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Finanzkrise: "Eine Rezession ist nicht zu vermeiden"

zuletzt aktualisiert: 01.10.2008 - 12:15

Frankfurt/Main (RPO). Finanzexperten und Politiker sind sicher: Die internationale Finanzkrise wird die Menschen in Deutschland hart treffen. Wirtschaftlicher Abschwung und steigende Arbeitslosigkeit erscheinen programmiert. Gleichzeitig warnen sie vor Horror-Szenarien: Der freie Fall der Wirtschaft drohe nicht. 

Wie entwickelt sich die Konjunktur? Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank spricht aus, was viele Beobachter seit Wochen befürchten. "Eine Rezession ist für die alte Welt, also USA, Europa, Japan, nicht mehr zu vermeiden", sagt Norbert Walter in der heutigen Ausgabe der "Stuttgarter Nachrichten". Ein Grund: Auch deutsche Geldhäuser werden bei der Vergabe von Krediten vorsichtiger. Darunter leiden besonders mittelständische Unternehmen ohne großes Eigenkapital. Um weiter zu expandieren oder neue Aufträge an Land zu ziehen, brauchen diese Firmen Kredite. Wenn Kredite jedoch knapp werden, verlangsamt sich automatisch das Wachstum. Traditionell gilt der Mittelstand als Jobmotor Deutschlands.

Experten wie Norbert Walter sind pessimistisch. Foto: ddp

Laut der am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturprognose des arbeitgebernahen Instituts wird das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr zwar noch um 1,7 Prozent wachsen, 2009 dann allerdings nur noch um 0,6 Prozent. "Die weltweite Finanzmarktkrise lässt die deutsche Wirtschaft nicht ungeschoren", erklärten die Kölner Wirtschaftsforscher. Keineswegs drohe aber "der freie Fall in die Rezession".

Was passiert mit der Arbeitslosigkeit? Ein Blick auf die aktuellen Erwerbslosenzahlen liefert noch keinen Grund zur Sorge. Im September waren in Deutschland so wenige Menschen ohne Arbeit wie seit 16 Jahren nicht mehr. 3.080.899 waren bei den Ämtern als arbeitslos registriert. "Von der Abschwächung der konjunkturellen Dynamik und den Turbulenzen an den Finanzmärkten zeigt sich der Arbeitsmarkt bisher unbeeindruckt", bilanzierte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, bei der Vorstellung der Zahlen in Nürnberg. Mittelfristig hält er einen Rückgang auf unter drei Millionen für möglich. Negative Auswirkungen für Deutschland sieht Weise nur, falls in Deutschland tatsächlich Kredite knapp werden.

Der Commerzbank-Volkswirt sieht die Entwicklung deutlich skeptischer. Dem "Tagesspiegel" sagte Eckart Tuchtfeld, die Belebung auf dem Arbeitsmarkt werde spätestens im Winter zum Erliegen kommen. Im kommenden Jahr werde die Arbeitslosigkeit dann wieder leicht ansteigen. Aufs Jahr gerechnet werde 2009 eine ähnliche Quote bringen wie 2008.

Kann Deutschland auch profitieren? Glaubt man der US-Handelskammer: ja. Die Behörde empfiehlt amerikanischen Unternehmen nach einem Bericht der "Zeit", ihre Geschäfte nach Deutschland zu verlagern. Hauptgrund sei das verlässliche Kreditwesen der Bundesrepublik. Bereits heute investieren US-Firmen 120 Milliarden Euro in Deutschland. Experten rechnen damit, dass diese Zahl weiter ansteigt.

Auf was müssen Sparer jetzt achten? Die Grundregeln eines vernünftigen Finanzplans für Bürger ändert sich auch in Zeiten der Krise nicht. Als weiterhin sicher gelten Bundeswertpapiere und Festgeldkonten, erklärt die Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg, Edda Castelló. Auch Edelmetalle wie Gold gelten in schwierigen Zeiten als sichere Bank. Von risikoreichen Anlagen wie Zertifikate rät die Expertin jedoch ab. Mehr Tipps für Sparer finden Sie hier.

Alle Informationen zur Finanzmarktkrise finden Sie hier.

Quelle: ap

 
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