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Neue Gutachten: Dispokredit-Zinsen sind in Deutschland zu hoch

zuletzt aktualisiert: 19.07.2012 - 08:57

Berlin (RPO). Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) präsentiert am Donnerstag eine Studie zur Höhe der Dispokredit-Zinsen deutscher Banken. Nach Medieninformationen kommt der 254-seitige Bericht zu dem Ergebnis, dass die Zinsen deutlich zu hoch sind. Auch der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen spricht sich gegenüber unserer Redaktion gegen die hohen Zinsen aus.

Die Experten des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung und des Instituts für Finanzdienstleistungen schreiben in ihrem gemeinsamen Gutachten, dass "die Erträge aus dem Dispokreditgeschäft die Kosten, die dem Kreditinstitut für dieses einzelne Produkt entstehen, deutlich übersteigen". Das Extra-Geld werde "zur Quersubventionierung anderer Leistungen oder zur Gewinnsteigerung verwendet".

"In keinem Verhältnis zu Marktzinsen"

"Dispo-Zinsen und Überziehungs-Zinsen stehen nach wie vor in keinem Verhältnis zu den Marktzinsen, zu denen Banken Geld erhalten", sagte der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, unserer Redaktion. Deutschlands oberster Verbraucherschützer forderte, der Gesetzgeber müsse den Zinsen "einen Deckel verpassen, bevor sie weiter beziehungsweise wieder steigen". Billen betonte, politischer Handlungsdruck bestehe auch deshalb, weil die Verbraucher "so gut wie keinen Marktdruck zum Dispo-Zins aufbauen können".

SPD fordert gesetzliche Begrenzung

Auch die Politik ist alarmiert. Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Ulrich Kelber forderte eine gesetzliche Begrenzung der Dispo-Zinsen. "Die aktuellen Refinanzierungskosten für Banken erlauben keinen Dispo-Zins im zweistelligen Bereich", sagte Kelber unserer Redaktion.

"Alle Appelle an die Banken haben nicht gefruchtet, deshalb brauchen wir eine gesetzliche Regelung, die die maximale Spreizung zwischen Refinanzierungskosten der Banken und Zinssatz für den Dispo-Kredit vorschreibt", betonte der SPD-Politiker. Kelber forderte, dass der Überziehungs-Zins nicht mehr als sieben oder acht Prozentpunkte über dem Euribor liegen sollte – also jenem Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Nach dieser Vorgabe läge der Dispo-Zinssatz aktuell auf jeden Fall unter zehn Prozent.

Zehn Prozent könnten reichen

Laut einer Erhebung der Stiftung Warentest verlangen die deutschen Banken durchschnittlich 12,4 Prozent Zins für Dispokredite. Spitzenreiter bei der letzten Erhebung der Stiftung im Herbst 2011 war eine Bank mit 18,25 Prozent. Die Experten kommen in ihrem Gutachten jetzt zu dem Ergebnis, dass die Banken auch mit einem Zinssatz von höchstens zehn Prozent profitabel arbeiten könnten.

Die beiden Institute widerlegen laut "Süddeutsche Zeitung" auch die Argumente der Banken. Diese rechtfertigen ihre Zinsen gerne mit hohen Kosten für die Abwicklung der zumeist kleinen Kredite - und mit dem vermeintlich großen Ausfallrisiko. Die Studie zeigt, dass beides nicht stimmt.

So belegen die Forscher, dass die Ausfallquote der Dispokredite mit durchschnittlich 0,3 Prozent außerordentlich niedrig ist, bei normalen Konsumentenkrediten liegt sie bei 2,5 Prozent. Außerdem habe sich der Bearbeitungs- und Verwaltungsaufwand für die Kredite in den vergangenen Jahren nicht erhöht, schreiben die Experten.

Laut Studie summieren sich die Dispokredite der Deutschen aktuell auf mehr als 40 Milliarden Euro, das sind 500 Euro pro Bürger.

 

Quelle: dpa
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