JP-Morgan-Gewinnsprung beruhigt Anleger: Dax schließt unverändert
zuletzt aktualisiert: 14.01.2011 - 18:23Frankfurt (RPO). Ein kräftiger Gewinnsprung bei der US-Großbank JP Morgan Chase hat am Freitag die Anleger an den Aktienmärkten beruhigt. Der Dax schloss nahezu unverändert bei 7075 Punkten und hat damit auf Wochensicht 1,8 Prozent gewonnen.
"JP Morgan hat gute Zahlen vorgelegt, da hat man selbst teilweise etwas schwächer als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten weggesteckt", sagte ein Börsianer. "Es ist aber einfach auch viel Liquidität da, die angelegt werden will." Der EuroStoxx50 für die Euro-Zone notierte 0,2 Prozent höher bei 2920 Zählern. Auch die US-Börsen lagen im frühen Geschäft leicht im Plus.
Für Nervosität hatte zunächst die erneute Straffung der chinesischen Geldpolitik gesorgt. "Wenn China die geldpolitischen Zügel strafft, ist das immer erst einmal ein kleiner Schockeffekt für die Märkte, weil die Anleger einen Dämpfer beim Wirtschaftswachstum fürchten", sagte ein Händler. Analysten rechnen damit, dass nach der Anhebung der Mindestreserveanforderungen für die Banken in der Volksrepublik die Notenbank in Peking weiter an der Zinsschraube drehen wird.
Die zu Wochenschluss veröffentlichten US-Konjunkturdaten fielen nach Einschätzung von Analysten in der Summe enttäuschend aus. Das von der Universität Michigan und Reuters ermittelte Verbrauchervertrauen war zu Jahresbeginn überraschend gesunken, auch die Einzelhandelsumsätze im Dezember waren hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Angesichts der anhaltenden Misere auf dem Arbeitsmarkt in den USA ist nach Einschätzung von Helaba-Analyst Ralf Umlauf auch nicht mit einem Boom bei dem für die US-Konjunktur wichtigen Konsum zu rechnen.
JP-Morgan-Aktien gewannen an der Wall Street 2,7 Prozent hinzu. Die Großbank hatte dank einer Entspannung an der Kreditfront ihren Gewinn im vierten Quartal 2010 um 50 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar gesteigert. Dies zog auch die Kurse europäischer Banken mit; der europäische Stoxx-Bankenindex stieg um 0,5 Prozent. In Frankfurt verteuerten sich die Papiere der Deutschen Bank um ein Prozent.
Dagegen konnte der Technologiekonzern Intel die Anleger nicht auf seine Seite ziehen. Trotz eines optimistischen Ausblicks büßten die Titel des Chipgiganten 0,8 Prozent ein. In Frankfurt ließen sich die Anleger davon allerdings nicht beirren und kauften Aktien des Halbleiterkonzerns Infineon. Diese legten 1,6 Prozent zu.
Hitzig diskutiert wurde in den Handelsräumen der überraschende Abgang von ThyssenKrupp-Finanzvorstand Alan Hippe. Dieser scheidet laut Unternehmensangaben Ende März auf eigenen Wunsch aus. Der 44-Jährige hatte sein Amt erst 2009 angetreten. "So ein unerwarteter Weggang schafft immer Unsicherheit", sagte ein Händler. Die Aktien des Stahl- und Technologiekonzerns waren mit einem Abschlag von 3,2 Prozent größter Dax-Verlierer. Spekulationen darüber, dass Hippe ins Top-Management von Daimler wechseln könnte, trieben die Aktie des Autobauers gut 1,8 Prozent in die Höhe. Ein Daimler-Sprecher sagte aber, da sei "nichts dran". Die Papiere des Rivalen BMW gewannen 2,2 Prozent.
An die Dax-Spitze setzten sich die Aktien der Deutschen Börse mit einem Plus von 4,4 Prozent auf 56,89 Euro. "Wir erwarten, dass die Deutsche Börse 2011 möglicherweise aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen könnte", begründete Exane BNP Paribas eine Kurszielanhebung um acht Prozent auf 68 Euro. Dazu könne beitragen, dass die Sorgen um die US-Tochter ISE schwinden.
Ein Bericht über angebliche Nebenwirkungen eines Herzmedikaments von Sanofi-Aventis drückten in Paris die Aktien des französischen Pharmakonzerns 1,2 Prozent ins Minus.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
