Francioni übernimmt Vorsitz: Ende der Führungskrise bei der Deutschen Börse
zuletzt aktualisiert: 10.10.2005 - 17:13Frankfurt/Main (rpo). Die Deutsche Börse hat einen neuen Chef - damit ist die seit fünf Monaten dauernde Führungskrise beendet. Der Aufsichtsrat kürte den bisherigen Vorsitzenden der Schweizer Börse, Reto Francioni, zum Chef, wie das Gremium im Anschluss an eine Sitzung mitteilte.
Der 50-Jährige werde seine Tätigkeit "baldmöglichst" aufnehmen, hieß es. Wunschtermin ist laut Unternehmenskreisen der 1. November. Francioni wird Nachfolger von Werner Seifert, der nach monatelangem Machtkampf mit rebellischen Aktionären im Mai seinen Hut nehmen musste. Auch Aufsichtsratschef Rolf Breuer verlässt das Gremium. Er übergab sein Amt an Kurt Viermetz.
Francioni ist in Frankfurt kein Umbekannter. Nach mehreren Stationen bei Schweizer Banken und Hoffmann-LaRoche in Basel kam er im April 1993 zur Frankfurter Börse. Der Züricher Jurist gilt als Vater des inzwischen verrufenen Neuen Marktes und war maßgeblich am Aufbau des elektronischen Handelssystems Xetra beteiligt.
Das Verhältnis zu seinem Landsmann Seifert, dessen rechte Hand er zuletzt war, galt allerdings als äußerst gespannt. Francioni musste im Jahre 2000 gehen, nachdem er sich offen gegen Seiferts Pläne einer Übernahme der Londoner Börse gestellt hatte. Im Mai dieses Jahres stürzte Seifert dann genau über diese Pläne: Er verlor den monatelangen Machtkampf mit den rebellischen Aktionären um den Hedgefonds TCI, die die Übernahme torpediert hatten.
Dennoch will die Deutsche Börse bei der Konsolidierung weiterhin eine aktive Rolle spielen und auch Fusionspläne scheinen noch nicht begraben. Die Börse sei "für Kooperationen und andere Verbindungen mit Börsenorganisationen in allen geeigneten Formaten offen - sowohl national als auch international - die im Interesse der Kunden und Aktionäre sind", hieß es. Hierzu werde die Börse auch unter Francioni weiter den Dialog suchen.
Medienberichten zufolge gab es im Börsenrat Widerstände gegen die Ernennung Francionis. Mitglieder warfen dem diplomatischen Schweizer demnach vor, er habe in seiner bisherigen Funktion in Zürich keine Zukunftsperspektiven entwickelt und sei zuvor auch in der Führung des Brokerhauses Consors gescheitert. Der Börsenrat mit rund 20 Mitgliedern ist das höchste Kontrollgremium der öffentlich-rechtlichen Frankfurter Wertpapierbörse, die von der Deutschen Börse betrieben wird. Er hat jedoch kein Mitspracherecht bei Personalfragen.
Nach Seiferts Abgang hatte auch Breuer seinen Rückzug angekündigt. Sein Nachfolger Viermetz, der auch Aufsichtsratschef der Hypo Real Estate ist, würdigte die Verdienste des einstigen Deutsche-Bank-Chefs und dankte Breuer für seine mehr als zwölfjährige Arbeit. Mit Breuer wurden nach dem Streit mit den Aktionären sieben Aufsichtsräte ausgetauscht. So sitzt inzwischen auch der CDU-Politiker und TCI-Anwalt Friedrich Merz im Kontrollgremium der Börse.
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