Nach Dubai-Schock: "Die Panik ist wieder ausgebrochen"
zuletzt aktualisiert: 27.11.2009 - 11:36Tokio (RP/RPO). Die Zahlungsnöte des einstigen Boom-Emirats Dubai haben am Freitag die Börsen in Asien erschüttert. Geplagt von der Furcht vor einer neuen Finanzkrise trennten sich die Anleger in Tokio vor allem von Bankwerten. Doch auch in anderen Sektoren wurden Anteile in großem Stil abgestoßen.
Exporttitel gerieten unter Druck. Der Nikkei-Index gab mehr als drei Prozent nach und schloss auf dem niedrigsten Stand seit vier Monaten. Das Börsenbarometer beendete damit die fünfte Woche in Folge mit einem Minus. Der Dollar stürzte auf ein 14-Jahres-Tief. Japans Regierung und Notenbank zeigten sich besorgt über die Turbulenzen auf dem Devisenmarkt und signalisierten ihre Bereitschaft zum Eingreifen.
"Die Panik ist wieder ausgebrochen", sagte Francis Lun von Fulbright Securities. Sorgen über Auswirkungen der Geldnöte Dubais auf die Bilanzen ließen Banktitel nachgeben. In Tokio verloren Mitsubishi UFJ Financial 2,2 Prozent, während sich HSBC Holdings und Standard Chartered in Hongkong um jeweils rund sechs Prozent verbilligten. Auch Baufirmen wie Obayashi in Japan gerieten mit Dubai ins Wanken: Wegen drohender Probleme mit Projekten in dem Emirat wurde der Konzern heruntergestuft und an der Börse kräftig abgestraft - die Titel fielen 8,7 Prozent.
Dubai vor der Pleite
Der Grund für die wieder ausgebrochene Panik: Der arabische Wüstenstaat Dubai, bis jetzt Synonym für ein Wirtschaftswunder wie aus 1001 Nacht, steht vor der Pleite. Die Schuldenprobleme des staatseigenen Konglomerats "Dubai World", das Umschlagplatz der arabischen Staatsfinanzen ist und zum Beispiel die berühmte Palmeninsel ins Meer zaubern soll, sind den Scheichs über den Turban gewachsen. Am Donnerstag mussten sie ihre Gläubiger um Zahlungsaufschub bis Mitte nächsten Jahres bitten.
Das Emirat selbst versuchte zu beruhigen. Der 60 Milliarden Dollar hohe Schuldenturm von "Dubai World", der drei Viertel der Verbindlichkeiten des Staates ausmacht, habe "keine Auswirkungen auf andere Staatsunternehmen". Aber der Regierungssprecher musste zugeben, dass in dem Wüstenstaat nach jahrelangem Immobilienboom derzeit alle prestigeträchtigen Bauprojekte gestoppt worden sind. Die Krise ließ die Finanzierungsquellen versiegen. Auch die internationalen Großbanken und Versicherungen bemühten sich um Ruhe an den Märkten.
Jahrelang hatte Dubai Volkswirte in aller Welt verblüfft. Auf dem Weg vom Fischerdorf zur Weltmetropole wollten die Scheichs mal eben das Zeitalter der Industrialisierung überspringen. Erste Ölfunde begründeten Mitte der 60-er Jahre den Aufstieg des Wüstenstreifens. Da die Quellen aber in gut zehn Jahren versiegt sein werden, will Dubai seine Volkswirtschaft bis dahin komplett umgekrempelt haben. Staatsziel: vollständige Unabhängigkeit vom Öl bis 2015.
Der Dienstleistungssektor, namentlich Handel, Tourismus und Finanzwesen, wird in Dubai mithilfe der Petro-Dollars maximal unter Dampf gesetzt: Sie legten lange um 20 Prozent pro Jahr zu und machten 2005 bereits drei Viertel der gesamten Wirtschaftskraft aus. Gut möglich, dass der Kessel platzt. Dubais Pro-Kopf-Verschuldung beträgt 45.000 bis 320.000 Dollar. Die hohe Schwankungsbreite liegt daran, dass über 80 Prozent der Bevölkerung Gastarbeiter und in der kleineren Zahl enthalten sind, in der größeren nicht. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die Pro-Kopf-Verschuldung 27.500 Dollar.
Nikkei schließt 3,2 Prozent tiefer
Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss in Tokio 3,2 Prozent im Minus bei 9081 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 2,2 Prozent auf 811 Punkte. Die Börse in Korea stürzte 4,7 Prozent ab, Hongkong notierte 3,5 Prozent im Minus, und auch die Aktienmärkte in Singapur, Taiwan und Shanghai büßten an Wert ein. Der Dollar kostete 86,07 Yen. Ein Barrel Rohöl verbilligte sich um mehr als drei Dollar auf 74,93 Dollar.
Die Wechselkursbewegungen machten ihm große Sorgen und Japan könnte darauf reagieren, sagte Finanzminister Hirohisa Fujii am Freitag. Konkrete Angaben machte er aber nicht. Zudem brachte er eine gemeinsame Erklärung der sieben führenden Industriestaaten (G7) und eine Absprache mit den zuständigen Partnern in Europa und den USA zur Sprache. Finanzministerium und die Bank of Japan holten Marktteilnehmern zufolge am Morgen bei den Geschäftsbanken Informationen über den Dollar-Kurs ein.
Einbruch schon am Donnerstag
Die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Dubais hatten am Donnerstag schon die Aktienmärkte in Europa in die Tiefe gezogen. Die Wall Street entkam vorerst, weil die Börse wegen des Thanksgiving-Feiertags geschlossen blieb. Doch auch hier war die Aussicht negativ: S&P-Futures gaben drei Prozent nach. Der deutsche Leitindex rutschte zum Handelsstart um 1,7 Prozent ab. Danach drehte danach aber zeitweise wieder leicht ins Plus. Gegen Mittag notierte er kaum verändert bei 5613 Punkten. Dubai bestimmt heute wieder alles", sagte ein Händler.
Am Donnerstag war der Dax um 3,3 Prozent auf 5614 Punkte abgestürzt. Die Kursverluste zogen sich durch alle Branchen. Kein Dax-Wert lag im Plus. Besonders unter Druck standen Finanzwerte wie die Commerzbank, die 3,7 Prozent verloren. Infineon gaben um 3,4 Prozent nach.
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