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Börse: Dax geht die Puste aus

zuletzt aktualisiert: 29.07.2010 - 18:25

Düsseldorf (RPO). Die deutschen Firmen haben am Donnerstag robuste Bilanzen bekannt gegeben. Das reichte dem Dax aber nicht. Ihm ging zum Handelsschluss die Puste aus. Der deutsche Leitindex drehte am Nachmittag ins Minus und schloss mit 6134 Zählern 0,7 Prozent unter seinem Vortagesniveau.

Die Abwärtsbewegung hatte sich beschleunigt, nachdem auch die US-Börsen anfängliche Gewinne abgaben. "Dass irgendwann mal die Luft raus ist, kommt nicht so überraschend", sagte ein Händler in Frankfurt. Richtige Kauflaune sei wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage in den USA ohnehin nicht aufgekommen, sagte ein anderer Börsianer. "Derzeit ziehen es die Investoren vor, Gewinne mitzunehmen und ein bisschen Kassen zu machen."

Der am Mittwochabend veröffentlichte Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed hatte nach Analystenmeinung bereits wenig Vielversprechendes bereitgehalten. Nach Einschätzung der Fed machen der weltgrößten Volkswirtschaft weiter eine hohe Arbeitslosenquote und Probleme am Immobilienmarkt zu schaffen. Die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen laut Daten vom Donnerstag in der Woche zum 24. Juli auf 457.000, Analysten hatten mit 2000 Anträgen mehr gerechnet.

BASF und Siemens profitieren von Zahlen nur wenig

In einer regelrechten Flut von Bilanzen nahmen die Anleger vor allen die Quartalszahlen von Merck und Volkswagen positiv auf. Die Titel des Spezialchemie- und Pharmakonzerns Merck lagen mit einem Plus von 4,6 Prozent einsam an der Spitze des Dax. Die deutliche Anhebung der Gesamtjahresziele sei beeindruckend, da das Unternehmen üblicherweise zurückhaltende Ausblicke liefere, schrieb DZ-Bank-Analyst Elmar Kraus in einem Kommentar. Auch Volkswagen konnten nach der Vorlage der Quartalszahlen Kursgewinne verbuchen. Die Papiere verteuerten sich um 3,1 Prozent auf 80,99 Euro. Die Wolfsburger hatten ihren operativen Gewinn dank der weltweit steigenden Pkw-Nachfrage im zweiten Quartal verdoppeln können. Daimler und BMW notierten jeweils leicht im Minus.

Die Anteilsscheine von Bayer erlebten eine Berg- und Talfahrt. Nach anfänglichen Verlusten drehten sie um bis zu 1,6 Prozent ins Plus, schlossen dann aber 0,1 Prozent tiefer. Equinet-Analyst Martin Possienke monierte zwar die schwache Ertragskraft der Sparten Healthcare und CropScience im zweiten Quartal, hob gleichzeitig aber die überraschend kräftige Erholung des Bereichs MaterialScience hervor.

Ähnliche Schwankungen verzeichneten auch die Papiere von BASF und Siemens. Anfänglich Kursgewinne von jeweils rund zwei Prozent bröckelten im Tagesverlauf wieder ab, BASF-Papiere schlossen 2,1 Prozent im Minus, die von Siemens rutschten sogar um 2,3 Prozent ab.

Auf der Verkaufsliste landeten auch MAN: Trotz eines Gewinnsprungs beim Nutzfahrzeug-Hersteller rutschten die Titel um fast vier Prozent auf 70,12 Euro ab, nachdem sie vorbörslich noch im Plus gelegen hatten. "Viele Anleger hatten auf noch bessere Zahlen gehofft", sagte ein Börsianer. Am deutlichsten war der Sinkflug aber bei Lufthansa, deren Anteilsscheine um 4,5 Prozent nachgaben. Mehrere Analysten begründeten dies mit Gewinnmitnahmen, obwohl die Fluggesellschaft für das zweite Halbjahr optimistische Töne anschlug.

Puma springt zu kurz

Verstimmt wurden die Investoren auch von Puma: Der Konzern zog seine Jahresprognose zurück, die Aktien brachen im MDax daraufhin um 6,1 Prozent ein. "Im Vergleich zu den vorläufigen Zahlen von Adidas und dem kürzlich berichteten starken Quartal von Nike sind die Zahlen von Puma für das zweite Quartal ziemlich schwach", erklärte Equinet-Analyst Ingbert Faust.

Größter Verlierer im SDax waren Loewe: Die Aktien sackten 6,8 Prozent auf 6,43 Euro ab. Zeitweise waren sie mit 6,36 Euro so billig wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Konzernchef Frieder Löhrer warf nach einem unerwartet schwachen Geschäftsverlauf das Handtuch. Der TV-Hersteller ist im zweiten Quartal überraschend in die roten Zahlen gerutscht und schließt auch für das Gesamtjahr 2010 einen Verlust nicht aus.

Zu den Verlierern im TecDax zählten trotz eines 33-prozentigen Ergebnisanstiegs im zweiten Quartal Software AG. Sie gaben um 3,1 Prozent auf 88,98 Euro nach. "Die Zahlen lagen zwar mehrheitlich leicht über den Erwartungen, die Lizenzumsätze blieben aber darunter", sagte ein Börsianer.

Quelle: RTR/jt

 
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