Hypo Real Estate: Einigung über Rettungspaket
zuletzt aktualisiert: 05.10.2008 - 23:53Berlin (RPO). Die Bundesregierung und die Finanzbranche haben sich auf ein überarbeitetes Rettungspaket für die angeschlagene Hypo Real Estate geeinigt. Demnach wird der Rettungsplan um weitere 15 Milliarden aufgestockt.
Ministeriumssprecher Torsten Albig teilte am Sonntagabend in einer Erklärung mit, der Finanzsektor werde der Hypo Real Estate (HRE) neben dem von der Deutschen Bundesbank und dem Finanzsektor zur Verfügung gestellten Kreditlinien in Höhe von 35 Milliarden Euro einen weiteren, ebenfalls besicherten Liquiditätskredit in Höhe von 15 Milliarden Euro gewähren. Der vom Bund zur Verfügung gestellte Bürgschaftsrahmen von bis zu 35 Milliarden Euro bleibe unverändert.
Mit dieser gemeinschaftlich gefundenen Lösung werde das Institut stabilisiert und damit der Finanzplatz Deutschland in schwierigen Zeiten gestärkt, hieß es in der Erklärung weiter. Bis zu einer Gesamthöhe von 14 Milliarden Euro trägt nach Angaben des Finanzministeriums der Finanzsektor 60 Prozent und der Bund 40 Prozent der möglichen finanziellen Belastungen, die sich aus einer Inanspruchnahme der Garantie ergeben könnten.
Kurz nach Bekanntwerden der Einigung forderte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) die Bundesregierung zu einer Lösung für die gesamte Bankenbranche auf. "Wir halten es für wichtig, dass wir von Einzelfalllösungen wegkommen. Diese führen dazu, dass für die Retter die Wellen höher werden", sagte DSGV-Sprecher Christian Achilles am Sonntagabend der Online-Ausgabe der Zeitung "Die Welt".
Achilles betonte: "Das könnte man vermeiden, wenn man einen Risikoschirm für die gesamte Bankenbranche aufspannt." Die Sparkassen und Landesbanken seien bei ihrem Bürgschaftsrahmen von 1,6 Milliarden Euro geblieben, wie es in der Nacht zu Freitag vereinbart war.
Lange Krisensitzung
Nach Bekanntwerden des neuen Milliardenlochs bei der HRE am Samstagabend hatten Bundesregierung, Deutsche Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sowie die Spitzenvertreter der deutschen Kredit- und Versicherungswirtschaft am Sonntag in einer langen Krisensitzung nach einer Lösung zur Rettung des Instituts gesucht. Es galt, bis zur Börsenöffnung in Asien am Montagmorgen noch eine Lösung zu finden.
Das von Bundesregierung und Banken bereits ausgehandelte Rettungspaket für HRE war am Samstag zunächst geplatzt. Mehrere Finanzinstitute würden ihre Zusage, sich an einer Bürgschaft mit einer Gesamthöhe von 35 Milliarden Euro zu beteiligen, nicht mehr aufrechterhalten, teilte HRE am Samstagabend in einer Erklärung mit.
Die Nachrichtenagentur AFP erfuhr in Berlin, dass sich der Finanzbedarf der HRE allein bis Jahresende auf bis zu rund 50 Milliarden Euro belaufen könnte. Bis Ende 2009 war demnach sogar von einem Finanzbedarf von bis zu 100 Milliarden Euro die Rede.
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