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Börse: Dax schließt nach EZB-Zinssenkung im Minus

zuletzt aktualisiert: 05.07.2012 - 18:09

Frankfurt/Main (RPO). Gewinnmitnahmen nach einer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) und schwache US-Daten haben die deutschen Aktien am Donnerstag ins Minus gedrückt. Der Dax schloss nach einer Berg- und Talfahrt 0,45 Prozent tiefer bei 6535 Punkten. Für den MDax ging es um 0,79 Prozent auf 10.606Punkte bergab und der TecDax verlor 0,26 Prozent auf 770,89 Punkte.

Bis in den Nachmittag hinein hatte der Dax noch von der Hoffnung auf die Leitzinssenkung der EZB sowie der überraschend gelockerten Geldpolitik in China profitiert. Zudem hatte die deutsche Industrie im Mai überraschend den Auftragsbestand gesteigert. Nach bis zu knapp neun Prozent Plus in sechs Handelstagen setzten beim deutschen Leitindex aber starke Gewinnmitnahmen ein.

Beschleunigt wurde die Abwärtsbewegung, nachdem EZB-Präsident Draghi ein weiterhin schwaches Wachstum in der Eurozone konstatiert und von einer hohen Unsicherheit und einem belasteten Vertrauen gesprochen hatte. Zudem hieß es in einem Kommentar der Berenberg Bank, dass die Maßnahmen der Währungshüter eine mögliche Panik an den Märkten nicht verhindern dürften.

Am Nachmittag sorgten enttäuschende Daten aus den USA für zusätzlichen Verkaufsdruck. Dort hatte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor im Juni unerwartet deutlich abgekühlt. Die zuvor veröffentlichten, überraschend stark gesunkenen wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und die gestiegene Beschäftigung im Privatsektor halfen dem Aktienmarkt nicht. Sie deuteten aber immerhin auf einen positiven Arbeitsmarktbericht am morgigen Freitag hin.

Nach der EZB-Zinssenkung werde die Luft dünner, da der Spielraum der Währungshüter weiter geschrumpft sei, sagte Marktexperte Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. "Viel trockenes Pulver ist jetzt nicht mehr vorhanden. Man kann nur hoffen, dass sich die konjunkturelle Entwicklung bald wieder fängt." Auch von der Euro-Krise dürfe nicht mehr zu viel Ungemach kommen, da es außer weiteren Anleihekäufen durch die EZB kaum noch schlagkräftige Gegenmittel gebe. Händler Markus Huber von ETX Capital nannte die Zinssenkung der EZB einen psychologisch wichtigen Schritt, warnte aber, dass die Maßnahmen der Notenbanken in Europa und China nicht ausreichten, um die Wirtschaft weltweit anzukurbeln.

VW legt deutlich zu

Die Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) setzten sich mit plus 5,08 Prozent an die Dax-Spitze und standen so im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Der Wolfsburger Autobauer hatte angekündigt, das Porsche-Sportwagengeschäft bereits im August komplett zu übernehmen. VW zahlt für die noch fehlenden 50,1 Prozent der Porsche AG rund 4,46 Milliarden Euro an die Dachgesellschaft Porsche SE. Zudem überträgt VW parallel eine VW-Stammaktie, um mit dieser Kombination eine Milliarden-Steuerlast zu vermeiden. Ein Analyst wertete vor allem das frühzeitige Heben von Synergien positiv für VW. Dagegen profitierten die Papiere von Porsche nur anfangs deutlich von der Nachricht. Sie schlossen 1,24 Prozent im Minus. "Die Porsche-Aktionäre haben nichts von dem frühzeitig abgeschlossenen Deal", begründete ein Händler die unterschiedliche Kursentwicklung.

Eine Rettung in letzter Minute bescherte den Praktiker-Aktien einen Gewinn von 2,67 Prozent. Die beiden Großaktionäre der kriselnden Baumarktkette hatten nach einer Kehrtwende nun doch grünes Licht für ein Sanierungskonzept und eine überlebensnotwendige Kapitalspritze signalisiert. Sie sieht eine Kapitalerhöhung von 60 Millionen Euro vor - als Voraussetzung für ein 85 Millionen Euro schweres Darlehen eines US-Investors.

Der EuroStoxx 50 schloss 1,19 Prozent tiefer bei 2284,92 Punkten.
In Paris zeigte sich der Cac 40 ebenfalls schwach, während der Londoner FTSE 100 moderat stieg. An der Wall Street lag der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss knapp im Minus.

Am Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,22 (Freitag: 1,26) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,10 Prozent auf 133,83 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,60 Prozent zu auf 143,19 Punkte. Der Euro sank hingegen deutlich auf 1,2385 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,2426 (Mittwoch: 1,2560) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,8048 (0,7962) Euro gekostet.

 

Quelle: dpa
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