Gespräche mit Kandidaten: Deutsche Börse vor Führungswechsel
zuletzt aktualisiert: 07.09.2005 - 15:09Frankfurt/Main (rpo). Die Deutsche Börse könnte schon bald einen neuen Vorstand haben: Vier Monate nach dem Rücktritt von Werner Seifert zeichnet sich ein Ende der Führungskrise ab. Derzeit sondiert der Aufsichtsrat geeignete Kandidaten. Namen wurden allerdings noch nicht genannt.
Der amtierende Aufsichtsratschef Rolf Breuer und sein designierter Nachfolger Kurt Viermetz "haben Gespräche mit geeigneten Kandidaten" für den Chefposten geführt, die sie dem Aufsichtsrat präsentieren wollen, wie die Deutsche Börse am Dienstagabend in Frankfurt am Main mitteilte. Bei der nächsten Sitzung des Gremiums am 10. Oktober wolle Breuer sein Amt übergeben und zurücktreten.
Anfang Mai hatte Seifert den monatelangen Machtkampf mit rebellischen Großaktionären um den Hedgefonds TCI verloren. Diese hatten den von Seifert geplanten Kauf der Londoner Börser torpediert. Am 9. Mai musste der Schweizer nach einer Aufsichtsratssitzung seinen Sitz räumen. Derzeit koordiniert Finanzvorstand Mathias Hlubek die Arbeit des Vorstandes. Nach dem Machtkampf mit den Aktionären waren zudem vier der 21 Mitglieder des Aufsichtsrates zurückgetreten. Breuer hatte stets betont, er werde seinen Posten abgeben, sobald ein Nachfolger für den Börsenchef gefunden wurde.
Zusammen mit dem Ex-Deutsche-Bank-Chef scheiden nun mit dem ehemaligen Leiter des Investmentbanking der Commerzbank, Mehmet Dalman, dem HypoVereinsbank-Vorstand Stefan Jentzsch und dem Unternehmensberater Hessel Lindenbergh drei weitere Aufsichtsratsmitglieder aus. Damit wolle die Deutsche Börse das Kontrollgremium an die veränderte Eigentümerstruktur anpassen, erklärte das Unternehmen.
Kritik am Aufsichtsrat
Kritiker hatten bemängelt, dass der Aufsichtsrat den Vorstand nicht im Sinne der Eigner kontrolliert. Mittlerweile liegen nur noch sieben Prozent der Aktien der Deutschen Börse in deutschen Händen. Viele Fondsgesellschaften hatten ihre Anteile gegen Gebühr an andere Investoren wie Hedgefonds verliehen, um ihre Erträge zu steigern. Die neuen Anteilseigner waren aber im Aufsichtsrat kaum vertreten.
Daraufhin hatte die Deutsche Börse bereits im Juli bekanntgegeben, dass Viermetz, einst Investmentbanker bei J.P. Morgan sowie Oberaufseher der HypoVereinsbank und heute Chefkontrolleur des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate künftig den neuen Aufsichtsrat leiten soll.
Daneben wurden der einstige Goldman-Sachs-Manager und jetzige Europachef des Hedgefonds GSC Partners, Richard Hayden, der CDU-Politiker und TCI-Anwalt Friedrich Merz sowie der einstige WestLB-Vorstand und jetzige Vize der britischen Investmentbank Hawkpoint, Gerhard Roggemann, in das Gremium berufen.
Die Anleger begrüßten das bevorstehende Ende der Führungskrise bei der Deutschen Börse. Die Aktie des Börsenbetreibers stieg kurz nach Handelsbeginn auf 76 Euro und notierte am Nachmittag ein Prozent im Plus bei 75,65 Euro.
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