Die Börse atmet wieder auf: DAX klettert über 5000-Punkte-Marke
zuletzt aktualisiert: 13.10.2008 - 21:37Düsseldorf (RP/RPO). Der Deutsche Aktien Index hat die 5000-Punkte-Marke übersprungen. Die Aktienkurse stiegen damit um mehr als 10 Prozent. Nach umfassenden Unterstüzungserklärungen der Europäischen Regierungen war der Leitindex bereits am Morgen wieder deutlich gestiegen. Am Freitag war der DAX noch auf den tiefsten Stand seit 2005 gerutscht.
Die weltweiten Aktienmärkte haben sich zu Wochenbeginn deutliche Erholt. Dafür sorgten die Rettungspakete der EU-Regierungen für die Banken. Der deutsche Leitindex DAX stieg bis 15.00 Uhr um 7,4 Prozent auf 4880 Punkte. Um 17:30 übersprang er die psychologisch wichtige 5000-Punkte-Marke. Besonders die Finanztitel wie Hypo Real Estate und Commerzbank legten zu.
Die EU-Regierungen gehen in die Offensive
Die Bundesregierung beschloss ein Maßnahmenprogramm zur Stabilisierung des deutschen Finanzsektors über insgesamt 500 Milliarden Euro. In Großbritannien wurden drei Banken teilverstaatlicht und Österreich verabschiedete ebenfalls ein Maßnahmenpaket. Die Börsen feiern die internationalen Pläne zur Rettung des Finanzsektors. Der deutsche Aktienmarkt startete am Montag nach den guten Vorgaben aus Asien mit einem Plus von gut sechs Prozent in den Handel. Auch London, Paris und Zürich verzeichneten kräftige Kursgewinne. Analysten rechnen jedoch mit einer ausgesprochenen nervösen Woche.
Neben diesen Ländern segnete die spanische Regierung ein Programm zur Bewältigung der Finanzkrise im Umfang von 100 Milliarden Euro ab. Diese Summe werde zur Bürgschaft für Bankanleihen in diesem Jahr und zum Kauf von Bankaktien zur Verfügung gestellt, sagte Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero. In Italien stand ebenfalls ein nationales Rettungspaket kurz vor der Verabschiedung. Die französische Regierung wird unbestätigten Informationen zufolge eine neue Finanzierungsgesellschaft zur Unterstützung der Kreditvergabe in dem Land gründen.
Analysten rechnen mit nervösem Verlauf
Trotz des guten Wochenstarts warnten Marktbeobachter am Morgen vor einer Euphorie. Es bleibe abzuwarten, wie nachhaltig die beschlossenen Maßnahmen der Regierungen der Eurozone seien, schrieb die Bank Vontobel. Die Zürcher Kantonalbank rechnete vorerst mit einem Anhalten der nervösen Börsenstimmung.
In Russland öffneten die Börsen am Montag erstmals wieder, nachdem der Handel dort in der vergangenen Woche ausgesetzt worden war. Der Micex-Index verbuchte zunächst Gewinne von 3,9 Prozent, der RTS-Index verlor 1 Prozent.
Auch die asiatischen Handelsplätze lagen überwiegend im Plus. In Tokio blieb der Aktienhandel wegen eines Feiertags geschlossen. In Hongkong legte der Hang-Seng-Index bis zum Nachmittag (Ortszeit) um fast 7 Prozent zu. In Shanghai drehte der Composite-Index nach anfänglichen Verlusten ins Plus und ging mit Gewinnen von 3,7 Prozent auf 2.073,57 Punkten aus dem Handel.
In Australien stieg der Aktienindex S&P/ASX200 am Montag um rund fünf Prozent, nachdem das Börsenbarometer am Freitag noch um über acht Prozent gefallen war. Die Anleger honorierten damit einen Plan der Regierung, die Einlagen bei Banken drei Jahre lang zu garantieren.
Dow-Future im Plus
In Jakarta fiel der Leitindex JSX bis zum Mittag um 3,4 Prozent. Nach dramatischen Verlusten am Mittwoch war der Handel seither ausgesetzt gewesen. Die Regierung kündigte am Montag Garantien für private Spareinlagen und Kredithilfen für Banken an.
An der Wall Street signalisierten steigende Kurse von Indexoptionsscheinen eine Trendwende. Die Dow-Jones-Futures legten um 2,8 Prozent auf 8.605 zu. Der Dow-Jones-Index war am Freitag um 1,5 Prozent auf 8.451,49 gefallen. In den vergangenen acht Handelstagen hat der US-Leitindex 22,1 Prozent an Wert verloren. Seit dem Rekordhoch von 14.164,53 am 9. Oktober 2007 betrugen die Einbußen 40,3 Prozent.
Einige Börsianer wie David Kotok von der Firma Cumberland Advisors äußerten die Erwartung, dass der Aktienmarkt jetzt seinen Boden gefunden habe. Andere Experten waren hingegen weniger optimistisch und wiesen auf den Crash von 1987 hin. Damals stürzte der Aktienmarkt nach Zwischenphasen der Erholung immer wieder in ein neues Tief. Nach Einschätzung des Chefökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF), Olivier Blanchard, könnten die internationalen Märkte noch einmal um 20 Prozent einbrechen.
Noch keine Entwarnung
Für einen weiteren Fall der Aktienkurse sorge neben der Finanzkrise die Furcht der Händler vor einer massiven Konjunkturabschwächung und den voraussichtlich negativen Quartalsergebnissen wichtiger Unternehmen, die in dieser Woche ihre Zahlen veröffentlichen. Die Zahlen gelten als wichtiger Indikator, inwieweit die Krise sich bereits konkret auf die Lage der Unternehmen ausgewirkt hat.
Mit bangem Erwarten dürften die Händler insbesondere auf die Zahlen von JP Morgan und Citigroup sowie von Google, Ebay und Intel blicken, mit denen die Bilanzsaison in die heiße Phase geht. Der Chef der US-Equity-Gruppe im Bereich Privatvermögensverwaltung bei der Deutschen Bank in New York, Owen Fitzpatrick, sieht den Verlauf dieser Börsenwoche ebenfalls skeptisch: "Momentan ist dies hier ein rein emotional getriebener Markt." Die Leute versuchten, mit Aktienverkäufen so viel Liquidität zu bekommen wie möglich. Nicht nur Finanzspritzen seien entscheidend zur Stabilisierung der Lage, sondern auch Vertrauen. „Derzeit misstrauen die Banken einander und horten ihre Gelder, statt sie anderen Banken zu leihen. Ein Händler erklärte, er habe momentan keinen Mut mehr, Aktien zu kaufen.
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