Rezession rückt näher: Die Wirtschaft sieht schwarz
zuletzt aktualisiert: 27.10.2008 - 16:16München (RPO). Volle Breitseite für die deutsche Wirtschaft: Die Börse im Abwärtstaumel, Autohersteller und Banken in der Krise. Die Unternehmen haben die Rezession fest vor Augen. Der ifo-Index sank auf den niedrigsten Stand seit 2003. Die Stimmung ist im Keller. Kenner beurteilen die Entwicklung als dramatisch.
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist im Strudel der Finanzmarktkrise auf den niedrigsten Stand seit Mai 2003 gesackt. Der ifo-Geschäftsklimaindex gab im Oktober von 92,9 auf 90,2 Punkte nach - es war der fünfte Rückgang in Folge. Die Aussichten für die kommenden sechs Monate beurteilen die befragten Unternehmen sogar so schlecht wie zuletzt vor 26 Jahren. Anfang der 1980er Jahre war Deutschland wegen der zweiten Ölkrise in eine Rezession gerutscht.
Ob es dieses Mal zur Rezession komme, hänge davon ab, wie lange die Finanzmarktkrise andauere und ob eine Kreditklemme eintrete, sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger am Montag in München. Die Banken hätten ihre Kreditrichtlinien bereits verschärft.
"Gerade bei den Erwartungen ist das ein imposanter Rückgang", sagte Abberger - auch im Bezug auf die vergangenen Monate. Seit Mai sank dieser Wert um 15,7 Punkte. Es habe allerdings auch selten so eine Finanzmarktkrise gegeben, wie zur Zeit, sagte der Experte.
Er rechne mit einer Fortsetzung des Abwärtstrends in der deutschen Wirtschaft in den kommenden Monaten, erklärte Abberger. Der Tiefpunkt werde im Winter erreicht werden, im Frühjahr erwarte er eine internationale Stabilisierung und von dort an wieder moderates Wachstum in Deutschland. Ein echter Aufschwung mit deutlichem Wachstum sei aber nicht vor 2010 oder 2011 zu erwarten. Wichtige deutsche Handelspartner wie die USA würden sich nicht so schnell erholen, erklärte der Experte.
Steigende Arbeitslosigkeit erwartet
Abberger erwartet auch auf dem Arbeitsmarkt Auswirkungen. "Wir rechen damit, dass sich im Verlauf des nächsten Jahres die Arbeitslosigkeit wieder etwas erhöhen wird, sagte er. Die aktuelle Befragung der Unternehmen hatte ergeben, dass in der Industrie die Produktion zurückgefahren wird und kein Personalaufbau mehr stattfindet. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn erklärte: "Die deutschen Unternehmen stellen sich auf eine rückläufige Geschäftstätigkeit ein." Bei der aktuellen Geschäftslage verbesserte sich die Einschätzung der Unternehmen allerdings minimal von 99,8 auf 99,9 Punkte.
In der Industrie setzte sich der Abwärtstrend laut ifo-Index fort. "Die derzeitige Geschäftslage wird von den Unternehmen erneut ungünstiger als im Vormonat, insgesamt aber weiterhin als befriedigend eingestuft. Sie erwarten jedoch eine deutlich schlechtere Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten", erklärte Sinn.
Derzeit befinde man sich aber insgesamt nicht im freien Fall, betonte Abberger. Die deutsche Industrie habe sich in den vergangenen Jahren gut aufgestellt. Deswegen könne sie eine kurze Schwächephase verkraften. Positiv wirkten sich auch der sinkende Ölpreis und der im Vergleich zum Euro wieder steigende Dollar aus. Dies bringe sicherlich eine gewisse Kostenersparnis. Allerdings sei die nachlassende Konjunktur das dominierende Thema. Dies merke man auch an den sinkenden Exporten.
Handel skeptischer
Auch der Handel beurteilte das Geschäftsklima laut ifo-Index negativer, wobei der Großhandel einen deutlichen, der Einzelhandel nur einen leichten Rückgang hinnehmen musste. Ihre aktuelle Situation schätzten die Händler zwar etwas besser ein, die Aussichten aber deutlich negativer als im Vormonat. Am Bau sank der Geschäftsklimaindex leicht.
Die Commerzbank beurteilte die Entwicklung des Index' dramatisch: "Die Botschaft ist klar: Die deutsche Wirtschaft ist auf dem Weg in eine Rezession oder bereits dort angekommen. Die Wirtschaft wird im Winterhalbjahr wohl schrumpfen", erklärte die Bank.
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