US-Finanzkrise: Börsenbeben rund um die Welt
zuletzt aktualisiert: 16.09.2008 - 09:50New York/Tokio (RPO). Die US-Finanzkrise hat die Börsen weltweit in einen Abwärtsstrudel gerissen. Die New Yorker Börse verzeichnete am Montag den nach Punkten stärksten Kurseinbruch seit September 2001. Die Börsen in Toronto, São Paulo, Tokio, Hongkong, Seoul und Bombay folgten.
Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag im Sog der US-Bankenkrise erwartungsgemäß weiter nachgegeben. Einen Tag nach der Pleite der viertgrößten US-Investmentbank Lehman Brothers und dem Notverkauf des Bankhauses Merrill Lynch an die Bank of America verlor der Leitindex DAX bis 9.15 Uhr 1,8 Prozent auf 5956 Punkte. Der MDAX gab 1,3 Prozent auf 7665 Zähler nach, und der TecDAX büßte 2,2 Prozent auf 723 Punkte ein.
Händler verwiesen auf die schwachen Vorlagen aus den USA mit dem stärksten Tagesverlust des Dow-Jones-Index seit dem Sommer 2002. Auch die asiatischen Börsen gaben kräftig nach. Im Blick der Anleger steht die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Abend. Dabei ist nun eine Zinssenkung um 25 Basispunkte wahrscheinlich geworden. Ob eine Zinssenkung dem Markt nachhaltig helfen kann, sei aber unsicher, hieß es mit Blick auf die Finanzkrise. Der Ölpreis fiel am Morgen in New York auf 91,65 Dollar.
Der Dow-Jones-Index in New York sank auf 10.917,51 Punkte, ein Minus von 504,48 Punkten und 4,42 Prozent. Der technologie-orientierte Nasdaq gab um 81,36 Punkte und 3,60 Prozent auf 2179,91 Punkte nach. Die Auswirkungen auf andere Börsen hielten an: Die Börse von Toronto gab um gut vier Prozent nach, die Börse von São Paulo als größter Handelsplatz in Südamerika um 7,59 Prozent.
US-Versicherungsriese wackelt
Auch der angeschlagene Versicherungsriese AIG kam in Schwierigkeiten - der Titel brach in New York um mehr als 60 Prozent auf 4,76 Dollar ein. Die Rating-Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch stuften am Montagabend (Ortszeit) die Kreditwürdigkeit von AIG herab. Die Behörden des Staates New York erteilten eine Sondergenehmigung, um AIG zusätzliche Liquidität im Umfang von 20 Milliarden Dollar zu verschaffen.
Die großen Börsen in Asien wurden am Dienstag vollständig von der Krise erfasst, nachdem sie am Montag wegen eines Feiertags geschlossen hatten. Am zweiten Finanzplatz der Welt, Tokio, sank der Nikkei-Index um 5,06 Prozent.
Zunächst gab die Zentralbank in Tokio 1500 Milliarden Yen (rund zehn Milliarden Euro) frei, als das nicht reichte, wurde der Betrag auf 2500 Milliarden Yen erhöht. Am Vortag hatten bereits die Europäische Zentralbank 30 Milliarden Euro und die Britische Zentralbank umgerechnet 6,3 Milliarden Euro sowie die US-Zentralbank ("Fed") 70 Milliarden Dollar (knapp 50 Milliarden Euro) in den Markt gepumpt, um den Abwärtstrend zu stoppen.
Die Krise werde "unausweichlich die US-Nachfrage für japanische Exportprodukte herunterziehen und damit die japanische Wirtschaft als Ganzes beeinträchtigen", sagte der Minister für Wirtschafts- und Finanzpolitik, Kaoru Yosano.
Die US-Investment-Bank Lehman Brothers hatte am Montagmorgen Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechtes beantragt, so dass die Gläubiger ihr Kapital nicht mehr abziehen können. Zudem wurde die angeschlagene Bank Merrill Lynch von der Bank of America übernommen.
Die britische Barclays-Bank hat am Dienstag ihr Interesse an Teilen von Lehman Brothers bekundet. Barclays war auch schon an den Verhandlungen am Wochenende in den USA über eine mögliche Übernahme beteiligt, hatte diese Gespräche dann aber beendet. An welchen Teilen von Lehman Brothers die Briten interessiert sind, teilten sie nicht mit.
Auch der angeschlagenen Versicherungsriese AIG kam in Schwierigkeiten - der Titel brach in New York um mehr als 60 Prozent auf 4,76 Dollar ein. Die Rating-Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch stuften am Montagabend (Ortszeit) die Kreditwürdigkeit von AIG herab. Die Behörden des Staates New York erteilten eine Sondergenehmigung, um AIG zusätzliche Liquidität im Umfang von 20 Milliarden Dollar zu verschaffen.
Die US-Finanzkrise erfasste die Börsenwerte auf breiter Front. Gegen den Trend kletterten allerdings die Notierungen der Fluggesellschaften United Airlines (8,75 Prozent) und American Airlines (8,76 Prozent), weil die Rohölpreise sanken.
Finanzkrise im US-Wahlkampf
Auch im US-Präsidentschaftswahlkampf spielt die Finanzkrise zusehends eine Rolle. Während sich der demokratische Kandidat Barack Obama für eine Intervention des Staates einsetzte, begrüßte sein republikanischer Rivale John McCain, dass keine Steuergelder zur Rettung von Lehman Brothers ausgegeben würden. Die "fundamentalen" Daten der Wirtschaft in den USA seien "solide", sagte McCain, die Krise sei auf "Partikularinteressen, Raffgier, Verantwortungslosigkeit und Korruption" zurückzuführen. Obama erklärte hingegen, die Krise sei die Quittung für "acht Jahre Politik, die den Verbraucherschutz durchlöchert" habe. Während die Spitzenmanager hohe Einkommen kassierten, sei "die Mittelklasse" vernachlässigt worden. Dies habe "die schlimmste Finanzkrise seit der Großen Depression" von 1929 heraufbeschworen.
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