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Finanzkrise: Dax verliert über sieben Prozent

zuletzt aktualisiert: 06.10.2008 - 18:17

Frankfurt/Main (RPO). Kursstürze an den asiatischen Börsen und die Krise um die Hypo Real Estate haben den deutschen Aktienmarkt am Montag in die Tiefe gerissen. Bereits am Morgen verlor der Börsenindex über vier Prozent. Der Abwärtstrend hielt an: Bis zum Abend fiel der Dax auf ein neues Jahrestief von 5380 Punkten und verlor damit über sieben Prozent. Vor allem Finanztitel kamen unter die Räder.

Die Börsen sind am Montag auf breiter Front eingebrochen. Im Sog der internationalen Finanzkrise, der damit verbundenen Rezessionssorgen sowie der heftigen Verluste an der New Yorker Wall Street sank der Leitindex DAX um 7,1 Prozent auf 5387 Punkte. Zuvor war der Index mit 5292 Zählern auf den tiefsten Stand seit Sommer 2006 gefallen. Vor dem Hintergrund der neuen Rettungsaktion für die Hypo Real Estate gerieten vor allem die Finanztitel massiv unter Druck. Der MDAX gab 8,7 Prozent auf 6131 Zähler nach und der TecDAX rutschte um 11,3 Prozent auf 604 Punkte ab.

"Die am Sonntagabend bekannt gewordenen Rettungsmaßnahmen für die Hypo Real sind zwar gerade noch so gelungen, doch ist das keine Inspiration für Käufer", sagte ein Händler. Ein anderer Marktteilnehmer ergänzte: "Die Bundesgarantie für Spareinlagen hat gezeigt, wie dicht wir vor einer Panik stehen."

Die trotz des verabschiedeten Rettungspakets für die notleidende US-Finanzbranche noch nicht ausgestandene Kreditkrise und die Angst vor den Folgen ihres Überschwappens auf die Realwirtschaft führten an der Wall Street zu einer Fortsetzung des Kursdebakels vom Freitag. Dabei fiel der Dow-Jones-Index erstmals seit Oktober 2004 wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 10 000 Punkten. Bis 17.50 Uhr MESZ verlor er 4,6 Prozent auf 9842 Punkte. Das Tagestief lag bei 9738 Punkten. Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index gab um 5,4 Prozent auf 1841 Zähler nach.

Der Euro pendelte am Abend leichter um die Marke von 1,35 Dollar. Im Verlauf des Nachmittages hatte die Gemeinschaftswährung sogar ein neues Jahrestief bei 1,3471 Dollar erreicht. Die Europäische Zentralbank hatte am Montagnachmittag einen Referenzkurs von 1,3634 Dollar festgelegt.

Hypo Real Estate verliert über 37 Prozent

Im DAX verloren Hypo Real Estate über 37 Prozent auf 4,70 Euro. Am Morgen war die Aktie bis auf 3,45 Euro gefallen. Auch die anderen Finanztitel standen unter Druck. SAP reduzierten sich um 16,4 Prozent auf 28,84 Euro. Zuvor hatte das Unternehmen einen schlechten Ausblick auf das dritte Quartal veröffentlicht. Commerzbank verbilligten sich um 16,1 Prozent auf 11,90 Euro. Einzige Gewinner waren Volkswagen und Fresenius Medical Care. Die Aktie des Autoherstellers erhöhte sich um 5,2 Prozent auf 292,35 Euro. Im Umfeld der durch Porsche geplanten mehrheitlichen Übernahme müssten Positionen angepasst werden, hieß es am Markt. Fresenius stiegen um 1,2 Prozent auf 37,75 Euro.

In der zweiten Reihe brachen Premiere drastisch ein und verloren weitere 29,3 Prozent auf 3,25 Euro. Aareal Bank büßten 21,9 Prozent auf 7,35 Euro ein. Deutlich mehr als 15 Prozent verloren auch Wacker Chemie, ProSiebenSat.1 und Salzgitter. Als einziger Wert im Plus erzielten Kuka einen Aufschlag von 1,0 Prozent auf 16,97 Euro.

Im TecDAX verloren die meisten Werte zweistellig. Die höchsten Verluste verzeichneten Conergy mit einem Minus von 23,1 Prozent auf 3,97 Euro. Wie auch andere Solarpapiere geriet Conergy unter Druck nachdem der Preis für ein Barrel der Ölsorte Light Sweet Crude unter das Niveau von 90 Dollar gefallen war. IDS Scheer gingen um 21,6 Prozent auf 5,46 Euro zurück. Q-Cells büßten 20,9 Prozent auf 43,88 Euro ein. Die geringsten Verluste verzeichnete Epcos mit einem Abschlag von 0,2 Prozent auf 17,83 Euro.

Russische Börse setzt Handel aus

In Russland waren die Kurse einmal mehr im freien Fall: Der Handel wurde wie schon mehrfach in der vergangenen Woche ausgesetzt. Der MICEX-Index war zuvor mehr als 15 Prozent in die Tiefe gerutscht, der RTS sackte fast 14 Prozent ab. Der Ölpreis, das Rückgrat der russischen Wirtschaft, sank erneut: An der Börse in Singapur fiel der Preis für ein Barrel leichtes Rohöl um 4,96 Dollar auf 89,19 Dollar. Damit ist der Ölpreis seit den Höchstständen im Sommer um fast 40 Prozent eingebrochen.

Mit einem Kurssturz an den Börsen in Asien hat sich auch dort die internationale Finanzkrise weiter verschärft. In Tokio brach der Nikkei-Index um 4,25 Prozent ein: Das Börsenbarometer verlor 465,05 Punkte und schloss mit 10.473,09 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahren. Ausschlaggebend war dafür laut Beobachtern die Besorgnis, dass nach der Verabschiedung des 700-Milliarden-Dollar-Rettungspakets im US-Kongress am Freitag die Krise nun auf Europa übergreift.

In Hongkong sank der Hang-Seng-Index um 3,7 Prozent auf 17.198 Punkte. Auch die Börsen auf dem chinesischen Festland, in Australien, Südkorea, Singapur und Thailand tendierten deutlich schwächer. Der wichtigste indonesische Index stürzte um mehr als fünf Prozent ab.

"Symptom einer Vertrauenskrise"

Die Kursstürze sind nach Einschätzung von Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz "Symptom einer Vertrauenskrise, wie es sie bisher nicht gegeben hat". Die staatlichen Eingriffe wie das US-Rettungspaket, die Milliarden-Kreditlinie für die Hypo Real Estate und die Garantie der Bundesregierung für Spareinlagen seien "notwendige Hilfsmaßnahmen" gewesen. "Doch es gibt keinerlei positive Tendenzen aus dem Markt heraus, etwas, das den Markt von innen stabilisiert", sagte der Aktionärsschützer gegenüber AP.

Die Finanzmarktkrise bezeichnete Cabras als sehr ernst. "Wenn die Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstselbst ein Signal setzt, dann kann man schon daran sehen, wie ernst die Lage ist", sagte er unter Verweis auf die Übernahme der Staatsgarantie für Spareinlagen in Deutschland.

Alles über die Krise an den Finanzmärkten in unserem Special.

Quelle: afp

 
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