Warum die Gemeinschaftswährung Hilfe braucht: Der Euro wird zum Sorgenkind
VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 11.05.2010 - 16:01Brüssel (RPO). Die EZB kauft Staatsanleihen, die Europäische Union beschließt ein gigantisches Rettungspaket für angeschlagene Euro-Staaten. Die finanzielle Krise der Euroländer lässt die EU zu drastischen und nicht unbedingt beliebten Maßnahmen greifen. Doch es bleibt keine Alternative, soll der Euroraum auch künftig Bestand haben.
Das Szenario von Griechenland ist vielen noch vor Augen und setzt sich auch weiter fort. Das Land hat hohe Schulden und kann sich nicht mehr an den Märkten Geld leihen, um diese zu bezahlen. Spekulanten wetteten auf die griechische Währung und verschlimmerten so die Situation. Die Zinsen für Staatsanleihen stiegen immer mehr. Am Dienstag beantragte Athen die ersten Hilfskredite.
Ähnliches droht möglicherweise auch dem Rest von Europa. Die Bundesregierung warnt vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone. Seit Wochen wird schon darüber spekuliert, ob Schuldenländern wie Portugal, Spanien oder Irland ein ähnliches Szenario droht. Zinssprünge bei den Staatsanleihen in der vergangenen Woche ließen die Sorgennoch größer werden. Auch gab es Gerüchte, dass es Spekulanten nun direkt auf den Euro abgesehen hatten. Die EU sah sich zum Handeln gezwungen. Die Hysterie an den Märkten drohte, den befürchteten Dominoeffekt auszulösen - und Euroland im schlimmsten Fall den Garaus zu machen.
Länder bürgen zunächst
Geld fällig wird allerdings zunächst nicht, denn es geht um Kredite und Bürgschaften - und auch nur dann, wenn ein Land ins Straucheln gerät. Ähnlich ist das Verfahren bei Griechenland.
Das Problem: Bei Griechenland hatte die EU noch darauf gedrängt, dass das Land selbst rigide sparen müsste. Nun gibt sie schon vorweg eine Garantie, Schuldenländer nicht fallen zu lassen. Dadurch entfällt der Druck auf diese, selbst drastisch zu sparen. Das birgt die Gefahr, dass die starken EU-Länder für die schwachen aufkommen müssen. Und die schwachen gehen die Krise lockerer an, was die Situation noch verschärfen dürfte. Merkel hat daher auch im neuen Rettungspaket der EU den Internationalen Währungsfonds eingebunden. Er entwirft die Sanierungsprogramme, denen sich die Schulden-Staaten unterwerfen müssten, wenn sie Kredite beantragen.
Das größte Problem sehen Kritiker derzeit aber in der Inflationsgefahr. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen aufkauft. Das heißt, sie pumpt mehr Geld in den Markt. Das soll aber an anderer Stelle wieder herausgezogen werden. Tut die EZB dies nicht, erhöht sich die Geldmenge und die Inflationsgefahr steigt.
Steigt tatsächlich die Inflation, schwächt das auch den Euro, etwa gegenüber dem Dollar. Das kann der Wirtschaft, insbesondere dem Export, zunächst nutzen. Denn europäische Produkte sind dann günstiger zu haben. Allerdings gilt zu bedenken, dass etwa Deutschland den Großteil seiner Exporte in die EU ausführt.
Gefahr der wertlosen Papiere
Zugleich bürgen die EZB beziehungsweise die jeweiligen Nationalbanken mit dieser Maßnahme für riskante Papiere. Sollte ein Staat tatsächlich pleite gehen, dann sitzten die Notenbanken auf Staatsanleihen, die nichts mehr wert sind. Auf den Kosten bleibt dann der Staat und im Endeffekt der Steuerzahler sitzen.
Der Vorteil der Maßnahme: Werden die Staatsanleihen wieder mehr nachgefragt, sinken auch die Zinsen dafür. Dadurch fällt es den betroffenen Ländern wieder leichter, sich frisches Kapital am Markt zu besorgen. Eine Staatspleite kann also zunächst abgewendet werden.
Allerdings befürchten Kritiker auch, dass der Aufkauf der Papiere nicht unbedingt positive Auswirkungen hat. Zunächst waren die Kurse an den Börsen gestiegen, doch inzwischen hat sich das Kursfeuerwerk gelegt, der Dax notierte bis Dienstagmittag schwächer. Gehofft wird auch, dass die Banken den Notenbanken folgen und ebenfalls Staatsanleihen kaufen. Ob diese Wirkung eintritt, ist allerdings unklar.
Andererseits nehmen die Länder eine leichte Inflation und Zinsen in Kauf, um die sofortige Pleite eines Landes zu verhindern, denn dies würde auch die anderen Länder in der Eurozone mit runterziehen. Schließlich gibt es eine Gemeinschaftswährung, von der alle gemeinsam profitieren - oder eben nicht.
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