Panik: Deutsche Bank schließt keinen weiteren Fond
zuletzt aktualisiert: 23.12.2005 - 11:04Frankfurt/Berlin (rpo). Die Deutsche Bank wehrt sich gegen Presseberichte, nach denen ein weiterer offener Immobilienfonds geschlossen werden könnte. Die vorübergehende Schließung eines Fonds der Deutsche-Bank-Tochter Real Estate hatte in der Finanzwelt für Empörung gesorgt. Der Chef der Hypo-Real-Estate, Georg Funke, forderte grundlegende Änderungen im Fondskonzept.
Das Fondsmanagement gehe nicht von einer Schließung des betreffenden Fonds "Grundbesitz Global" aus, sagte ein Sprecher der Bank-Tochter DB Real Estate am Freitag in Frankfurt am Main. Der Fonds sei im Gegensatz zu dem vergangene Woche geschlossenen "Grundbesitz Invest" nicht in Deutschland investiert, weswegen sich die hiesige Marktentwicklung in diesem Fonds auch nicht niederschlage. Zuvor hatten die Tageszeitungen "Die Welt" und "Bild" von Problemen bei einem weiteren DB-Real-Estate-Fonds berichtet.
Die Unsicherheit um den Deutsche-Bank-Fonds hatte auch bei Fonds der Konkurrenz zu Mittelabflüssen geführt. Vor diesem Hintergrund hatte sich am Donnerstag der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Klaus-Peter Müller, kritisch geäußert. Durch die Fondsschließung bestand nach Ansicht Müllers durchaus die "Gefahr einer Systemkrise", die aber durch schnelles Agieren der Bankenverbände und der Finanzaufsicht habe vermieden werden können.
Der Immobilien Verband Deutschland (IVD) warnt davor, die derzeitige Krise der offenen Immobilienfonds als Indiz für eine Verschärfung der Krise des deutschen Immobilienmarktes zu deuten. Die seit mehreren Jahren anhaltende Schwäche des deutschen Büroimmobilienmarktes hat nach Einschätzung des IVD ihren Tiefpunkt überschritten, erklärte IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick am Freitag in Berlin. Die Probleme, die zur Aussetzung der Rücknahme eines Fonds der Deutschen Bank geführt haben, seien "kein Indikator für eine Verschärfung der Krise am Immobilienmarkt, sondern für eine Krise eines Finanzproduktes", sagte Schick. Deshalb sei es notwendig, das Produkt so rasch wie möglich zu reformieren.
Real-Estate-Chef Funke hat grundlegende Änderungen an dem Fondskonzept gefordert. "Man kann schon einen Konstruktionsfehler darin sehen, täglich handelbare Fonds samt Rücknahmegarantie mit Immobilien zu unterlegen, die eben gerade nicht liquide sind", sagte er der Tageszeitung "Die Welt" vom Freitag. Hier müsse es zu einer Marktbereinigung kommen und die Fonds in Immobilienaktien umgewandelt werden.
Funke plädierte dafür, Immobilien in Deutschland künftig nach realistischen Marktpreisen zu bewerten. "Es hilft den Banken nicht, wenn Gutachter den theoretischen Verwertungspreis eines Gebäudes in zehn Jahren ermitteln und der in die Bilanz eingestellt wird", sagte er. "Ist das Haus leer, gibt es keine Mieteinnahmen und damit ist es wertlos - Gutachten hin oder her."
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