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Bundesbank-Präsident Jens Weidmann
"Zinsen müssen schnell steigen"

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: "Zinsen müssen schnell steigen"
Bundesbankpräsident Jens Weidmann im Gespräch mit RP-Chefredakteur Michael Bröcker. FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht Chancen für eine Zinserhöhung, sobald die Inflationsrate nachhaltig um die zwei Prozent liegt. Und er verspricht, dass das Bargeld erhalten bleibt. Von Antje Höning und Georg Winters

Für ein schnelles Ende der Nullzinspolitik hat sich Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ausgesprochen. "Wir müssen die Niedrigzinsphase beenden, sobald dies mit Blick auf die Preisniveaustabilität möglich ist", sagte Weidmann am Montagabend bei einer Veranstaltung unserer Zeitung mit der Bundesbank in deren Düsseldorfer Hauptverwaltung. Stabile Preise sieht die Europäische Zentralbank (EZB) bei einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent gewährleistet. Auf einen Zeitpunkt für eine Zinswende wollte sich Weidmann ausdrücklich nicht festlegen. Derzeit hält die EZB die Leitzinsen bei null.

Dass die europäischen Währungshüter durch Zinssteigerungen der amerikanischen Notenbank Fed unter Handlungsdruck geraten könnten, glaubt der frühere Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht: "Da gibt es keinen direkten Zusammenhang. Preise und Konjunktur sind in den USA gefestigter als hier. Deshalb müssen die Vereinigten Staaten und der Euro-Raum nicht im Gleichschritt laufen." Die derzeitige Lage sei umgekehrt auch ein Vorteil für den Bundesfinanzminister, weil der Bundeshaushalt kaum durch Zinsen belastet werde.

"Die Inflationsrate wird nicht so hoch bleiben"

Eine Immobilienblase, wie sie viele in der Niedrigzinsphase fürchten, sieht Weidmann nicht. Zwar seien die Preise in einigen Metropolen wie Düsseldorf und Frankfurt teils um zehn bis 15 Prozent übertrieben, aber es gebe keine Kreditmassen, durch die die Risiken für die Banken über Gebühr stiegen.

Die EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent Inflation wird allerdings nach Weidmanns Einschätzung vorerst noch nicht dauerhaft erreicht. Zwar war die Teuerung im Februar erstmals seit Langem wieder auf zwei Prozent gestiegen. Weidmann hält das allerdings nur für ein vorübergehendes Phänomen: "Die Inflationsrate wird nicht so hoch bleiben." Der jüngste Anstieg der Teuerung sei auch dem Wiederanstieg der Energiepreise zu verdanken. "Wir müssen aber durch diese kurzfristigen Ereignisse hindurchschauen", erklärte der Bundesbank-Chef. Die sogenannte Kerninflation, die Energie- und Lebensmittelpreise nicht berücksichtigt, liegt bei einem Prozent.

Weidmann forderte die verschuldeten Staaten, denen die niedrigen Zinsen die Finanzierung erleichtern sollten, dazu auf, die Zeit zu nutzen, ihre Haushalte zu konsolidieren, statt Ausgaben weiter zu steigern. Einen Schuldenschnitt für Griechenland, wie ihn der Internationale Währungsfonds im vergangenen Jahr gefordert hatte, lehnte der Bundesbank-Chef ab: "Griechenland muss seine Probleme selbst lösen. Das Land hat derzeit eine geringere Zinslast als beispielsweise Portugal. Was hilft ein Schuldenschnitt, wenn die Probleme nicht gelöst werden? Dann stehen wir in fünf Jahren wieder genau da, wo wir heute sind." Man riskiere dann, dass mit Blick auf die Probleme der Staaten die Niedrigzinspolitik länger dauern müsse als eigentlich notwendig.

"Bargeld ist nicht von gestern"

Weidmann sprach sich für eine neu zu schaffende Einrichtung aus, die die Einhaltung der im Maastricht-Vertrag vereinbarten Haushaltsregeln überwachen solle. Dieser "Schuldenrat" sollte aus unabhängigen Fachleuten zusammengesetzt werden, schlug Weidmann vor. Entscheiden müsse dann nach wie vor der Ministerrat.

Dass die Deutschen irgendwann ohne Scheine und Münzen auskommen müssen und nur noch mit Karten zahlen können, glaubt der Präsident nicht. "Bargeld ist nicht von gestern. Bei Kleinbeträgen ist es sogar günstiger als jede andere Form von Geld. Darum ist die Abschaffung des 500-Euro-Scheins auch kein Schritt in Richtung Bargeld-Abschaffung", sagte Weidmann. Das Bargeld werde bleiben, "solange die Bürger es wünschen".

 
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