Affäre um AIG-Bonuszahlungen weitet sich aus: "Boni wie Konfetti ausgeschüttet"
zuletzt aktualisiert: 21.03.2009 - 20:12New Haven/USA (RPO). Die Affäre um die Bonuszahlungen an Manager des maroden US-Versicherungskonzerns AIG weitet sich aus. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind an Führungskräfte von AIG Boni in Höhe von 218 Millionen Dollar geflossen - 53 Millionen mehr als bisher bekannt. US-Finanzminister Timothy Geithner arbeitet unterdessen an einem Plan für die Bereinigung der Bankbilanzen von faulen Krediten.
Bislang war von 165 Millionen die Rede gewesen. Bereits diese Summe hatte in der Öffentlichkeit helle Empörung hervorgerufen. AIG hat bislang mehr als 182,5 Milliarden Dollar an staatlicher Hilfe erhalten.
Bonuszahlungen seien wie Konfetti an Angestellte von AIG ausgeschüttet worden, sagte Blumenthal. Aus Unterlagen, die das Büro von Generalstaatsanwalt Richard Blumenthal unter Strafandrohung angefordert und am Freitagabend erhalten habe, gehe hervor, dass 73 Personen jeweils mindestens eine Million Dollar erhalten hätten. Fünf von ihnen hätten Boni von mehr als vier Millionen Dollar bekommen. Blumenthal erklärte, die neuen Zahlen würden "den gerechtfertigten Zorn und Abscheu, den die Menschen empfinden", weiter anheizen.
Er verlange Aufklärung von AIG, weshalb offenkundig deutlich mehr Boni gezahlt worden seien als bisher von dem Konzern angegeben, sagte Blumenthal der Nachrichtenagentur AP. AIG-Sprecher Mark Herr wollte zu den Angaben am Samstag nicht Stellung nehmen.
Vor den AIG-Büros in Wilton war für Samstag eine Protestkundgebung gegen die Bonuszahlungen geplant. Nach Angaben der Organisatoren wollten Demonstranten mit Bussen auch an den Häusern einiger der AIG-Manager in Connecticut vorbeifahren.
Staat will 90 Prozent von Bonuszahlungen
Der US-Kongress will Bonuszahlungen für Manager maroder und vom Staat unterstützter Unternehmen einen Riegel vorschieben. Das Repräsentantenhaus stimmte am Donnerstag mit 328 zu 93 Stimmen für ein Gesetz, wonach 90 Prozent dieser Sonderzahlungen unter bestimmten Voraussetzungen als Steuer an den Staat fallen sollen. Die Regelung soll rückwirkend zum Jahresanfang gelten.
Im Senat, der zweiten Kammer des Parlaments, steht ein ähnlicher Gesetzentwurf wie im Repräsentantenhaus zur Abstimmung an. Präsident Barack Obama hat angekündigt, die Initiative gegen die Bonuszahlungen im Grundsatz zu unterstützen. "Dies wird ein deutliches Signal für die Manager dieser Firmen sein, dass solche Zahlungen nicht geduldet werden", erklärte Obama. Das Gesetzesvorhaben spiegele die berechtigte Empörung über die verschwenderischen Boni wieder.
Säuberungsplan für Bankbilanzen
US-Finanzminister Timothy Geithner erklärte unterdessen, in der nächsten Woche einen Plan für die Bereinigung der Bankbilanzen von faulen Krediten vorzustellen. Dieses seit langem erwartete Programm könnte bereits am Montag präsentiert werden, wie am Freitag aus Regierungs- und Bankenkreisen verlautete. Im Mittelpunkt steht dem Vernehmen nach die Verwendung von Mitteln der Notenbank und der staatlichen Einlagensicherung (FDIC). Geithner trägt damit offenbar dem Umstand Rechnung, dass es im Kongress wachsende Widerstände gegen die Bewilligung weiterer Haushaltsmittel zur Sanierung der Finanzbranche gibt. Die öffentliche Empörung über Bonuszahlungen an Manager des maroden Versicherungskonzerns AIG haben dies noch verstärkt.
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