Historische Rettungsaktion: Eine halbe Billion Dollar Krisenhilfe
zuletzt aktualisiert: 19.09.2008 - 15:55Washington (RPO). Die US-Regierung greift den angeschlagenen Banken des Landes mit einer halben Billlion Dollar unter die Arme. Es handelt sich um die vielleicht größte staatliche Intervention seit der Wirtschaftskrise in den Dreißiger Jahren. Der Dow Jones Index stieg zu Handelsbeginn in New York um 400 Punkte.
Weltweit hatten die Börsen am Freitag nach der Ankündigung der US-Regierung weit ins Plus gedreht. Der DAX stieg bis gegen 16 Uhr um 5,6 Prozent auf 6191 Punkte und damit wieder weit über der psychologisch wichtige 6000-Punkte-Marke. In London gab es ein Plus von 7 Prozent, der Schweizer Leitindex legte mehr als 5 Prozent zu und die Börse Schanghai erlebte den größten Kursanstieg ihrer Geschichte.
Es waren Maßnahmen unvorstellbaren finanziellen Ausmaßes, zu denen sich die US-Regierung in den letzten Monaten genötigt sah: 85 Milliarden Dollar pumpten sie in den angeschlagenen Versicherer AIG, die Rettung der angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae kostete den Steuerzahler weitere Milliarden.
Nun wurden die Pläne für weitere hochdramatische Maßnahme bekannt. Sie will ein umfangreiches Rettungspaket von einer halben Billion US-Dollar auf den Weg bringen. Dabei handelt es sich um die vielleicht größte staatliche Intervention seit der Wirtschaftskrise in den Dreißiger Jahren. Das zeigt, wie brisant die Lage geworden ist. Ein Kolumnist der Washington Post sprach im Hinblick auf die Ereignisse dieser Woche gar von der "größten Zerstörung finanziellen Vermögens, das die Welt jemals erlebt hat."
Um die Finanzkrise zu überwinden, würden "alle Optionen" in Betracht gezogen, sagte eine Sprecherin des US-Finanzministeriums. Dazu zählten Gesetze und Regierungsanordnungen. Die Beratungen mit den Vertretern des Kongresses sollen "über das Wochenende" fortgesetzt werden, um einen "Weg nach vorne aufzuzeigen".
Schaffung einer staatlichen Behörde
Die Politiker haben eines eingesehen: Weder eine Laissez-Faire-Politik noch die Hilfsaktionen für einzelne Banken haben das bewirkt, was beabsichtigt war - die Stabilisierung der Finanzbranche. Nun muss ein systematischer Ansatz her. In Zusammenarbeit mit der US-Zentralbank und dem Kongress arbeitet die US-Regierung an einem Rettungspaket für die durch faule Kredite angeschlagenen Banken. An den Gesprächen darüber in Washington beteiligten sich Notenbankchef Ben Bernanke und führende Politiker sowohl der Republikaner als auch der Demokraten. Der Plan bedürfe noch der Zustimmung des Kongresses, sagte Finanzminister Henry Paulson nach einem Krisentreffen bei Präsident George W. Bush.
Das "im System liegende Risiko" und der "Stress auf den Kapitalmärkten" müssten überwunden werden, sagte Paulson. Bernanke sprach davon, dass in enger Zusammenarbeit mit dem Kongress "die Finanzkrise überwunden" werden solle, so dass "unsere Wirtschaft sich wieder in Bewegung setzt". Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses, sagte, dieser historische Schritt solle die Durchschnittsbürger vor den Verlustgeschäftigen der Wall Street schützen.
Im Zentrum des Vorhabens steht die Schaffung einer staatlichen Behörde, um illiquide Hypothekenpapiere, die stark an Wert eingebüßt haben, von den Bilanzen der Finanzunternehmen zu entfernen, schreibt das "Wall Street Journal". Dieser Abwicklungsplan könnte ein Volumen von rund 500 Milliarden Dollar umfassen, berichtete der Sender CNBC. US-Finanzminister Henry Paulson sagte bei einem Treffen mit Kongressabgeordneten, dass über einen "Gesamtplan" beraten werde, um die Krise zu überwinden.
Orientierung am Modell der 80er Jahre
Die von Paulson entwickelte Auffanglösung orientiert sich offenbar an dem Modell des Staatsfonds Resolution Trust Corp, der 1989 eingerichtet wurde, um die Sanierung von zahlreichen Spar- und Darlehenskassen in der damaligen Finanzkrise voranzutreiben. Die RTC versetzte den Staat in die Lage, Grundvermögen, Hypotheken und andere Anlagen im Gesamtwert von 394 Milliarden Dollar zur Stützung des Marktes zu kaufen, die aus dem Bestand hunderter zusammengebrochener Spar- und Darlehensbanken stammten. Die RTC verkaufte die erworbenen Vermögen über Jahre hinweg und wurde schließlich aufgelöst.
Ein weiterer Vorschlag sieht vor, eine staatliche Versicherungsbehörde zu schaffen, um die Investitionen in Geldmarktfonds zu schützen. Damit solle der Abfluss aus solchen Investitionsformen gestoppt werden, berichtete CNBC. Das Volumen der im Geldmarkt angelegten Gelder umfasst rund 3,4 Billionen Dollar. Außerdem soll die US-Börsenaufsicht SEC ein vorübergehendes Verbot von Leerverkäufen aussprechen.
Der US-Aktienmarkt reagierte am Donnerstag mit einem Kursfeuerwerk auf diese Nachrichten. Allein in der letzten Handelsstunde schoss der Dow-Jones-Index um rund 290 Punkte in die Höhe. "Ein Plan zum Aufkauf von praktisch wertlosen Papieren ist genau das, was der Markt hören wollte", kommentierte ein Händler die zu Handelsende noch vagen Meldungen. Auch die Börsen in Asien legten am Freitag kräftig zu.
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