Dubai verunsichert Anleger: Börsen verlieren weltweit an Boden
zuletzt aktualisiert: 30.11.2009 - 18:30Frankfurt (RPO). Die Verunsicherung über Zahlungsschwierigkeiten zweier Staatsbetriebe in Dubai hat die Anleger am Montag wieder eingeholt. Der Dax fiel um ein Prozent auf 5625 Punkte und gab damit einen großen Teil seiner Freitagsgewinne wieder ab. Der Stoxx50 verlor 1,1 Prozent.
"Die Jahresendrally für Dezember war letzte Woche schon gesetzt", sagte ein Händler. Der Fall Dubai zeige aber, dass die Krise noch nicht ausgestanden sei. "Es gibt die Befürchtung, dass es da draußen noch mehr Dubais gibt, die an der Krise zu kauen haben", fasste ein Händler zusammen. "Dubai hat einige auf dem falschen Fuß erwischt", fügte ein weiterer hinzu.
Die staatseigenen Holding Dubai World und die staatliche Baufirma Nakheel hatten am vorigen Mittwoch um Zahlungsaufschub für Kredite in Milliardenhöhe gebeten. Am Montag trugen Aussagen eines ranghohen Regierungsvertreters aus Dubai zur Verunsicherung bei, das Golf-Emirat wolle für die Milliardenschulden von Dubai World nicht geradestehen. Die Ratingagentur Moody's hält eine Ansteckung des Nachbaremirat Abu Dhabi für möglich. Die Börsen in Dubai und Abu Dhabi brachen um bis zu acht Prozent ein.
Wall Street stützt Europa
In Frankfurt, London, Paris und Zürich stützte dagegen die Widerstandsfähigkeit der Wall Street, wo die großen Indizes zeitweise sogar im Plus notierten. Der Einkaufsmanagerindex von Chicago war überraschend so hoch wie seit August vorigen Jahres nicht mehr gestiegen. Zudem machte sich in New York ein wenig Optimismus hinsichtlich des Einzelhandels breit, obwohl die US-Verbraucher am Freitag weniger als vor Jahresfrist ausgegeben hatten. Für den "Cyber Monday", der als Startschuss für das Online-Weihnachtsgeschäft gilt, waren viele ebenfalls zuversichtlich.
Europaweit standen einige Finanzwerte unter Druck. Vor allem in London, wo die Kapitalströme aus dem Nahen Osten zusammenfließen und verteilt werden, zählten Bankenwerte zu den Verlierern. Die Aktien von Lloyds, die ex Bezugsrecht gehandelt wurden, verloren knapp sechs Prozent. Royal Bank of Scotland 4,4 Prozent. HSBC und Deutsche Bank trotzten dem Trend und schlossen leicht im Plus. Beide hatten zuletzt stark verloren.
Zu den Dax-Schlusslichtern zählten die Merck-Aktien mit einem Abschlag von vier Prozent. Nach einem Rückschlag bei der Zulassung einer Tablette gegen Multiple Sklerose (MS) in den USA blickten einige Anleger skeptischer in die Zukunft des Pharma- und Chemiekonzerns. Das Mittel Cladribin gilt als eines der größten Hoffnungsträger der Pharmasparte von Merck, Analysten trauen ihr Milliardenumsätze zu.
Wenig Kaufinteresse hatten die Anleger zudem an den Aktien der großen deutschen Autobauern. MAN-Aktien setzten die Talfahrt der Vorwoche fort und verloren 3,9 Prozent. "Der Markt glaubt nicht an ein baldiges Übernahmeangebot durch Großaktionär VW", sagte ein Händler. MAN hatten ihre Talfahrt in der Vorwoche im Sog des abrupten Wechsels an der Konzernspitze begonnen. Der personelle Umbau dort geht unterdessen weiter. Am Montag nahm Nutzfahrzeugchef Anton Weinmann seinen Hut.
Größter Dax-Verlierer waren die VW-Aktien, die in der Schlussauktion ihren Tagesverlust verdoppelten und mit 82 Euro 4,8 Prozent im Minus schlossen. Auch Daimler verloren 2,6 Prozent. "Die Investoren scheinen zu befürchten, dass arabische Aktionäre nicht weiter zukaufen, sondern sogar Anteile verkaufen müssen", begründete ein Händler die Verluste bei Daimler, wo Abu Dhabi und Kuwait indirekt beteiligt sind. An VW ist Katar beteiligt. Aber auch BMW gerieten unter Druck und verloren 2,6 Prozent.
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