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Aktie zeitweise über 1000 Euro: Börsenexperte: Gewicht von VW mit Dax halbieren

zuletzt aktualisiert: 28.10.2008 - 17:38

Düsseldorf (RP). Nach den gewaltigen Kurssprüngen der VW-Aktie drängt der Börsenprofessor Wolfgang Gerke  darauf, den Einfluss von Volkswagen auf den Deutschen Aktien-Index (Dax) deutlich zu beschneiden. "Wir sollten
das Gewicht von VW mindestens halbieren", sagte Gerke unserer Redaktion. Die VW-Aktie hatte zeitweise einen Wert von über 1000 Euro.

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Durch die Kurssteigerungen liege das Gewicht von VW bei deutlich mehr als zehn Prozent. Gerke ist Anlegervertreter im Börsenrat der Frankfurter Börse und Mitglied der Börsen-Sachverständigenkommission.

Deutliche Kritik übte der Börsenexperte an VW-Großaktionär Porsche, dessen Anteils-Aufstockung bei VW den Aktienkurs zeitweise über 1000 Euro trieb: "Porsche hat Öl ins Feuer gegossen". Nach der Ankündigung durch den Sportwagenbauer habe sich die VW-Aktie "weit von der Realwirtschaft entfernt". "Das ist jetzt reine Zockerei, da sollten auch nur noch Zocker mitmachen", so Gerke.

Die Regularien sehen vor, dass eine Einzelaktie nicht mehr als zehn Prozent Gewicht am Dax haben darf. Aufgrund der Kursschwankungen erreicht VW derzeit je nach Kurs etwa das Doppelte. Die Gewichtung wird jedoch nur zu bestimmten Stichtagen überprüft. Der nächste Termin ist Anfang Dezember.

Der VW-Kurs hatte sich am Dienstag Vormittag erneut fast verdoppelt und stand dann bei 1005,01 Euro. Das ist ein absolutes neues Allzeit-Hoch für das Papier des Automobilkonzerns, das seit Monaten durch Spekulationen um eine Übernahme durch Porsche getrieben wird. Bereits am Montag war der Preis um das Eineinhalbfache gestiegen und hatte zu Handelsschluss bei 520 Euro notiert. Die Finanzaufsicht Bafin prüft die Einleitung von Ermittlungen.

Die VW-Aktie erlebte am Dienstag nach dem anfänglichen Riesensprung eine Berg- und Talfahrt. Nach ihrem Allzeit-Hoch sackte das Papier gegen Mittag wieder auf die Schwelle von 600 Euro ab. Am Abend notierten die Papiere bei rund 850 Euro. Das große Interesse der Käufer an den VW-Aktien in dieser Woche hatte eine Mitteilung von Porsche am Wochenende ausgelöst, in welcher der Sportwagenhersteller bekannt gegeben hatte, bereits rund 74 Prozent der VW-Aktien zu kontrollieren. Da das Land Niedersachsen weitere 20 Prozent hält sind derzeit nur noch sechs Prozent der VW-Papiere im freien Handel.

Branchenkreisen zufolge laufen derzeit Kurswetten auf bis zu 15 Prozent der VW-Aktien. Spekulanten haben demnach in den vergangenen Wochen sogenannte Leerverkäufe mit VW-Aktien getätigt, ohne die Papiere zu besitzen. Die Regularien schreiben jedoch vor, dass die Anleger die Geschäfte innerhalb eines bestimmten Zeitraums auch tatsächlich abwickeln müssen. Dies lässt jetzt die Nachfrage nach den VW-Papieren rasant in die Höhe schnellen.

Nach Angaben der Deutschen Börse wird die VW-Aktie trotz der massiven Kurssprünge nicht aus dem Handel genommen. "Einzelne Titel können wegen extremer Kursschwankungen nicht vom Handel ausgesetzt werden", sagte ein Deutsche-Börse-Sprecher. Bislang seien bei den Geschäften mit den VW-Papieren keine Regelverstöße festgestellt worden. Rutsche der Anteil der frei gehandelten VW-Aktien jedoch unter die Marke von fünf Prozent, werde die Aktie aus dem genommen. "Das ist bei VW jedoch noch nicht der Fall", sagte er.

Die Finanzaufsicht Bafin kündigte an, Ermittlungen wegen der drastischen Kurssprünge der VW-Aktie zu prüfen. "Eine Entscheidung, ob es eine formelle Untersuchung geben wird, ist für diese Woche jedoch nicht zu erwarten", sagte eine Sprecherin der Aufsichtsbehörde. Angesichts der Kursturbulenzen um die VW-Aktien stürzten die Papiere der US-Bank Goldman Sachs an der New Yorker Börse ab. Die Papiere verloren zeitweise mehr als acht Prozent und notierten bei 85,28 US-Dollar. Marktgerüchten zufolge soll Goldman Sachs in großem Umfang mit VW-Papieren spekuliert haben.

Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.


 
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