Nach Milliardenverlust: Börse straft Hypo Real Estate ab
zuletzt aktualisiert: 12.11.2008 - 16:43München (RPO). Die Börse reagierte geschockt auf die neuen Negativ-Nachrichten über die Hypo Real Estate (HRE). Die ums Überleben kämpfende Bank hat von Juli bis September 3,1 Milliarden Euro Verlust gemacht und braucht noch mehr staatliche Hilfe. Die Aktienkurse des Münchner Immobilienfinanzierers stürzten um mehr als zehn Prozent ein. Die Bank wurde zum Schlusslicht im Dax.
Die Abschreibungen bei der Tochter Depfa hätten das größte Loch in die Quartalsbilanz gerissen, teilte die Hypo Real Estate mit. Die vom Bund und anderen Banken im Oktober zugesagte Liquiditätshilfe von 50 Milliarden Euro stehe zwar ab Donnerstag bereit. Aber für den notwendigen Konzernumbau brauche die HRE zusätzliches Kapital aus dem Bundesfonds.
Das Bundesfinanzministerium soll schon weit früher von den Problemen bei der Tochter Depfa gewusst haben als bisher mitgeteilt. Schon ab März sei das Ministerium mehrfach über eine laufende Sonderprüfung der Bundesbank bei der Depfa informiert worden, berichtete die "Süddeutsche Zeitung".
Erste Ergebnisse der Prüfung seien am 18. August im Finanzministerium eingegangen, zitierte das Blatt aus einem Bericht des Ministeriums an den Finanzausschuss des Bundestages. Finanzminister Peer Steinbrück hatte im Oktober gesagt, die deutsche Finanzaufsicht dürfe die in Irland ansässige Depfa gar nicht überprüfen.
Der FDP-Finanzexperte Volker Wissing warf Steinbrück Aufsichtsversagen vor. Trotz Milliardenrisiken für die Steuerzahler seien wichtige Informationen nicht an ihn weitergeleitet worden, weil es im Haus "drunter und drüber" gehe. Das Ministerium wies die Kritik zurück. Steinbrück hätte nichts verhindern können.
Abschreibungen auch bei Lehman und in Island
Die Hypo Real Estate machte im dritten Quartal einen Verlust von 3,1 Milliarden Euro vor Steuern. Allein die Depfa musste 2,5 Milliarden Euro auf Buchwerte abschreiben, weil die Finanzmarktkrise ihr Geschäft mit der kurzfristigen Finanzierung von Staats- und Infrastrukturprojekten unmöglich gemacht hat. Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers, der Zusammenbruch isländischer Banken sowie neue Abschreibungen bei strukturierten Finanzprodukten kosteten die Bank weitere 600 Millionen Euro.
Damit sei das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht: Über die bis Dezember 2009 laufende Liquiditätshilfe hinaus werde die HRE "weitere umfassende Unterstützungsmaßnahmen" aus dem Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) beantragen, teilte die Bank mit. Für die notwendige Restrukturierung und Neuausrichtung der Gruppe seien zusätzliche Liquiditätshilfen und erhebliches Kapital erforderlich. Das Marktumfeld bleibe schwierig, und die notwendige Restrukturierung des Konzerns sowie die Kosten des Rettungsschirms würden das Ergebnis im laufenden Quartal und auch im nächsten Jahr belasten.
Hilfe kostet halbe Milliarde jährlich
Für die anlaufende Liquiditätshilfe von Bank und Bund muss die HRE bis 2015 bis zu 615 Millionen Euro jährlich zahlen. Als Sicherheit musste sie Darlehen und Wertpapiere im Umfang von 60 Milliarden Euro als Sicherheit zur Verfügung stellen und Anteile an den operativen Tochterbanken verpfänden. Weil ihre Kernkapitalquote auf schwache 6,8 Prozent gefallen ist und das die Geschäfte verteuert, braucht sie außerdem frisches Kapital.
Die für Mittwoch angekündigte gesamte Zwischenbilanz für das dritte Quartal verschob die HRE auf nächsten Montag. Erst dann will sie mitteilen, wie hoch der Verlust unterm Strich ist. Im ersten Halbjahr hatte der Konzern 207 Millionen Euro verdient.
Hypo Real Estate war wegen der Finanzkrise in akute Geldnot geraten. Die Probleme bei der Depfa hatten fast zum Zusammenbruch geführt.
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