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Milliardendeal: Commerzbank will Eurohypo übernehmen

zuletzt aktualisiert: 15.11.2005 - 16:03

Frankfurt/Main (rpo). Die Commerzbank will durch die Übernahme der Anteile von Dresdner Band und Deutscher Bank an der Eurohypo zur zweitgrößten deutschen Privatbank aufsteigen. Nach Angaben der Commerzbank konnte "in allen wesentlichen Punkten" Einigung erzielt werden.

Finanzkreise bezifferten den Deal auf etwa 4,8 Milliarden Euro. Die Eurohypo gilt als attraktivstes derzeit verfügbares Institut für eine Übernahme. Die Commerzbank steigt durch den Deal nach eigenen Angaben zum größten Immobilienfinanzierer in Deutschland auf. Zusammengerechnet würde sich die Bilanzsumme auf gut 660 Milliarden Euro belaufen.

Bei einem positiven Abschlusses wird die Commerzbank, die bereits 31,8 Prozent an der Eurohypo hält, 98 Prozent an Europas größtem Staats- und Immobilienfinanzierer übernehmen. "Wir fühlen uns nun stark genug, eine Transaktion dieser Größenordnung angehen zu können. Wir würden dadurch zur führenden Geschäftsbank innerhalb Deutschlands mit Schwerpunkt Finanzierung aufsteigen", sagte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller. Erst kürzlich hatte das Bankhaus nach einem unerwartet starken Ergebnissprung im dritten Quartal die Prognose für das Gesamtjahr erhöht.

Laut Commerzbank eröffnen sich neue Marktchancen, weil die Eurohypo seit ihrer Gründung 2002 ein überaus erfolgreiches Geschäftsmodell aufgebaut und die Erträge deutlich gesteigert habe. Die Commerzbank wolle mit der Übernahme ihre Position als führende unabhängige kommerzielle Bank in Deutschland ausbauen, Eigenkapitalrentabilität und Gewinn je Aktie würden durch den Erwerb weiter verbessert. Zur Finanzierung plane sie ein Paket an Maßnahmen. Analysten rechneten damit, dass die Commerzbank vermutlich eine Kapitalerhöhung vornehmen wird.

Die Börse reagierte negativ auf die Ankündigung. Das Commerzbank-Papier gehörte mit einem Minus von 1,3 Prozent am Nachmittag zu den Verlierern im DAX.

Für Helmut Hipper, Bankenexperte bei der Fondsgesellschaft Union-Investment, ergibt sich ein gemischtes Bild. Er betonte, die Commerzbank sei in der letzten Zeit ganz gut vorangekommen. Die Übernahme der Eurohypo wäre daher nicht unbedingt notwendig gewesen. Zudem dürften die risikogewichteten Aktiva um mehr als 50 Prozent steigen. Positiv wertete er, dass vor allem der Bereich der gewerblichen Immobilienfinanzierung derzeit wieder verstärkt auf Interesse stößt und dort auch gutes Geld verdient werden kann. Zudem werde die Commerzbank durch die Übernahme etwas internationaler.

Vorkaufsrecht für Alteigentümer

Die Eurohypo war aus dem Zusammenschluss der Hypothekenbankentöchter von Commerzbank, Dresdner Bank und Deutsche Bank entstanden. Sie weist eine Bilanzsumme von nahezu 240 Milliarden Euro aus und beschäftigt mehr als 2.700 Mitarbeiter. Zuletzt hatten Spekulationen die Runde gemacht, wonach die Münchner Immobilienbank Hypo Real Estate ebenfalls ein Angebot für die Eurohypo prüfe.

Eine Vereinbarung zwischen den Alteigentümern der Eurohypo enthielt allerdings ein Vorkaufsrecht. Die Deutsche Bank hatte in Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, dass sie sich aus Eurohypo-Beteiligung zurückziehen wolle. Die Allianz erklärte, die 28,5-Prozent-Beteiligung an der Eurohypo sei "ein reines Finanzinvestment, keine strategische Beteiligung" gewesen. Aufsichtsräte und Wettbewerbsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.

Quelle: ap

 
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