Autoindustrie: Bosch erwägt Kurzarbeit
zuletzt aktualisiert: 28.10.2008 - 12:13Stuttgart (RPO). Bosch spürt die Flaute in der Autoindustrie. Der weltgrößte Autozulieferer denkt darüber nach, noch in diesem Jahr Kurzarbeit einzuführen. Bereits seit geraumer Zeit liefen Gespräche mit dem Betriebsrat, um neben dem Abbau von Überstunden auch die Arbeitszeit auf 30 Wochenstunden zu verringern und möglicherweise Kurzarbeit einzuführen, erklärte ein Bosch-Sprecher.
Der Bosch-Sprecher sagte am Dienstag, es seien verschiedene Standorte im Gespräch. Damit bestätigte er einen Bericht der "Stuttgarter Nachrichten". Die Namen der betroffenen Werke wollte der Sprecher mit Verweis auf die laufenden Gespräche nicht nennen. "Die Autohersteller überdenken Woche für Woche die Produktion." Das treffe auch die Zulieferer. Bosch wolle keine hohen Lagerbestände aufbauen. Die Kraftfahrzeugsparte von Bosch beschäftigt in Deutschland rund 66.000 Mitarbeiter, weltweit sind es 165.000 Beschäftigte.
Anders als beim Abbau von Überstunden wirken sich die Verkürzung der Arbeitszeit und Kurzarbeit auch auf das laufende Gehalt der Mitarbeiter aus. Das Unternehmen hat nach dem Tarifvertrag die Möglichkeit, die wöchentliche Arbeitszeit von 35 auf 30 Stunden zu verkürzen. Reicht das nicht aus, kann der Arbeitgeber in Abstimmung mit dem Betriebsrat die Arbeitszeit noch weiter verkürzen und für die Mitarbeiter Kurzarbeitergeld bei der Arbeitsverwaltung beantragen.
Absatzperspektiven verschlechtert
In den vergangenen Wochen hatten sich die Absatzperspektiven noch einmal deutlich verschlechtert. Noch Anfang Oktober hatte Betriebsratschef Alfred Löckle gegenüber den "Stuttgarter Nachrichten" erklärt, angesichts der hoch flexiblen Arbeitszeiten ließen sich "in diesem Jahr auch größere Produktionskürzungen meistern, ohne dass die Beschäftigten finanzielle Einbußen haben". Bosch erwägt damit früher als Daimler Produktionskürzungen, die sich auch auf das Gehalt auswirken.
Bosch leidet neben der allgemeinen Autokrise auch unter dem sinkenden Marktanteil der Autos mit Dieselmotor, bei denen der Hersteller besonders stark vertreten ist. Obwohl Dieselmotoren in der Regel nach wie vor sparsamer sind als Benziner, ist die Angleichung der Preise für Benzin und Diesel gegenwärtig für viele Autokäufer ein Grund, sich vom Diesel abzuwenden.
Weitere Zulieferer schränken Produktion ein
Neben Bosch haben auch die Autozulieferer Rheinmetall und Continental ihre Produktion eingeschränkt. "Wir sind in der gleichen Situation wie alle anderen", sagte ein Sprecher der Automotive-Sparte von Rheinmetall am Dienstag auf Anfrage. Die Produktion müsse an die geringere Nachfrage angepasst werden. Teilweise müssten die Mitarbeiter bereits ihre Überstunden abbauen. In einem Werk sei auch die Wochenstundenzahl reduziert worden, ohne Einbußen für die Mitarbeiter. Bei der zu Rheinmetall gehörenden Kolbenschmidt Pierburg Gruppe mit Sitzen in Neuss und Neckarsulm arbeiteten deutschlandweit 5600 Menschen in der Zuliefersparte.
Auch beim Osnabrücker Fahrzeugbauer Karmann wird es offensichtlich zu deutlichen Produktionskürzungen kommen. "Wenn wir genaue Vorgaben von unseren Kunden bekommen haben, werden wir mit den Arbeitnehmervertretern diskutieren, auf welche Art und Weise die Produktionskürzungen durchgeführt werden", sagte ein Karmann-Sprecher auf Anfrage. Dass es dazu kommen werde, stehe eigentlich fest. Das Unternehmen beschäftigt in Osnabrück und Rhein rund 4500 Mitarbeiter.
Continental muss angesichts der Absatzflaute ebenfalls die Produktion drosseln. "Wir reagieren auf die Produktionsstopps unserer Kunden", sagte eine Sprecher in Hannover. Ab November werde am Standort Regensburg nur noch an vier Tagen die Woche gearbeitet. Mit Beginn der Weihnachtswoche stünden die Bänder dann bis Ende des Jahres komplett still, sagte sie. Die rund 1500 Mitarbeiter der Produktion würden in dieser Zeit Überstunden abbauen.
Erst am Montag hatte Bosch mitgeteilt, dass die Bänder bereits in einigen Werken stillstehen. Es werde mit verkürzten Arbeitszeiten und Kurzarbeit auf die gegenwärtige Auftragsflaute reagiert.
Auch Leiterplattenhersteller steht vor Kurzarbeit
Die Krise in der Autoindustrie wirkt sich auch auf die Produktion beim Leiterplattenhersteller Schweizer Electronic AG aus. Das in Schramberg im Schwarzwald ansässige Unternehmen will ab November Kurzarbeit anmelden, um Entlassungen zu verhindern. In den vergangenen Wochen hätten viele Kunden Aufträge storniert oder verschoben, erklärte Marketingleiter Michael Nothdurft am Dienstag die Situation. Die Auslastung liege derzeit in der gesamten Leiterplattenbranche bei rund 50 Prozent.
Der Betriebsratschef Siegbert Maier bestätigte, dass mit der Geschäftsleitung über Kurzarbeit verhandelt werde. Die zuständige Filiale der Bundesagentur für Arbeit in Rottweil sei bereits informiert. Das Familienunternehmen Schweizer wurde 1849 im Schwarzwald gegründet und zählt heute mit seinen rund 750 Mitarbeitern zu den größten Leiterplattenherstellern in Deutschland.
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