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Run auf Staatsanleihen: Deutsche bringen Geld in Sicherheit

VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 10.10.2008 - 13:26

Berlin/Düsseldorf (RPO). Die Horrormeldungen von den Börsen nehmen kein Ende. Professionelle Marktteilnehmer und Durchschnittsanleger sind gleichermaßen verunsichert: Was sollen sie mit ihrem Geld anstellen? Die Krise löst einen Ansturm auf Staatsanleihen und Sparkassen aus.

"Die Nachfrage für Bundeswertpapiere hat stark zugenommen", sagte Boris Knapp, Sprecher der Finanzagentur des Bundes, im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Unternehmen ist unter anderem für das Schuldenmanagement des Bundes zuständig und bringt Staatsanleihen wie die Bundesschatzbriefe auf den Markt.

Diese verzinslichen Wertpapiere gelten als sicherer Hafen und verzeichnen im Zuge der aktuellen Krise starken Zulauf. "Aufgrund der vielen Nachfragen hat sich bereits ein gewisser Rückstau gebildet", erklärte Knapp. Täglich erhalte die Agentur zwischen 30.000 und 40.000 Anrufe.

Normalerweise verzeichnet die 100prozentige Tochtergesellschaft des Bundes bei Tagesanleihen ein Absatzvolumen zwischen sechs und zehn Millionen Euro pro Geschäftstag. Ab Mitte September stieg dieser Wert auf 40 Millionen Euro. "Seit Beginn der Woche hat das Volumen sprunghaft zugenommen", fügte Knapp an. In den letzten drei Tagen habe der tägliche Absatz allein bei den kurzfristigen Anleihen auf jeweils 100 Millionen Euro zugelegt, wobei der Anteil der Neukunden gestiegen sei.

Zulauf bei Sparkassen       

Auch die meist in kommunaler Trägerschaft befindlichen Sparkassen können nicht über mangelnde Resonanz klagen. Die "Bild"-Zeitung berichtet unter Berufung auf eine Umfrage bei mehreren großen Instituten, dass die Einlagen bei den Sparkassen seit Ende September um mehr als eine Milliarde Euro gestiegen sind. Allein die Hamburger Sparkasse habe ein Plus um 500 Millionen Euro verzeichnet, sagte Firmenchef Harald Vogelsang dem Blatt. Das Geld stamme von Alt- und Neukunden. Besonders Sparkonten und Termineinlagen seien gefragt.

Auch in anderen großen Städten wie Köln und Düsseldorf erfreuen sich die Sparkassen steigender Kundenresonanz. Der Präsident des Niedersächsischen Sparkassen- und Giroverbandes, Thomas Mang, bestätigte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", dass die Sparkassen in Deutschland seit Tagen spürbare Einlagenzuwächse verzeichneten. Mang wertete dieses Kundenverhalten als Vertrauensbeweis und warnte vor Panik. Die genossenschaftlichen Banken werden ebenfalls stärker frequentiert, berichtet das "ZDF".  

Auch andere, vermeintlich sichere Anlageformen werden derzeit verstärkt nachgefragt. Bei dem als krisensicher geltenden Gold ist das derzeit der Fall. Hier gibt es bereits Lieferengpässe wegen des nicht zu bewältigenden Ansturms.

Bevölkerung verunsichert

Der Run auf sichere Anlagen ist offenbar mit der Verunsicherung der deutschen Anleger zu begründen. Laut dem am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" bejahten 22 Prozent der Befragten die Frage, ob das deutsche Bankensystem zusammenbrechen könnte. 41 Prozent verneinten dies. 37 Prozent trauten sich kein Urteil zu.

Etwa jeder zweite Deutsche (55 Prozent) hält seine Spareinlagen und Girokonten für sicher, ergab die Umfrage weiter. Dieses Vertrauen fehlt mehr als jedem Dritten (37 Prozent), trotz der von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zugesicherten Staatsgarantie für private Spareinlagen. Acht Prozent der Befragten antworteten mit "weiß nicht" oder "trifft nicht zu".

Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.


 
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