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Creditreform
Weniger Insolvenzen bei Firmen und Verbrauchern

Creditreform: Weniger Insolvenzen bei Firmen und Verbrauchern
Einen Räumungsverkauf wegen "Geschäftsaufgabe" führt ein Lederwarengeschäft in Köln durch. Insgesamt ist die Zahl der Pleiten rückläufig. FOTO: dpa, ve mg olg
Düsseldorf. Dank der guten Konjunktur geraten weniger Verbraucher und Firmen in eine finanzielle Schieflage. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform berichtet über die Insolvenz-Entwicklung in der ersten Jahreshälfte.
Für eine Berufsgruppe ist der Trend aber nicht ganz so gut.

Im vergangenden Jahr sind die Insolvenzzahlen um weitere 5,5 Prozent zurückgegangen. Übrig bleiben vorallem Verbraucherinsolvenzen, zeigen die neuen Statistiken der Creditreform am Mittwoch. Insolvenzverwalter sorgen sich bereits um ihren Berufsstand.

Seit wann gibt es in Deutschland den Trend fallender Insolvenzzahlen?

Die Zahl der Firmeninsolvenzen war zuletzt im Jahr 2009 im Zuge der Wirtschaftskrise dramatisch um 11,3 Prozent auf damals 32 930 Fälle angestiegen. Seitdem ist sie immer weiter gesunken. 2015 ging die Zahl der Firmenpleiten um 3,5 Prozent auf den langjährigen Tiefstand von 23 180 Fällen zurück. Bei den Verbraucherinsolvenzen hatte der Trend mit einiger Verzögerung eingesetzt und hält seit nunmehr fünf Jahren an. Im vergangenen Jahr haben 80 220 Verbraucher Insolvenz angemeldet (minus 7,2 Prozent).

Was macht die Schufa eigentlich? FOTO: dpa, Jens Kalaene

Wie wirkt sich das auf die Insolvenzverwalter aus?

Die Entwicklung sei deutlich in der Branche spürbar, sagt Daniel Bergner, Geschäftsführer beim Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID). Die aktuelle Situation sei einzigartig: "Mittlerweile haben wir noch etwa die Hälfte der Verfahrenszahlen, wie wir sie in den Nuller-Jahren hatten. Und es ist nicht absehbar, wann der Trend wieder aufhört."

Zwar hätten Insolvenzverwalter durch laufende Verfahren oft über mehrere Jahre Arbeit. "Alte Verfahren gehen aber zu Ende, und aktuell kommen kaum noch neue nach." Die Branche reagiere damit, Büros zu verkleinern oder zusammenzulegen. Auch spricht Bergner von Fusionen und von Kollegen, die planen, früher in den Ruhestand zu gehen.

Welche Rolle spielt mittlerweile die Insolvenz in Eigenverwaltung?

Seit der Einführung im Jahr 2012 spielt dieses Instrument bislang keine große Rolle. Bei einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsleitung im Amt, ihr wird allerdings ein sogenannter Sachwalter von außen zur Seite gestellt. Die alte Geschäftsführung behält damit große Teile der Verfügungsgewalt über das Unternehmen.

Zugleich ist die Firma aber vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen von Gläubigern geschützt. Bei mehr als 23 000 Unternehmensinsolvenzen im vergangenen Jahr wurden nur 1,2 Prozent in Eigenverwaltung durchgeführt. Vor allem größere und etablierte Firmen haben davon Gebrauch gemacht. Die große Mehrheit der von einer Insolvenz betroffenen Unternehmen stellen jedoch seit Jahren kleine Firmen in ihren Anfangsjahren.

Warum nutzen nur wenige Unternehmer die Möglichkeit der Eigenverwaltung?

Nach Ansicht von Experten ist der geringe Anteil darauf zurückzuführen, dass sich nur wenige Unternehmen ein solches Verfahren leisten könnten. Denn auch in der Eigenverwaltung seien externe Berater teils entscheidend - entsprechende Beratung könnten sich kleine oder Kleinstunternehmen aber kaum leisten. Und schon gar nicht in der Krisenzeit. "Ein kleiner Handwerker, der von der Hand in den Mund lebt, wird das nicht in Anspruch nehmen können", so Bergner.

(lnw/vondi)
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