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Talfahrt in USA und Asien: Börsen im Abwärtsstrudel

zuletzt aktualisiert: 10.10.2008 - 07:51

Tokio (RPO). Panikverkäufe ließen den Dow-Jones-Index an der Wall Street am Donnerstag unter die psychologisch wichtige Grenze von 9000 Punkten sinken. Dieser heftige Kurseinbruch reißt auch die Börsen in Fernost in den Abwärtsstrudel. Die Börse in Tokio eröffnete am Freitag mit starken Verlusten.

Der Leitindex Nikkei verlor am Morgen mehr als elf Prozent und notierte erstmals seit 2003 unter 9000 Punkten. Auch in Südkorea und Australien brachen die Aktienmärkte weiter ein. Der Nikkei-225 verlor in der ersten Handelsstunde 1042,08 Punkte und notierte bei 8115,41 Zählern. Das entsprach einem Minus von mehr als elf Prozent. Die japanische Finanzaufsicht teilte überdies mit, die Versicherung Yamato Life Insurance sei pleite - sie ist die erste japanische Versicherung, die Opfer der globalen Finanzkrise wurde.

Auch an anderen Handelsplätzen brachen die Kurse ein: In Sydney verloren die Aktien mehr als sieben Prozent im frühen Handel, auch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul verzeichnete die Börse ein frühes Minus von 7,5 Prozent, in Singapur fielen die Kurse am Morgen ebenfalls um mehr als sieben Prozent.

Der Dow-Jones-Index war einen Tag zuvor an der New Yorker Aktienbörse um 679 Punkte oder 7,3 Prozent eingebrochen und notiert erstmals seit fünf Jahren unter der Marke von 9000 Zählern. Die vertrauensbildenden Maßnahmen von Regierungen und Zentralbanken erwiesen sich damit zunächst als wirkungslos.

Talfahrt an weiteren asiatischen Börsen

Auch an der südkoreanischen Börse ging es steil bergab. Der Leitindex Kospi verlor am Freitagmorgen im Handelsverlauf teilweise über neun Prozent, erholte sich aber wieder etwas. Die Börse in Hongkong sackte ebenfalls ab. Der Hang-Seng-Index fiel im frühen Handel um 1211 Punkte oder 7,6 Prozent auf 14.731 Zähler.

Die indonesische Börse in Jakarta blieb entgegen ursprünglicher Planung auch am Freitag geschlossen, um "noch größere Panik zu verhindern", wie der Börsenvorstand erklärte. Der Handel war am Mittwoch ausgesetzt worden und wird vorerst für unbestimmte Zeit eingestellt. Der indonesische Leitindex JSX war in dieser Woche um 21 Prozent gefallen. Mit einem Gesamtverlust um 47 Prozent in diesem Jahr steht er in ganz Asien mit am schlechtesten da.

Ölpreis sinkt

Weiterhin ist der Preis für ein Barrel (159 Liter) Nordsee-Öl ist auf dem asiatischen Markt unter 80 Dollar gesunken. Im frühen Handel kostete ein Fass Brent aus dem Novemberkontrakt zwischenzeitlich 79,08 Dollar. An der Londoner Börse hatte der Rohstoff am Vortag zum Handelsschluss bei 82,66 Dollar gelegen. In New York kostete die Sorte "Light Sweet Crude" am Donnerstag noch 85,59 Dollar. Sorgen wegen der globalen Finanzkrise und daraus folgenden Konjunktureinbrüchen führen zu einem Rückgang der Nachfrage und damit zu einem sinkenden Preis.

Bush kündigt Rede an

Angesichts der fortdauernden Unsicherheit wollte US-Präsident George W. Bush sich am Freitag erneut an die Öffentlichkeit wenden. "Wegen der andauernden Unbeständigkeit der Märkte wird der Präsident morgen im Rosengarten eine Erklärung abgeben", sagte seine Sprecherin Dana Perino am Donnerstagabend. Darin werde er "dem amerikanischen Volk versichern, dass die Wirtschaftsführer sehr offensiv alles tun, um unser Finanzsystem zu stabilisieren", sagte Perino.

Die im US-Kongress mehrheitlichen Demokraten verlangten unterdessen von Bush, er solle einen Krisengipfel der sieben größten Industrienationen und Russlands (G8) eingerufen. In einer gemeinsamen Erklärung der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi und Senats-Mehrheitsführer Harry Reid hieß es, "das amerikanische Volk und die Welt erwarten von den USA eine Führungsrolle". "Es muss mehr getan werden, um konzertierte internationale Bemühungen im Kampf gegen die globale Wirtschaftskrise zu demonstrieren", verlangten die beiden Politiker. "Wir haben auf nationaler Ebene gehandelt, jetzt müssen wir global handeln."

Niederlande plant Finanzspritze

In den Niederlanden kündigte die Regierung am Donnerstag eine weitere Finanzspritze von 20 Milliarden Euro für gefährdete Banken an, um die Lage zu beruhigen. Außerdem gab sie eine Bürgschaft für die Einlagen niederländischer Kunden bei der Bank Icesave, einem britischen Online-Ableger der unter Staatsaufsicht gestellten isländischen Landsbanki, für bis zu 100.000 Euro ab.

Am Freitag wollten in Washington die Finanzminister der größten Industrienationen (G7) zusammenkommen, um über das weitere Vorgehen in der Krise zu beraten. Die Niederlande hatte die Regierung am Donnerstag eine weitere Finanzspritze von 20 Milliarden Euro angekündigt.

Alles zur Finanzkrise in unserem Special

Quelle: ap

 
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