Zugeständnisse zeichnen sich ab: Die Deutsche Börse buhlt um Euronext
zuletzt aktualisiert: 24.05.2006 - 11:19Frankfurt/Main (rpo). Bei der Hauptversammlung der Deutschen Börse hat der Vorstandsvorsitzende Reto Francioni betont, wie vorteilhaft ein Zusammenschluss mit der Vierländerbörse Euronext für beide Partner wäre. Um auch Euronext davon zu Überzeugen, ist man zu weitgehenden Zugeständnissen bereit: Euronext-Chef Jean-Francois Theodore könnte vorerst alleiniger Boss der Superbörse werden.
Nachdem die Euronext-Hauptversammlung am Dienstag im Amsterdam eine Abstimmung über eine Fusion mit den Frankfurtern verweigert hatte, kündigte Francioni an, die Situation sorgfältig analysieren zu wollen. Er wies darauf hin, dass weder die Empfehlung des Euronext-Aufsichtsrats, derzeit das Angebot des Wettbewerbers New York Stock Exchange (NYSE) zu präferieren, noch der Hauptversammlungs-Beschluss bindend seien. Mit dem Vorschlag eines Zusammenschlusses unter Partnern könne den Interessen der Aktionäre, der beteiligten Finanzzentren und aller anderen Interessengruppen am besten Rechnung getragen werden.
Aufsichtsrat und Vorstand der Deutschen Börse seien der Auffassung, "dass wir unser Möglichstes unternommen haben, um das Management von Euronext von dem Potenzial eines Zusammenschlusses und der Qualität unseres Vorschlags zu überzeugen". Francioni präsentierte den Deutsche-Börse-Aktionären die Details des Angebots, das er als "faire Balance" und wertschaffend für die Aktionäre betrachtet.
Unterdessen deutete der Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Viermetz auf dem Aktionärstreffen weitere Zugeständnisse im Poker um Euronext an. "Unter gewissen Umständen könnte Euronext-Chef Jean-Francois Theodore bis 2008 alleiniger Chef des neuen Unternehmens werden", sagte er. Bisher sei Theodore darauf nicht eingegangen.
Ursprünglich sollte die europäische Superbörse nach dem Vorschlag der Frankfurter zunächst gemeinsam von Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni und Theodore geführt werden und Theodore später in den Aufsichtsrat wechseln. Zugleich bekräftigte Viermetz das Interesse der Deutschen Börse an einem Zusammenschluss mit Euronext unter Partnern. Die Frankfurter hätten einen wohl überlegten Vorschlag erarbeitet. Ein Vergleich mit der Offerte der New York Stock Exchange für die Vierländerbörse sei kaum möglich.
"Es hat den Anschein als ob hier ein Bieterkampf initiiert worden sei, in dem kühle Köpfe gefragt sind", sagte der Aufsichtsratschef. Die Deutsche Börse hatte am Vortag eine schwere Niederlage erlitten. Die Aktionäre der Vierländerbörse hatten auf der Hauptversammlung in Amsterdam einen Antrag abgelehnt, wonach ein Zusammenschluss mit den Frankfurtern favorisiert werden sollte. Zugleich bezeichnete die Euronext-Spitze auch nach der Veröffentlichung eines detaillierten Fusionsvorschlag der Deutschen Börse die Offerte der New York Stock Exchange als die attraktivere Variante. Es handelt sich dabei aber nach wie vor nicht um eine formelle Empfehlung.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
