die Preise in den Keller gedrückt. Die wichtigsten Sorten Brent und WTI rutschten jüngst unter 30 US-Dollar pro Barrel (195 Liter) ab. Mitte 2014, bevor die Preise ins Rutschen kamen, kostete ein Fass noch drei Mal so viel. Die sinkenden Ölpreise sind zwar einerseits gut für den Verbraucher, bringen aber die Ölförderländer und Ölkonzerne wie BP oder Shell in Bedrängnis. Sie werden zu einem radikalen Sparkurs gezwungen - was wiederum negativ auf die Weltkonjunktur durchschlägt.

Wie weit könnte es mit dem Dax noch abwärts gehen?

Das weiß keiner. Chinas abflauendes Wirtschaftswachstum und der Ölpreisverfall sind eigentlich seit langem bekannt. Doch die Psychologie spielt an den Aktienmärkten eine große Rolle. Zuletzt wurden wichtige Marken unterschritten, was sowohl Computersysteme als auch Anleger zu weiteren Verkäufen bewegte. Jochen Stanzl von CMC Markets hält nun sogar einen weiteren Rückgang des Dax bis auf 8300 Punkte in den kommenden Wochen für möglich.

Welche Rolle spielen die mächtigen Notenbanken?

Das billige Geld der Notenbanken galt lange als wichtigster Treibstoff für die Börsen - denn Aktien versprachen angesichts von Minizinsen für Sparbuch & Co. die größten Gewinne. Erst unlängst stellte der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, weitere Maßnahmen in Aussicht. Doch inzwischen mehren sich Stimmen, die an der Durchschlagskraft der ultralockeren Geldpolitik auf die Weltkonjunktur zweifeln.

Auf was setzen die Investoren im aktuell turbulenten Umfeld?

Das Ausmaß der Verunsicherung spiegelt sich am deutschen Anleihemarkt wieder. Anleger flüchten in die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen. Gegenüber den von der europäischen Schuldenkrise betroffenen Ländern wächst die Skepsis hingegen, insbesondere gegenüber Portugal und Griechenland. Ein weiterer Indikator für die Vorsicht der Investoren: Auch der Goldpreis legte zuletzt zu.

(felt/dpa)
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