| 18.24 Uhr

Börse
Talfahrt im Dax setzt sich unvermindert fort

Das 1x1 der Börsensprache
Das 1x1 der Börsensprache FOTO: AP
Frankfurt/Main. Der deutsche Aktienmarkt hat sich auch am Dienstag dem Abwärtssog nicht entziehen können. Nach einem freundlichen Start ging der Dax wieder auf Talfahrt.

Er durchbrach die psychologisch wichtige Marke von 8800 Punkten und büßte zeitweise weitere rund 200 Punkte ein. Die Nerven blieben aufs Äußerste gespannt. Einzelne Börsianer sprachen von "Panik". Mit einem Abschlag von 1,11 Prozent auf 8879 Punkten ging der Leitindex schließlich aus dem Handel. Die relativ stabilen US-Börsen sorgten am Nachmittag dafür, dass der Druck auf den Dax zumindest ein wenig nachließ.

Die Stimmung der Anleger sei wegen der Sorgen um die Weltkonjunktur schlecht, kommentierte Markus Huber vom Broker City of London Markets. Ein zusätzlicher Dämpfer kam mit den schwachen Konjunkturdaten aus Deutschland in den Markt und auch durch den kräftigen Anstieg des Euro, da dies den Export erschwert. Die Gemeinschaftswährung wurde zuletzt bei 1,1310 US-Dollar gehandelt und kostet damit soviel wie zuletzt im Oktober. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1236 (Montag: 1,1101) US-Dollar festgesetzt.

"Die Angst ist greifbar, und jedes Argument zu verkaufen wird genutzt", brachte Daniel Saurenz von Feingold Research die Börsenstimmung auf den Punkt. "Für den weiteren Abwärtsdruck braucht es keine neuen Gründe", ergänzte Händler Thorsten Engelmann von der Equinet Bank. "Erschreckend ist dabei vor allem, dass es schon seit Tagen und Wochen keine Gegenbewegung gibt."

Der MDax der mittelgroßen Unternehmen verlor am Dienstag 0,58 Prozent auf 17 744,62 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax gab um 0,64 Prozent auf 1490,49 Punkte nach und auch europaweit sah es kaum besser aus. Der EuroStoxx 50 beendete den Tag 1,75 Prozent tiefer bei 2736,50 Punkten und auch in Paris und London sah es nicht allzu viel besser aus. In den USA verlor der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss 0,3 Prozent, die Nasdaq-Börsen hielten sich etwas besser.

Seit dem Jahresbeginn kennen die Aktienmärkte weltweit so gut wie nur noch eine Richtung: nach unten. Das Tempo hat sich mit Beginn des Monats Februar sogar noch beschleunigt, so dass sich das Minus im Dax inzwischen auf mehr als 17 Prozent beläuft. Am Vortag hatte das Börsenbarometer erstmals seit Oktober 2014 unter der Marke von 9000 Punkten geschlossen.

Banken im Fokus

In den Blick gerieten vor allem wieder die Aktien von Banken, da wegen der Wirtschaftsschwäche eine Welle an Kreditausfällen befürchtet wird. Wie die Experten der National-Bank in Essen schreiben, herrscht Sorge, dass die niedrigen Rohstoffpreise zahlreiche Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten bringen könnten - was letztlich die Banken mit voller Wucht träfe. Die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank verloren weiter an Wert und büßten jeweils rund 4,3 Prozent ein.

Ebenfalls stark unter Druck blieben auch die konjunktursensiblen Stahlwerte. Die Aktien von Thyssenkrupp gaben um 3,6 Prozent nach, die von Salzgitter im MDax um 6,7 Prozent.

Besondere Aufmerksamkeit fiel auch auf Immobilienwerte, denn das Rennen im Übernahmekampf zwischen Vonovia und seinem kleineren Konkurrenten Deutsche Wohnen ist auch kurz vor Ablauf der Angebotsfrist noch offen. Die Annahmefrist für die Offerte von Vonovia an die Aktionäre des Konkurrenten endet in der Nacht zum Mittwoch um Mitternacht. Während die Vonovia-Titel um 0,16 Prozent nachgaben, legten die der Deutsche Wohnen um 0,75 Prozent zu.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,13 Prozent am Vortag auf 0,12 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,04 Prozent auf 142,05 Punkte. Der Bund Future sank um 0,15 Prozent auf 164,66 Punkte.

Zahl der Aktionäre steigt

Das gute Börsenjahr 2015 hat die Deutschen zum Anlegen animiert. Die Zahl der Aktionäre erreichte im vergangenen Jahr ein Drei-Jahres-Hoch, wie das Deutsche Aktieninstitut mitteilte. Seit Jahresbeginn allerdings geht es bergab - auch am Dienstag gaben die Kurse weltweit nach.

Ende 2015 besaßen gut neun Millionen Bundesbürger Aktien oder Anteile an Aktienfonds, wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) zählte. Damit sei die Zahl im vergangenen Jahr um 560.000 gestiegen und habe den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht.

"Die Deutschen fassen wieder Vertrauen in die Aktie", erklärte DAI-Vorstand Christine Bortenlänger. "Offensichtlich erkennen Anleger zunehmend, dass Aktieninvestments kurzfristig zwar mit Ausschlägen nach oben und unten verbunden sein können" - langfristig trete dieser Nachteil jedoch zugunsten einer "attraktiven" Aktienrendite in den Hintergrund.

Das DAI spricht für rund 200 börsennotierte Aktiengesellschaften, Banken, Börsen und Investoren; es soll die Akzeptanz der Aktie bei Anlegern fördern.

2015 hatte der Deutsche Aktienindex (Dax) um fast zehn Prozent zugelegt; am letzten Handelstag des Jahres notierte er bei 10.743,01 Punkten. Seit Beginn des Jahres allerdings geht es bergab. Analysten nennen vor allem die schwache Konjunktur in China, die Talfahrt des Ölpreises und Sorgen um die Banken weltweit als Gründe.

(felt/dpa/AFP)
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