Finanzkrise: Der 700-Milliarden-Dollar-Mann
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 07.10.2008 - 12:46Washington (RPO). Neel Kashkari ist 35 Jahre alt. Früher arbeitete er als Investmentbanker bei Goldman Sachs. Jetzt soll er die USA vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch retten. Das Finanzministerium ernannte ihn zum Sonderbevollmächtigten für die Umsetzung des 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsplans.
Finanzminister Henry Paulson betraute Kashkari am Montag mit der Koordinierung des staatlichen Eingriffs. Kashkari wird insbesondere die Federführung beim Kauf schlechter Immobilienkredite übernehmen.
Für die Abwicklung des Rettungsplans hat die US-Regierung eine eigene Abteilung eingerichtet: Die Behörde für Finanzstabilität. Kashkari ist ihr erster Chef, voraussichtlich bis zum Januar, wenn ein neuer Präsident das Sagen hat. Er steht vor einer der schwierigsten Aufgaben der Welt. Er muss entscheiden, ob und wenn ja zu welchem Preis der Staat faule Kredite aufkaufen soll. Er braucht ein glückliches Händchen. Es geht um das Überleben des Finanzsektors.
Der ehemalige Investmentbanker gilt als brillanter Kopf. Vor seinem Einstieg in das Bankengeschäft arbeitete er als Ingenieur bei der Nasa und entwickelte die Technologie für neue Weltraummissionen. Seit Juli diesen Jahres stand Kashkari im US-Finanzministerium der Abteilung für Internationale Wirtschaft und Entwicklung vor.
Paulson hatte Kashkari bei seinem Amtsantritt als Ressortchef als Berater mit ins Finanzministerium gebracht. Zuvor hatte der 35-Jährige bei der Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet, deren Chef Paulson vor seinem Wechsel in die Regierung war.
Neben der Verbindung zu Goldman Sachs hat Kashkari, ein Amerikaner indischer Abstammung, noch weitere Dinge mit seinem Chef Paulson gemeinsam. Beide stammen aus dem Mittleren Westen. Kashkari wuchs in Ohio auf, studierte in Illinois, dem Herkunftsland Paulsons. Außerdem, so wird in den Finanz-Blogs gespottet, teilen die beiden Glatzenträger die Vorliebe für ihre eher schlichte Frisur.
Erste Reaktionen auf die Personalwahl Paulsons fallen offenbar eher skeptisch aus. Wie die britische Times in ihrer Online-Ausgabe berichtet, hat die Personalie Kashkari in Expertenkreisen Verwunderung ausgelöst. Zu jung, zu unerfahren, so der Tenor.
mit Material von AFP
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