Weltweite Finanzkrise: Börsen-Schock: US-Hilfspaket fällt durch
zuletzt aktualisiert: 30.09.2008 - 08:02New York (RP). Die internationale Finanzkrise hat sich durch die überraschende Ablehnung des 700-Milliarden-Dollar-Rettungspakets im US-Kongress dramatisch zugespitzt. Politik und Finanzwelt reagierten geschockt. Die US-Börse erlebte einen schlimmeren Einbruch als nach den Anschlägen vom 11. September. Auch in Asien brachen die Aktienkurse am Dienstag ein.
Nach tagelangem Ringen ist der Rettungsplan der US-Regierung für den Finanzsektor am Montagabend im amerikanischen Repräsentantenhaus spektakulär gescheitert. Politik und Finanzwelt reagierten geschockt, nachdem 228 Abgeordnete gegen das insgesamt 700 Milliarden Dollar schwere Maßnahmenpaket gestimmt hatten.
Lediglich 205 Kongressmitglieder hatten dafür votiert. Unter den demokratischen Abgeordneten fand der Gesetzentwurf eine Mehrheit, die Republikaner von US-Präsident George W. Bush stimmten hingegen mehrheitlich gegen ihn.
Angst an US-Aktienmarkt
Viele Anleger am US-Aktienmarkt packte nach dem Scheitern die nackte Angst. An der Wall Street hat der Dow-Jones-Index mit dem Rekordverlust von 777,68 Punkten oder 6,98 Prozent geschlossen. Es war - gemessen in Punkten - der stärkste Einbruch in der Geschichte der New Yorker Börse, der sogar noch den Rückgang nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 übertraf.
Die beiden Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain hatten den Plan zurückhaltend unterstützt. Obama zeigte sich nach der Abstimmung im Repräsentantenhaus aber zuversichtlich. Der Kongress werde einen Ausweg aus der Krise finden, „aber es wird schwierig werden”, sagte der Senator. McCain äußerte sich zunächst nicht. Demokraten und Republikaner hatten sich erst am Sonntag auf das Hilfspaket für die Banken geeinigt.
Experten fürchten nun eine weitere Verschärfung der internationalen Finanzkrise. Der Leiter des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, bezeichnete die Entscheidung am Abend als „ausgesprochen bedenklich”. Zwar könne er Vorbehalte gegen das Antikrisenpaket verstehen. Aber jetzt gehe es nicht mehr um die Frage, wie es zu der Zuspitzung gekommen sei, jetzt müsse es nach vorne gehen.
Das US-Repräsentantenhaus berief umgehend für Donnerstag eine neue Sitzung ein. Ein früherer Termin ist wegen der freien Tage anlässlich des jüdischen Neujahrsfests nicht möglich.
Kurseinbrüche auch in Asien
Am Dienstag brachen auch in Asien die Kurse ein: Die Börsen in Japan, Hongkong, Australien und Neuseeland verzeichneten im Vormittagshandel Kursrückgänge zwischen 4,6 und 5,5 Prozent.
Der japanische Nikkei-Index verlor 4,6 Prozent und stürzte 544,54 Punkte auf 11.199,07 ab. In Australien und Neuseeland fielen die wichtigsten Börsenbarometer um 5,3 und 4,7 Prozent; in Hongkong verlor der Hang-Seng-Index in den ersten zehn Minuten des Handels 978,67 Punkte oder 5,47 Prozent auf 16,902.01 Analysten erwarteten eine Fortsetzung dieses Trends an weiteren Finanzplätzen.
Die japanische Zentralbank pumpte am Dienstag erneut 2 Billionen Yen (13,4 Milliarden Euro) in die Geldmärkte. Insgesamt hat sie damit bisher bereits 20 Billionen Yen (134 Milliarden Euro) für die Liquidität des Finanzsystems zur Verfügung gestellt.
Ölpreis in USA und Asien gefallen
In New York sank der Ölpreis am Montag um 10,52 auf 95,04 Dollar pro Barrel, das ist ein Rückgang von 9,8 Prozent. In London fiel der Preis zuvor um 9,56 auf 93,98 Dollar pro Fass. In Asien gab der Preis am Dienstag ebenfalls rund 10 Dollar nach und verharrte in Singapur zunächst bei 96 Dollar.
In den vergangenen sieben Tagen hat sich Öl um rund 25 Dollar - das sind 20 Prozent - verbilligt. Investoren flüchteten zum Gold, das in Krisenzeiten als relativ sichere Anlage gilt. Der Preis stieg in New York um 23,20 auf 911,70 Dollar die Feinunze.
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