Pannen-Serie bei der KfW: "Die dümmste Bank"
VON ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 23.10.2008 - 08:28Düsseldorf (RP). Die Razzia bei der KfW krönt die Pannen-Serie. Die Förderbank versagte bei ihrer Tochter IKB und überwies Millionen an die Pleitebank Lehman. Die Kontrolleure aus der Politik sind heillos überfordert.
Manche Unternehmenslenker warten ein Leben lang auf eine Schlagzeile. KfW-Ulrich Schröder hatte es nach elf Arbeitstagen geschafft: „Die Trottel von der KfW“ titelte die "taz". Bei "Bild" hieß es: .„Deutschlands dümmste Bank“. Der Anlass: Die staatliche Förderbank hatte der US-Bank Lehman noch 319 Millionen überwiesen, obwohl diese gerade pleite gegangen war.
Dummheit gehört bestraft, meint der Volksmund. Die Staatsanwaltschaft formuliert vornehmer und ermittelt nach rund 20 Anzeigen von Bürgern wegen des "Verdachts der Untreue". Die Prüfung der Unterlagen werde Wochen dauern, sagte Staatsanwältin Doris Möller-Scheu. Es werde untersucht, ob die Verantwortlichen ihre Pflicht verletzt und die Überweisung nicht verhindert haben, obwohl sie von den Problemen bei Lehman wussten.
Die Geschichte, die KfW-Chef Schröder später im Interview erzählt, klingt unglaublich. Die KfW hatte mit Lehman ein Währungsgeschäft vereinbart. Im Juli hatten die Banken erstmals Währungen miteinander getauscht. Am Montag, 15. September, sollte der Rücktausch erfolgen.
Der KfW-Computer erhielt einen entsprechenden Überweisungsauftrag. Am Freitag, 12. September, zeichnete sich die Pleite von Lehman ab und die KfW beriet sogar darüber. Doch anstatt das Computerprogramm auszusetzen oder es durch Mitarbeiter überwachen zu lassen, ging der KfW-Vorstand ins Wochenende.
"Die Situation ist über das Wochenende nicht überwacht worden. Das Fortsetzungsmeeting war für Montagmorgen um 9.30 Uhr angesetzt worden", erzählt Schröder. Viel zu spät: Um 8.37 Uhr schickte der Computer 319 Millionen zur Lehman-Bank, die inzwischen pleite war. Ob und wann das Geld jemals wieder zurückkommt, wie es vereinbart war, steht in den Sternen.
Nach den Sternen griff auch die Tochter der KfW, die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB. Sie witterte im Geschäft mit verbrieften US-Baukrediten die ganz große Rendite. 2007 offenbart sich: Daraus wurde der ganz große Reinfall. Die IKB musste Milliarden abschreiben und stand vor der Pleite.
Staat und Bankbranche schnürten Hilfspakete, KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier trat im April 2008 zurück. Am Ende musste die IKB mit zehn Milliarden Euro gerettet werden. Den Großteil trägt die KfW. Später verkauft sie die IKB mit hohen Verlusten an US-Investor Lonestar. Der Rechnungshof bescheinigte der KfW, habe ihre Kontroll-Verantwortung nicht erfüllt.
Aus der Förderbank, die preisgünstige Kredite für Studenten, Eigenheim-Bauer, Existenzgründer und Gebäudesanierung vergeben soll, ist selbst ein Sanierungsfall geworden.
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