Führungskräfte-Tagung abgesagt: Deutsche Bank - Ackermann verspricht schnelle Hilfe
zuletzt aktualisiert: 15.12.2005 - 14:44Düsseldorf (rpo). Die Schließung des Immobilienfonds grundbesitz-invest sorgt weiter für Schlagzeilen. Die Deutsche Bank hat nach massiver Kritik inzwischen eingelenkt und will einen Teil der Anleger unterstützen. Deutsche Bank-Vorstandssprecher Josef Ackermann versicherte am Donnerstag, man werde betroffenen Privatanlegern "schnell und unbürokratisch" helfen.
Ackermann erklärte per Pressemitteilung: "Privatanlegern, die in der jüngeren Vergangenheit in den Fonds investiert haben und durch die bevorstehende Neubewertung nun ein mögliches Risiko einer Wertminderung haben, wollen wir schnell und unbürokratisch helfen und einen fairen Wertausgleich schaffen."
Konkrete Maßnahmen könnten erst bekannt gegeben werden, wenn die Ergebnisse der Neubewertung der vereidigten, öffentlich bestellten und unabhängigen Gutachter vorlägen. Die von der Geschäftsführung der DB Real Estate getroffene Entscheidung, die Ausgabe und Rücknahme von Fondsanteilen des Fonds vorübergehend auszusetzen, werde von der Deutschen Bank mitgetragen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sei zeitnah über alle Entwicklungen unterrichtet worden.
Die anstehende Neubewertung der Vermögenswerte in dem Fonds ändere "nichts an der hohen Qualität des zu Grunde liegenden Immobilienportfolios: Der Fonds weist eine Vermietungsquote von 90 Prozent auf und ist zu 35 Prozent außerhalb Deutschlands investiert", betonte das Geldinstitut. Der Fonds habe auf zehn Jahre eine Rendite von 46 Prozent erreicht, in den vergangenen fünf Jahren erwirtschaftete er für seine Anleger 19 Prozent, in den letzten drei Jahren 7,5 Prozent.
Politiker fordern Transparenz
Die Kritik an der Deutschen Bank war vor dieser Erklärung noch schärfer geworden: So forderte der stellvertretende SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Joachim Poß das Geldinstitut auf, der "Verantwortung für den Finanzmarkt" gerecht zu werden. Poß' FDP-Kollege Carl-Ludwig Thiele nannte die Vorgänge um den Fonds "in der deutschen Immobilienfondsbranche beispiellos".
Poß betonte, dass ein offener Immobilienfonds in Schwierigkeiten gerate, sei grundsätzlich nichts beunruhigendes. "Solche Probleme lassen sich aber geräuschlos aus der Welt schaffen, wie das die Beispiele der offenen Immobilienfonds von Sparkassen und Volksbanken gezeigt haben, bei denen die Mütter den Fortbestand der Fonds gesichert haben." Zugleich griff der SPD-Politiker Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann an: "Herr Ackermann von der Deutschen Bank verfolgt offenbar eine andere, eigensüchtige Politik und schadet damit dem Finanzmarkt Deutschland und insbesondere dem Vertrauen der Anleger von Immobilienfonds."
Der FDP-Politiker Thiele sagte, die Deutsche Bank müsse umgehend für Transparenz sorgen. "Ansonsten besteht die Gefahr, dass der ganzen Branche der offenen Immobilienfonds ein starker Kapitalabfluss droht." Die Bank solle ihre Entscheidung zumindest begründen und versuchen, auf diese Weise die Verunsicherung der Märkte zu beenden.
BaFin-Sprecherin Anja Neukötter erklärte auf Anfrage, die Behörde habe eine Stellungnahme der DB Real Estate angefordert, von der sie alle weiteren Entscheidungen abhängig machen wolle. Entscheidend sei, welche Gründe für die Schließung angegeben würden. In welchem Fall die Aufsicht tätig werden würde und was dann passieren könnte, wollte die Sprecherin nicht sagen: "Darüber wollen wir nicht spekulieren".
Führungskräfte-Tagung kurzfristig abgesagt
Ursprünglich war an diesem Donnerstag und Freitag eine Führungskräfte-Tagung der Deutschen Bank in Düsseldorf geplant. Angesichts der aktuellen Negativschlagzeilen wurde die Großveranstaltung mit weit über 1.000 Teilnehmern allerdings kurzfristig abgesagt.
Gebuchte Veranstaltungsräume, Hotelbetten und Flüge bleiben ebenso ungenutzt wie die Anmietung der "Nachtresidenz", eines Düsseldorfer Clubs, in dem am Freitagabend groß gefeiert werden sollte. Angesichts der Negativschlagzeilen über den Immobilienfond Grundbesitz-Invest ist der Führungsetage der Bank die Feierlaune offenbar vergangen.
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