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Asiens Börsen starten mit Minus: Börsen weiter im Sinkflug

zuletzt aktualisiert: 17.09.2008 - 18:44

Washington/London (RPO). Unter dem Eindruck der Finanzkrise in den USA haben die großen Börsen ihre Talfahrt in der Nacht zum Donnerstag fortgesetzt. In New York verlor der Dow-Jones-Index am Mittwoch bis zum Börsenschluss 4,06 Prozent, der technologie-orientierte Nasdaq büßte 4,94 Prozent ein. In Tokio und Seoul rutschten die Indizes am Donnerstagmorgen zu Börsenbeginn um knapp drei Prozent ins Minus. Die japanische Zentralbank pumpte weitere 1,5 Billionen Yen (rund zehn Milliarden Euro) in den Markt. Seit Wochenbeginn stellte die Zentralbank in Tokio damit zur Stabilisierung der Märkte sieben Billionen Yen zur Verfügung.

Die Rettung der AIG sorgte nur kurzfristig für Entspannung an den Aktienmärkten.  Foto: ddp, ddp
Die Rettung der AIG sorgte nur kurzfristig für Entspannung an den Aktienmärkten. Foto: ddp, ddp

Bereits am Mittwoch hatte hat die US-Notenbank Fed in einer dramatischen Rettungsaktion den Versicherungsriesen American International Group (AIG) im letzten Moment vor dem Kollaps bewahrt. Die Nothilfe beruhigte die nervösen Finanzmärkte aber nur vorübergehend. Der Dax schloss mit einem Minus von 1,8 Prozent bei 5861 Punkten.

Die Fed gewährte AIG einen Kredit von bis zu 85 Milliarden Dollar (rund 60 Milliarden Euro), wie die Notenbank in der Nacht zum Mittwoch mitteilte. Im Gegenzug übernimmt sie 79,9 Prozent der AIG-Aktien. De facto steht AIG damit unter staatlicher Kontrolle.

Die Nachricht von der AIG-Rettung sorgte an dem Märkten nur kurz für Erleichterung. Die europäischen Börsen öffneten optimistisch, der Dax in Frankfurt schloss dann jedoch mit einem weiteren Minus von 1,8 Prozent bei 5861 Punkten. Der CAC-40 in Paris fiel um 2,1 Prozent auf den tiefsten Stand seit Mai 2005, der FTSE-100 in London verlor 2,25 Prozent. An der New Yorker Wall Street rutschte der Dow Jones bis zum Mittag um 2,8 Prozent ab.

Morgan Stanley steht vor Übernahme

Die US-Investmentbank Morgan Stanley und die US-Bank Wachovia Corp. sprechen nach Presseberichten über einen möglichen Zusammenschluss der beiden Kreditinstitute. Wachovia habe dem Chef von Morgan Stanley, John Mack, einen entsprechenden Deal angeboten, berichteten die "New York Times" und das "Wall Street Journal" am Freitag unter Berufung auf Kreise, die mit den Gesprächen vertraut seien. Auch andere Banken haben den Berichten zufolge ihr Interesse an Morgan Stanley bekundet. Morgan Stanley und Wachovia wollten sich zu den Berichten nicht äußeren.

Mögliche Übernahme von HBOS

In Großbritannien zogen mit der möglichen Übernahme des Hypothekenfinanzierers HBOS neue Wolken auf: Das in Not geratene Institut bestätigte am Mittwoch fortgeschrittene Gespräche über eine Übernahme durch den Wettbewerber Lloyds TSB. HBOS-Aktien waren an der Börse zuvor abgestürzt.

Barclays will Teile von Lehman kaufen

Die britische Barclays Bank kündigte am Mittwoch an, sie wolle für 1,75 Millarden Dollar die Filetstücke der insolventen US-Bank kaufen - damit stiege sie zur drittgrößten Investmentbank in den USA auf. Barclays will demnach das Wertpapier- und das Kapitalmarktgeschäft übernehmen sowie den Lehman-Sitz in Manhattan und zwei Rechenzentren. Übernommen werden sollen zudem 10.000 Angestellte.

Käufer für Washington Mutual gesucht

Die US-Finanzkrise schlägt weiter Wellen. Einem Bericht der "New York Post" zufolge versucht die US-Regierung, einen Käufer für die größte amerikanische Spar- und Darlehenskasse Washington Mutual zu finden. Dem Bericht zufolge führt die Regulierungsbehörde unter anderem mit Wells Fargo, JPMorgan Chase und HSBC Holdings Sondierungsgespräche. Direkte Kaufverhandlungen gebe es aber noch mit keiner der Banken.

Deutsche Staatsbank versenkt 300 Millionen

Die bundeseigene KfW-Bankengruppe könnte die Lehman-Pleite hunderte Millionen Euro kosten: Nach Angaben einer KfW-Sprecherin sind am Montag fälschlich 300 Millionen Euro an Lehman überwiesen worden. Die näheren Umstände würden geprüft. Wie hoch der Verlust für die KfW am Ende ausfalle, lasse sich noch nicht abschätzen. Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Torsten Albig, nannte die fehlerhafte Zahlung "mehr als verwunderlich und ärgerlich". Das Ministerium erwarte "ganz schnelle Aufklärung".

Dem "Handelsblatt" zufolge kommt zudem auf den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken durch den Lehman-Zusammenbruch ein Schadensfall in Milliardenhöhe zu. Die Pleite könne den Fonds mit bis zu sechs Milliarden Euro belasten, zitierte das Blatt Finanzexperten. Bankenverband und Bundesfinanzministerium wollten sich zu dem Bericht nicht äußern.

Merkel fordert bessere Kontrolle

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte unterdessen bessere Kontrollmechanismen für das internationale Finanzsystem. "Wir brauchen dringend einen besseren Ordnungsrahmen", sagte sie im Bundestag. Zwar seien die Auswirkungen der US-Krise auf Deutschland "moderat", aber "wir können nicht tatenlos zusehen."

Quelle: afp

 
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