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Finanzkrise: Der vorlaute Steinbrück

VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 09.10.2008 - 21:39

Berlin (RP). Peer Steinbrück wird in diesen Tagen zu Merkels wichtigstem Minister. Der Krisenmanager gilt als hartnäckig und kraftvoll. Doch dem forschen Finanzminister unterläuft immer wieder ein Fehler. Er redet zuviel.

Das Lachen kommt blitzartig. Und heftig. Wenn Peer Steinbrück etwas amüsiert ­ - meist sind es eigene Witze -­ schnellen seine Mundwinkel nach oben, die Augen kneift er zusammen. Steinbrück kann sich herrlich amüsieren.

Doch solche Momente sind rar geworden, berichtet ein enger Mitarbeiter des Finanzministers. Die Lage ist ernst. Die Finanzkrise schlägt dem derzeit wohl wichtigsten Minister in Merkels Kabinett minütlich mit einer Wucht entgegen, die für Lockerheiten keine Zeit lässt. Nicht nur das: die Kritik an dem Krisenmanagement des SPD-Politikers wird lauter. Und sie beschränkt sich nicht mehr auf Hinterbänkler in der Opposition.

Steinbrücks Amtskollegen aus Frankreich, England und den USA sind spürbar verärgert über die Weigerung des Deutschen, einen europaweiten Rettungsschirm für alle Banken aufzubauen. „Das interessiert in Deutschland keinen”, kommentierte Steinbrück herablassend die französische Idee nach einem 300-Milliarden-Rettungspaket.

Das stimmte nicht ganz. Wenige Tage zuvor hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ein gemeinsames Durchgreifen der Europäer in großem Stil gefordert. Aber Banker stehen derzeit nicht besonders hoch in Steinbrücks Gunst. Auch unabhängige Experten wie Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim sind kritisch. „Was Steinbrück macht, sind Notfall-Operationen. Er muss die große Lösung wagen”, sagt er.

An dem 61-Jährigen prallt das ab. Der Chefökonom der Bundesregierung hat sich längst entschieden, wie er die Krise meistern will. „Jedes Land entscheidet selbst”, sagt er. Basta-Politik wie zu besten Schröder-Zeiten. Selbstkritik gehört nicht zu den Stärken des Hanseaten.

Peer Steinbrück steht aber noch etwas anderes im Weg. Sein Mundwerk. Ohne Not ordnete er die „geordnete Abwicklung” der kriselnden Bank Hypo Real Estate an. Prompt hatte er die Anwälte auf der Matte. Seither spricht er von „Verwertung”. „Man wird ja vorsichtig”, sagt Steinbrück. Nur einen Tag später verkündet er im Nebensatz die Verschiebung des Bahn-Börsengangs. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn bereitete sich da gerade auf die Investorensuche vor. Zuletzt brachte der Finanzminister der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt die Finanzmärkte in Wallung, als er unbedacht einen „Plan B” zur Krisenbekämpfung ankündigte. Details gab es nicht.

Plötzlich verstörte der SPD-Vize, der Politiker gerne zu „Eindeutigkeit” mahnt, selbst mit Worten. „Er muss doch wissen, dass seine Äußerungen marktrelevant sind”, wundert sich ein Bankvorstand. Manfred Neumann, Finanzwissenschaftler und Berater des Ministers, kommentierte: „Offenkundig gibt es gar keinen Plan B.” Steinbrücks Art ähnelt der seines Lieblingstiers, Rhinozeros. Sind die schweren Viecher einmal in Fahrt, sind sie nicht zu stoppen. So ist das auch, wenn Steinbrück redet. Meist schnell. Oft zuviel. Wohl auch deswegen hat Ex-SPD-Chef Kurt Beck, gefragt nach den Wahlkampfqualitäten seines Stellvertreters, gesagt. „ein zweischneidiges Schwert”.

Trotzdem: Deutschland kann froh sein, dass der blitzgescheite Volkswirt jetzt Finanzminister ist. Engagement, Detailkenntnis und Handlungswille spricht ihm keiner ab. „Ein Zauderer wäre das Letzte, was wir jetzt brauchen”, sagt ein Wirtschaftsführer.

Vielleicht ist es schlicht die Dimension der Krise, die Ungewissheit, die den Schachspieler Steinbrück zu mancher Rochade zwingt. Und ihn selbst verändert. Der Mann, der Gesprächspartnern oft unterbewusst zu erkennen gibt, das er deutlich intelligenter ist, lernt Demut. „Ich weiß es nicht”, ist derzeit ein oft gehörter Satz.

Alles zur Finanzkrise in unserem Special

Quelle: RP

 
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